Legionellen-Alarm in Dresden! Dusch-Verbot für Vonovia-Mieter

Dresden - Duschen verboten! Weil das Wasser in ihrem Haus mit krank machenden Legionellen belastet ist, dürfen die Bewohner zweier Eingänge an der Leubnitzer Straße in Dresden seit Mittwochabend ihre Brausen nicht mehr benutzen. Den dazugehörigen Aushang hatten Donnerstagnachmittag aber noch nicht alle gesehen. Und nicht nur das sorgt für dicke Luft.

In diesem Haus sind 18 Wohnungen betroffen. Es sind nicht die einzigen in Dresden mit einem Legionellen-Problem.
In diesem Haus sind 18 Wohnungen betroffen. Es sind nicht die einzigen in Dresden mit einem Legionellen-Problem.  © Thomas Türpe

"Ich wollte grad meine Tochter baden. Da kam meine Frau heim und hat gesagt 'Stopp'. Da lief das Wasser schon ein", erzählt Marcel Hartig (38). Genau neben der Tür zu seiner Wohnung hing die Mitteilung der Vonovia über die "extrem hohe Legionellenkontamination".

Während der Grenzwert bei 100 KBE (Koloniebildende Einheiten) liegt, wurden Werte von 18.000 KBE gemessen. Ab 10.000 wird ein Duschverbot verhängt.

"Bescheid gesagt hat aber niemand. Das kam völlig überraschend", so Hartig. "Wenn es so schlimm ist, hätten sie Bescheid sagen müssen", ärgert sich auch Bewohner Tom Boehme (42). Den Aushang hatte er Donnerstag noch gar nicht bemerkt.

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Obwohl die Wasserproben bereits am 13. Oktober genommen wurden, lag der Vonovia das Ergebnis erst am Mittwoch vor, wie Sprecher Matthias Wulff (45) mitteilte. "Wir haben sofort reagiert. Unsere Mieter sind informiert, und die Sterilfilter werden am Freitag an den Duschen installiert", so Wulff. Dabei handelt es sich um spezielle Duschköpfe, die Legionellen zu 99,9 Prozent herausfiltern.

"Das ist doch ein Witz. Das Wasser kommt doch nicht nur aus der Brause", sagt Mieter Boehme.

Weitere Häuser betroffen

Mit diesem Aushang wurden die Mieter am Mittwoch informiert.
Mit diesem Aushang wurden die Mieter am Mittwoch informiert.  © Thomas Türpe
Wegen der Legionellen-Belastung muss die Brause gegen eine spezielle mit Sterilfilter ausgetauscht werden.
Wegen der Legionellen-Belastung muss die Brause gegen eine spezielle mit Sterilfilter ausgetauscht werden.  © Thomas Türpe

Laut Trinkwasser-Verordnung müssen aber nur dort die Filter angebracht werden. Vonovia-Sprecher Wulff betont aber: "Die überdurchschnittlichen Belastungen sind nur bei zwei Wohnungen gemessen worden. Vorsichtshalber haben wir aber alle im Haus informiert." Allein hier sind 18 Mietparteien betroffen. Man analysiere nun, woher die erhöhte Belastung kommt und wie sie so zügig wie möglich wieder reduziert werden kann.

Das Legionellen-Problem in dem Haus ist jedoch kein Einzelfall. In der Altenzeller und Hohen Straße wurden aktuell Werte von 16.000 KBE gemessen. Insgesamt wurden dem Gesundheitsamt in diesem Jahr bereits 515 Überschreitungen angezeigt.

Was sind Legionellen?

Legionellen sind stäbchenförmige Umweltbakterien, die in Gewässern und Wasseranlagen von Gebäuden vorkommen. Damit auch im Trinkwasser.

Überschreitet die Legionellen-Menge darin den Grenzwert (100 koloniebildende Einheiten, genannt KBE, pro 100 Milliliter), kann das gefährlich werden.

Wer Aerosole (feinste Tröpfchen, Wassernebel) einatmet, kann an Legionellose (gefährliche Form der Lungenentzündung) erkranken.

Der Vermieter muss dagegen vorgehen (etwa Leitungen spülen, Pumpen erneuern), das Gesundheitsamt kann Duschverbote verhängen.

Titelfoto: Montage: Thomas Türpe

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