Bewegende Momente am Neumarkt: Dieser Stolperstein erinnert an einen mutigen Zeugen Jehovas

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Dresden - Am Dresdner Neumarkt wurde am Mittwoch ein "Stolperstein" verlegt, der eine bewegende Geschichte erzählt. Eine Geschichte von Verfolgung, Mut und einem Mann, der selbst während seiner acht Jahre in Konzentrationslagern nicht aufgab und überlebte.

Zur Verlegung des Stolpersteins kamen zahlreiche Dresdner und legten Blumen nieder.
Zur Verlegung des Stolpersteins kamen zahlreiche Dresdner und legten Blumen nieder.  © Norbert Neumann

Am Neumarkt 10, dem früheren Standort des "Hotel Stadt Rom", wurde der 1902 geborene Jurist Ernst Wauer am 19. Oktober 1936 verhaftet. Sein "Vergehen": Als Zeuge Jehovas hatte er an einem Kongress in der Schweiz teilgenommen und verbotene Schriften besessen.

Was folgte, waren acht Jahre Haft, Folter und Leid.

Für seine Familie kam die Verhaftung wie ein Schock. Sein Enkel Norbert Meier (64) erinnert sich an die Erzählungen seiner Mutter: "Auf einmal stand die Polizei da – blitzschnell war alles vorbei", erzählt sie ihm.

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"Ein Polizist wollte sie beruhigen und sagte: 'Wir nehmen Papa nur kurz mit.' Aber als die Schule vorbei und Papa nicht da war, stellte sich heraus: Der Papa kommt nicht mehr so schnell wieder."

Wauer wurde verhört, geschlagen und später in mehrere Konzentrationslager verschleppt. Doch selbst dort gab er anderen Halt: Er organisierte heimlich Bibelstunden, ließ verbotene Schriften vervielfältigen und stärkte Mitgefangene.

Sein Widerstand ging so weit, dass die SS sogar seine Hinrichtung beantragte. Doch dazu kam es nicht. Kurz zuvor wurde er in ein anderes Lager verlegt und entging dem Tod.

Mit Norbert Meier (64) und Dorothea Schwarz (63) kamen auch Angehörige auf den Neumarkt.
Mit Norbert Meier (64) und Dorothea Schwarz (63) kamen auch Angehörige auf den Neumarkt.  © Norbert Neumann
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Mit nur 24 Jahren wurde Ernst Wauer in Dresden verhaftet.
Mit nur 24 Jahren wurde Ernst Wauer in Dresden verhaftet.  © Dorothea Schwarz

Tochter von Ernst Wauer: "Die Geschichten von ihm haben mich in meinem Leben geprägt"

Wauer war unter anderem im KZ Neuengamme bei Hamburg.
Wauer war unter anderem im KZ Neuengamme bei Hamburg.  © picture alliance/dpa

Seine Tochter aus zweiter Ehe, Dorothea Schwarz (63), erinnert sich: "Die Geschichten von ihm waren Alltag und haben mich in meinem Leben geprägt."

Für sie ist die Stolperstein-Verlegung ein bewegender Moment. "Das berührt mich total und darf nicht in Vergessenheit geraten."

1945 wurde Wauer befreit. Auch danach blieb er unter Druck – diesmal durch die Stasi. Trotzdem setzte er seinen Weg fort und blieb seinem Glauben bis zu seinem Tod 1993 treu.

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Anlässlich des Tages der Befreiung vom Nationalsozialismus werden in Dresden mehrere Stolpersteine verlegt – inzwischen sind es bereits rund 400 in der Stadt.

Titelfoto: Bildmontage: Norbert Neumann, Dorothea Schwarz

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