Paukenschlag in Prohlis: Ärztehaus wird abgerissen! Praxen müssen raus
Dresden - Die Entscheidung ist gefallen: Das Ärztehaus am Albert-Wolf-Platz in Dresden-Prohlis wird abgerissen. Offenbar noch in diesem Jahr müssen alle Praxen das Gebäude verlassen. Sie stehen vor einer bislang ungewissen Zukunft.
Wie TAG24 erfahren hat, sind die Mietparteien vom Liegenschaftsmanagement über das Ende des Mietverhältnisses informiert worden. Begründet wird dies mit der Errichtung eines Azubi-Wohnheims für das künftige BSZ Elektrotechnik und der dafür "notwendigen Baufeldfreimachung" auf dem Areal.
"Alle Mietverträge wurden unter Einhaltung der vertraglichen Kündigungsfristen gekündigt", bestätigt das Rathaus auf Anfrage. Der Zeitpunkt soll in mehreren Fällen auf den 30. Juni festgelegt worden sein.
Laut Stadt-Sprecher Daniel Heine (40) ist das Grundstück für die Errichtung des Wohnheims ausgewählt worden, da eine Sanierung des darauf befindlichen Bestandsobjekts ohnehin nicht wirtschaftlich tragfähig wäre.
Man unterstütze die Praxisbetreiber "freiwillig" bei der Suche nach geeigneten alternativen Gewerbeflächen und habe dafür inzwischen Angebote vorgelegt. Nach TAG24-Informationen ist dies jedoch bisher nicht geschehen.
Stadtbezirksbeirat Steffen Hanisch über weiteres Vorgehen: "Werden Änderungsantrag einbringen"
An der Verfahrensweise kommt Kritik von der SPD. So hätte die Stadt vor dem Kündigen erst einmal die Alternativen klären und vorstellen müssen, sagt der finanz- und gesundheitspolitische Sprecher Peter Lames (61). Gleichzeitig betont er, dass es ein Wohnheim brauche.
Die AfD spricht angesichts der neuesten Entwicklungen ihr Bedauern aus. "Wir werden einen Änderungsantrag [...] einbringen, in dem der Stadtrat die Verwaltung noch einmal ausdrücklich dazu verpflichtet, sich nicht aus der Verantwortung zu stehlen und den Mietern vergleichbare Angebote in der Nähe zu unterbreiten", erklärt der Prohliser Stadtbezirksbeirat Steffen Hanisch (64).
Auch die Grünen erwägen einen solchen Schritt. "Der OB gefährdet mit der Art und Weise, wie er das Projekt steuert, das Azubi-Wohnheim. Er hinterlässt verbrannte Erde, wenn es keine gute Lösung für die Gesundheitsversorgung in Prohlis gibt", meint die baupolitische Sprecherin Susanne Krause (41).
Eine Interimslösung mit anschließendem Umzug in den Neubau ist laut Rathaus nach anfänglichen Überlegungen verworfen worden. In einer CDU-Anfrage schrieb Dirk Hilbert (54, FDP) dazu: "Die avisierten Mietpreise wären nicht marktgängig und hätten zu einer Reduzierung der primär verfolgten Bereitstellung von Wohnheimkapazitäten geführt."
Derweil läuft die Prüfung einer Petition, die vonseiten der Arztpraxen zum Erhalt des medizinischen sowie gesundheitlichen Standorts durchgeführt wurde. Ob eine Übergabe an den entsprechenden Ausschuss zur Weiterbehandlung erfolgt, ist noch unklar.
Titelfoto: Montage: TAG24, Thomas Türpe

