Warum ein Lokführer sich diesen Omnibus gekauft hat

Dresden - Er fährt Geschichte auf vier Rädern: René Belschner (54) knattert mit einem Omnibus 59er-Baujahr durch Dresden und Umgebung. Mitfahrer können seinen besonderen Oldtimer für Ausfahrten buchen - seit 1993 hat Belschner schon 224.000 Kilometer mit dem blau-weißen Vehikel zurückgelegt.

René Belschner (54) am Steuer seines Lieblings. Ohne Servolenkung hat er schon 224 000 Kilometer zurückgelegt.
René Belschner (54) am Steuer seines Lieblings. Ohne Servolenkung hat er schon 224 000 Kilometer zurückgelegt.  © Holm Helis

Beim Anblick des Oldies geht vielen Sachsen das Herz auf, denn sie kennen ihn von früher aus dem ganz normalen Linienverkehr.

Dieser Bus ("IFA H6" mit 190 PS) beförderte in den 60er-Jahren Fahrgäste zwischen Leipzig und Waldheim. Später wurde er ausgemustert, landete als Transporter bei der LPG Obstproduktion Dürrweitzschen.

"Dort sah ich ihn auch nach der Wende bei Filmaufnahmen für die Schmalspurbahn", erinnert sich Belschner, der damals wie heute als Lokführer der Weißeritztalbahn arbeitet.

Der Freitaler kaufte den Bus, restaurierte ihn zwei Jahre lang, erneuerte Blech, Böden, Lackierung. "Mich fasziniert diese Technik. Wo man noch selbst hört, wenn etwas kaputtgeht. Man alles selbst machen kann", sagt der gelernte Diesellok-Schlosser, der den Busführerschein besitzt.

Und so fährt er seit 27 Jahren Gäste für Stadtrundfahrten, Hochzeiten, Geburtstage und Betriebsausflüge durch Dresden, Meißen, Moritzburg, Altenberg oder Zwickau.

Fahren wie in den 60er-Jahren: Den Bus kann man für Spritztouren in Dresden und dem Umland mieten.
Fahren wie in den 60er-Jahren: Den Bus kann man für Spritztouren in Dresden und dem Umland mieten.  © Holm Helis
Gewissenhaft hegt und pflegt er den Oldtimer.
Gewissenhaft hegt und pflegt er den Oldtimer.  © Holm Helis
Der "IFA H6" wurde 1959 im VEB Kraftfahrzeugwerk "Ernst Grube" Werdau gebaut.
Der "IFA H6" wurde 1959 im VEB Kraftfahrzeugwerk "Ernst Grube" Werdau gebaut.  © Holm Helis

Etwa 8000 Kilometer jedes Jahr - ohne Servolenkung, mit Drehkurbel-Fenstern und Zwischenkuppeln. "Viele winken an der Strecke zu, freuen sich", sagt Belschner. "Und vor allem ältere Fahrgäste erzählen natürlich auch alte Geschichten von früher oder wie sie als Jugendliche mitgefahren sind."

240 Euro kostet eine zweistündige Fahrt für maximal 42 Mitfahrer. Den Erlös steckt er wieder in den Bus, der aller drei Monate zur Sicherheitsprüfung muss. Erst einmal blieb der Oldie (wiegt 12,6 Tonnen) liegen, sodass ihn ein Bekannter mit dem Lkw abschleppen musste. Und auch den Nachwuchs hat Belschner schon eingespannt: Sohn Tobias (19) schraubt bereits fleißig mit, fährt mit zu Oldtimer-Treffen.

Titelfoto: Holm Helis

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