Aus "Schnabel" wird "Josephine": Jungmeisterin rettet Pieschener Backtradition

Dresden - Sachsen gehen die Meister aus. Wer nach Jahren im Beruf in Rente geht, muss immer häufiger befürchten, keinen Nachfolger zu finden. Anders in Pieschen, wo die 20-jährige Josephine Jachmann die Traditionsbäckerei "Schnabel" übernimmt.

Andreas Schnabel (67) übergibt seine Bäckerei an die junge Konditormeisterin Josephine Jachmann (20).  © Norbert Neumann

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blickt Bäckermeister Andreas Schnabel (67) der Rente entgegen.

Am 18. April verlassen er und Ehefrau Carmen (63) die Backstube: "33 Jahre haben wir Brot, Brötchen, Pfannkuchen nach DDR-Rezept und Stollen gebacken. Das ist unser Lebenswerk." Mit dem Blick zu Josephine hellt sich seine Miene wieder auf: "Aber schön zu wissen, dass es weitergeht."

Denn am 12. Mai wird die Bäckerei von Josephine Jachmann neu eröffnet. Nach der Ausbildung zur Konditorin hängte sie direkt den Meister dran und ging auf die Suche nach einem Betrieb: "Ich habe mich bei der Bäckerinnung gemeldet, auch die Schnabels hatten sich dort eingetragen." Nach der Vermittlung verstanden sich die drei auf Anhieb bestens.

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Den Innenraum möchte Josephine umgestalten, auch der Name ändert sich: Fortan wird die Bäckerei an der Maxim-Gorki-Straße "Josephine - die Konditorei" heißen.

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TAG24 hat die Traditionsbäckerei "Schnabel" und Josephine Jachmann besucht

Mama Katrin Jachmann (45) hilft bei Marketing und Verkauf.  © Norbert Neumann
Mit Übernahme im Mai wird die Feinbäckerei Schnabel in der Pieschener Maxim-Gorki-Straße in Zukunft "Josephine - die Konditorei" heißen.  © Norbert Neumann

Angebot an Backwaren bleibt erhalten

Die guten alten Rezepte werden gewahrt, garniert mit neuen Kreationen aus der Backstube.  © Norbert Neumann

Das Angebot an Backwaren bleibt dabei erhalten: "Wir haben überwiegend Stammkundschaft und Josephine erhält von uns alle Rezepte", berichtet Carmen Schnabel.

Im Oktober werden die Schnabels dann noch ein letztes Mal gemeinsam mit der neuen Chefin in der Backstube arbeiten: "Wir backen die ersten Stollen nach Schnabels Rezept und da kriege ich noch mal Unterstützung", so Josephine.

Nach Angaben der Dresdner Handwerkskammer gab es 2013 noch 82 Bäckereien in Dresden, im Vorjahr nur noch 67. Damit schloss fast jede fünfte Bäckerei im Stadtgebiet: "Gab es früher überwiegend kleine Familienbetriebe, in denen der Verkauf an die Backstube angeschlossen war, so geht der Trend heute vermehrt zu zentralen Produktionsstätten mit einem Netz von Filialen", berichtet ein Sprecher.

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Geschlossene Bäckereien würden häufig von großen Wettbewerbern übernommen. Doch in Pieschen zeigt Josephine, dass echte Handwerkskunst selbst in schwierigen Zeiten eine Zukunft haben kann.

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