Dresden - Kapitänin ahoi! Erst im August hat Leonie Kreher (21) ihre Ausbildung zur Binnenschifferin bei der Weißen Flotte begonnen. Doch es könnte durchaus sein, dass sie in wenigen Jahren die erste Schiffsführerin der ältesten Raddampferflotte der Welt ist.
Und Leonie weiß auch schon, welchen Dampfer sie am liebsten auf der Elbe steuern würde: "Die Pillnitz, denn auf ihr habe ich auch meine Gastro-Ausbildung zur Restaurantfachfrau absolviert."
Zwischen Wiener Würstchen und Brause hat Leonie entdeckt, was sie eigentlich will: ein Schiff steuern.
Doch vor der Kapitänslizenz heißt es, Theorie an der Schifffahrtsschule in Schönebeck (bei Magdeburg) büffeln und in der Praxis bei der Weißen Flotte zupacken.
"Ich kann mich ganz gut in der Männerwelt behaupten, will auch keine Extrabehandlung haben", sagt Leonie, während sie auf der Laubegaster Werft unter die "Pillnitz" kriecht. "Wir entrosten gerade den Rumpf."
Bei der Montage der Schaufelräder, die immerhin 60 Kilo wiegen, kommt Leonie zugute, dass sie Kraftsport betreibt. "Ich bin auch gern unter Deck, beim Maschinisten. Dort gibt's eine kleine Werkstatt."
Leonie packt in ihrer dreijährigen Ausbildung richtig mit an
Nach drei Jahren Lehrzeit samt Rundumwissen von Nautik bis Maschinenkunde kann Leonie als Bootsfrau bei der Flotte anheuern.
Es folgen mindestens 180 Fahrtage und Streckenpatente, um zum Steuermann befördert zu werden. Dann erst folgt der Schiffsführer in der Hierarchie.
"Auf der einfachen Lehrlingsstrecke zwischen Rathen und Königstein habe ich im Beisein des Steuermanns schon einen Dampfer gesteuert", sagt Leonie stolz. "Meine Oma Siglinde, die immerhin schon 88 ist, will auf jeden Fall noch erleben, wie ich im Steuerhaus eines Dampfers arbeite."
Noch liegt die 140 Jahre alte "Pillnitz" zur Winterüberholung auf der Slipanlage der Werft, doch im Frühjahr ist sie wieder flott und frisch gestrichen auf der Elbe unterwegs - mit Leonie an Bord.