Dresden - Weiterhin große Ungewissheit im Prohliser Ärztehaus am Albert-Wolf-Platz! Für einen Abriss des Gebäudes hat die Stadt den Mietern die Kündigung ausgesprochen. Sie sollen künftig an anderen Standorten ihren Praxisbetrieb weiterführen. Die Vorschläge dafür kommen jedoch gar nicht gut an.
"Die Alternativen sind zu klein oder aufgrund des Zustands beziehungsweise der Lage nicht geeignet", beklagt die betroffene Zahnärztin Manuela Koch-Zec (51) im Gespräch mit TAG24. Auch mehrere Kollegen seien mit den Ende Januar erhaltenen Angeboten unzufrieden.
Über drei Monate hat es somit nun gedauert, bis die Verwaltung nach der ersten Mieterversammlung mit dem überraschenden Verkünden der Abriss-Pläne die Ersatzstandorte vorbrachte.
Ein solcher Zeitverzug macht Linken-Stadträtin Anja Stephan (50) fassungslos. "Das ist ein Gesamtversagen, welches an den Oberbürgermeister adressiert werden muss", lautet ihre Kritik. Eine gestellte Anfrage an Dirk Hilbert (54, FDP) ließ sie bereits befürchten, dass die unterbreiteten Alternativen nicht zu den Bedürfnissen der Mieter passen.
Das Rathaus weist diesbezüglich jedoch die Verantwortung von sich. "Die von den Mietern erbetene Zuarbeit zum Raumbedarf sowie gegebenenfalls weiteren Anforderungen an die Alternativflächen blieb leider aus", heißt es in Hilberts Antwort.
Dem widerspricht Koch-Zec deutlich: "Ich habe meine Vorstellungen und den benötigten Platz von mindestens 100 Quadratmetern kommuniziert." Sie besitze mittlerweile keine Hoffnung mehr, dass seitens der Stadt noch brauchbare Vorschläge kommen. "Ich muss deshalb selbst auf die Suche gehen."
Stadtrat hat Ende März das letzte Wort
Für die Medizinerin steht jedenfalls fest, dass der geforderte Auszug bis zum 30. Juni für sie schon alleine wegen fehlender Alternativen nicht umsetzbar ist. Sie will die Stadt deshalb um Aufschub bitten.
"Termine vereinbaren wir auch für den Zeitraum nach der Frist", so Koch-Zec. Notfalls müsse man den Patienten dann absagen.
Ob das Grundstück des Ärztehauses wirklich in die STESAD übergeht und damit eine "Baufeldfreimachung" für die Errichtung des späteren Azubi-Wohnheims erfolgen kann, entscheidet der Stadtrat am 26. März, wenn eine entsprechende Vorlage samt Petition zur Abstimmung steht.
Für Linken-Politikerin Stephan ist jedenfalls klar, dass man dem Papier nicht zustimmen könne, solange nicht verbindlich geklärt sei, wie die medizinische Versorgung im Stadtteil gesichert werde. "Die Stadtverwaltung sollte jetzt die Zeit nutzen, um nachzubessern."
Die CDU-Fraktion hat bereits angekündigt, einen Änderungsantrag einzubringen, der die Verwaltung beauftragt, den Vollzug der Räumung des Gebäudes so lange auszusetzen, bis den Mietern "adäquate und vor allem ortsnahe Angebote" unterbreitet wurden.