Auf der Walz durch Dresden: "Man kommt an seine Grenzen"
Dresden - Mehrere Jahre von zu Hause weg, handylos und nur das Nötigste im Gepäck: Steinmetz und Bildhauer Marius (33) ist seit mehr als zwei Jahren auf Wanderschaft. Eine seiner letzten Stationen? Die sächsische Landeshauptstadt. Doch wie hat ihn die Walz verändert?
Mit Stenz oder auch "Wanderstab", der typischen Kluft - Schlaghose, Weste und Hut - und Bündel ist Marius nun schon fast drei Jahre quer durch Europa unterwegs: "Deutschland, Schweiz, Irland, England, Rumänien Ungarn und Österreich".
Besonders prägend: "In Sibio haben wir in einer kirchlichen Herberge gelebt und die Altstadt restauriert", erinnert sich der gelernte Steinmetz im Gespräch mit TAG24.
Doch bei den Wanderjahren geht es um weitaus mehr als Reiselust: "Die Liebe zum Handwerk und natürlich auch, um menschlich zu wachsen. Wir wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben."
Das war nicht immer leicht: "Man kommt an seine Grenzen", betont der 33-jährige Wandergeselle. Denn "natürlich gibt es auch schwierige Phasen und die Umgewöhnung am Anfang ist schon hart". Trotzdem ist der gelernte Steinmetz froh, sich der Herausforderung gestellt zu haben.
Ursprünglich kommt er eigentlich aus dem bayerischen Weilheim. Allerdings darf er sich während der Wanderschaft seinem Heimatort auf 50 Kilometer nicht nähern.
Auch deshalb hat er sich die "Bannmeile" auf seiner Landkarte eingekreist - denn ein eigenes Handy ist in dieser Zeit tabu.
Schuldenfrei, kinderlos und unter 30
Laut Marius' Schacht "Gesellschaft freie Vogtländer Deutschlands" (F.V.D.) läuft die Wanderschaft mindestens zwei Jahre und einen Tag. In anderen Vereinigungen sind es regulär hingegen drei Jahre und einen Tag.
Doch wie sieht der Alltag eines Wandergesellen aus? "Man unterscheidet zwischen Arbeits- und Reisezeit. Die Arbeitszeit ist sehr geregelt. Beim Reisen kann hingegen alles passieren. Es ist immer abhängig von den Menschen, die man trifft."
So kommen die Gesellen unter anderem per Autostopp bzw. Trampen von A nach B. "Die Leute sind manchmal skeptisch. Aber im Auto kommt man ins Gespräch, muss auch mal 'Rede und Antwort zur Wanderschaft' stehen. Dann tauen sie auf."
Doch auch typisches Wandern bleibt nicht aus: "Manchmal muss man auch an der Autobahn langlaufen."
Die erledigten Arbeiten des Steinmetzen sahen dabei vielseitig aus: "Maurer- und Stuckarbeiten, beim Fliesenleger Bronzegießer, aber auch in der Forstwirtschaft". Um an Arbeit zu gelangen, spricht der Geselle auf seiner Wanderschaft schlichtweg Handwerksbetriebe an. Ziel: "bei Meisterbetrieben neue Fertigkeiten lernen".
Doch nicht gleich nach der Ausbildung zog es den 33-Jährigen zur Wanderschaft: "Ich hab immer mal wieder damit geliebäugelt." Irgendwann habe es dann doch Klick gemacht. "Dann bin ich als Neuling erst mal drei Monate mit einem Exportgesellen mitgegangen, um alles kennenzulernen."
Dabei ist nicht jeder berechtigt, auf Walz zu gehen: "Man muss unter 30 sein, schulden- und vorstrafenfrei, kinderlos und ledig."
Titelfoto: Bildmontage: Kristin Schmidt/Jacqueline Grünberger

