Buche umgestürzt: Französin im Großen Garten erschlagen
Dresden - Suchte sie Schutz vor einem Gewitter? Oder übernachtete arglos neben einem kranken Baum? Dieser Todesfall gibt Rätsel auf: Baumpfleger entdeckten im Dickicht des Großen Gartens unter einer umgestürzten Buche die Leiche einer Frau. Dabei handelt es sich um eine 55-jährige Französin.
Monatelang hüllten sich die Schlösserland-Verantwortlichen in Schweigen, sprachen lediglich von einem "Personenschaden". Erst als TAG24 presserechtliche Schritte androhte, brach die dem Freistaat unterstellte Schlösserverwaltung ihr Schweigen.
So wird erst jetzt bekannt, welchen schrecklichen Fund Baumpfleger am Morgen des 16. Juni (einem Montag) vergangenen Jahres nahe dem Friedrich-Bouché-Weg im Norden des Parks machten: In schwer zugänglichem Gelände ragten unter dem Stamm einer umgestürzten großen Buche zwei Beine hervor. Die Arbeiter entdeckten die Leiche, riefen die Polizei.
"Die erfolgten Identifizierungsmaßnahmen ergaben, dass es sich um eine 55 Jahre alte, französische Staatsangehörige handelt, die ohne festen Wohnsitz in Deutschland durch Europa reiste", teilt Rebecca Gahse (27) von der Dresdner Staatsanwaltschaft mit. Man ermittle wegen fahrlässiger Tötung.
Nach TAG24-Informationen gab es eine Obduktion: Die Verletzungen würden demnach zu einem Baumsturz passen. Am Vorabend hatte es nach einem Hitzetag (bis 30 Grad) auch in Dresden ein Gewitter mit Sturmböen gegeben. Allerdings soll der Leichnam in schlechtem Zustand gewesen sein, möglicherweise lag dieser bereits einige Zeit dort.
Jeden Morgen die wichtigsten Nachrichten direkt in dein Postfach.
- Lokale Nachrichten aus Dresden & Umgebung
- Exklusive Hintergrundberichte
- Jederzeit abbestellbar
Schlösserland bedauere "den tragischen Unfall" zutiefst
"Die Person hatte offenbar in einem schwer zugänglichen Bereich des Parks im dichten Gehölzbestand übernachtet", teilt Schlösserland-Sprecherin Anita Radicke (39) mit.
Der Tod habe das ganze Unternehmen, besonders aber das Gärtnerteam, schwer erschüttert. Schlösserland bedauere "den tragischen Unfall" zutiefst. "Unser Mitgefühl und Beileid ist bei den Angehörigen."
Der Vorfall zeige deutlich, dass trotz größtmöglicher Anstrengungen im Bereich der Baumpflege unvorhersehbare Gefahren von Bäumen ausgehen können.
"Die Zahl der Baumfällungen im Großen Garten hat sich in den letzten Jahren drastisch gesteigert", teilte Schlösserland-Chef Christian Striefler (64) im Januar mit.
Nach dem Todesfall war der betroffene Bereich gesichert, später 1500 Baumpflegemaßnahmen durchgeführt und weitere 1600 in die Wege geleitet worden.
Infolge des Klimawandels: Bäume sterben aufgrund von Trockenheit oder Krankheit
Dennoch müssen seit Jahren immer wieder Areale wegen der Gefahr durch kranke oder beschädigte Bäume gesperrt werden. Auch 2025 war laut Staatsregierung "eine erhebliche Anzahl an Wegen" betroffen.
Laut Schlösserland sterben Äste in den Baumkronen oder gleich ganze Bäume aufgrund von Trockenheit oder Krankheit als Folge des Klimawandels ab und verlieren ihre Standsicherheit.
Eine Anfrage der Grünen hatte ergeben, dass es 2025 insgesamt drei "Personenschäden" durch abgestorbene Bäume oder Äste gegeben hatte: Dabei handelt es sich um zwei leicht verletzte Personen - und eben die verstorbene Französin.
Laut Staatsanwältin Gahse sei auch ein Sachverständigengutachten in Auftrag gegeben worden, die Ermittlungen würden noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
Titelfoto: Bildmontage: Holm Helis

