Bald will er im Fenster sitzen: Das Geheimnis hinter Schreibers Schaukasten
Dresden - Schaukästen sind aus der Mode gekommen. Doch es gibt noch einen, auf der Striesener Bergmannstraße, der nur wenige Hauseingänge hinter der Kleingartensparte neugierig macht. Hinter dem großen Glasfenster steht vor einem großformatigen Schwarz-Weiß-Foto ein Stuhl an einem Tisch, der mit einem Glas und einer Flasche Rotwein gedeckt ist. Dazu ein Schild "L'artistic n'est pas present" – sinngemäß: Der Künstler fehlt.
Stimmt, denn Hobby-Fotograf Michael Schreiber (70) alias "Der Licht-Schreiber" wohnt um die Ecke.
"Der Schaukasten gehört einem Malermeister, der ihn aber nicht mehr nutzt. Er hat ihn mir überlassen", freut sich der Elektrotechnik-Ingenieur im Unruhestand. "Wenn das Wetter etwas milder ist, will ich mich auch mal in den Kasten setzen, um zu sehen, welche Reaktionen das auslöst."
Und falls Schreiber Zeit hat. Denn der gebürtige Düsseldorfer, der seit 2014 in Dresden lebt, ist viel mit seiner Kamera unterwegs.
Gerade arbeitet er an einer Trafo-Häuschen-Serie - inspiriert vom Künstlerpaar Bernd (†2007) und Hilla Becher (†2015), die sich fotodokumentarisch mit Industriebauten beschäftigten.
Jeden Morgen die wichtigsten Nachrichten direkt in dein Postfach.
- Lokale Nachrichten aus Dresden & Umgebung
- Exklusive Hintergrundberichte
- Jederzeit abbestellbar
Licht-Schreibers Fotografien bald ausgestellt
Ab 28. Februar werden einige von Licht-Schreibers Schwarz-Weiß-Fotografien im Weinladen "Weinselig" (Hechtstraße) für ein halbes Jahr zu sehen (und ab 95 Euro zu erwerben) sein.
"Zum einen sind es Lost Places wie die Heilanstalt Grabowsee oder die Kirche der verlorenen Seelen in Lukowa", erzählt Schreiber.
"Zum anderen sind es chronologisch geordnete Fotografien. Angefangen von meinem ersten Foto, das ich 1968 als 13-Jähriger mit einer Pentacon-Kamera und ORWO-Film geschossen habe."
Die Kamera bewahrt Schreiber bis heute inmitten seiner kleinen Kamerasammlung auf.
Titelfoto: Bildmontage: Norbert Neumann (2)

