Uhrmacher-Meisterin sucht Nachfolger, doch der lässt weiter auf sich warten
Dresden - Seit Jahrzehnten gehört ihr kleines Geschäft im Sachsen Forum fest zu Gorbitz - ein Ort, an dem die Zeit noch hörbar tickt. Christina Nowotnik (68) hat hier unzählige Uhren repariert und sich mit ihrem Handwerk einen Namen gemacht. Nach einem langen Berufsleben sucht die 68-jährige Uhrmachermeisterin nun jemanden, der ihr Lebenswerk weiterführt.
"Ich mache das jetzt seit einer Weile schon komplett allein", sagt sie und man spürt sofort: Hier spricht jemand, der für sein Handwerk lebt. Geboren 1959, begann ihr Weg in der DDR. In den 1970ern wurde das Handwerk stark gefördert - eine Chance, die sie nutzte.
"Ich hatte das beste Zeugnis von allen", erinnert sie sich. Nach nur einem Jahr als Gesellin wurde sie direkt zum Meisterstudium delegiert - eine Seltenheit. In einer Klasse mit 25 angehenden Meistern war Christina Nowotnik eine von nur drei Frauen.
Mit 25 wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit, kurz nach der Geburt ihrer Tochter. "Seitdem bin ich durchgehend selbstständig", sagt sie.
1996 zog sie in ihr Geschäft im Sachsen Forum ein. "Ich bin hier quasi von der ersten Stunde an dabei." Seitdem kämpft sie sich durch alle Veränderungen, bleibt aber ihrer Linie treu.
Jeden Morgen die wichtigsten Nachrichten direkt in dein Postfach.
- Lokale Nachrichten aus Dresden & Umgebung
- Exklusive Hintergrundberichte
- Jederzeit abbestellbar
Interesse ist da, aber nächster Schritt fehlt noch
Christina Nowotniks Spezialität: "Uhrenreparaturen aller Art, egal ob neu oder alt." In ihrer eigenen Werkstatt bringt sie selbst komplizierteste Stücke wieder zum Laufen.
Besonders schätzt sie die stillen Momente: "Die Arbeit in der Werkstatt ist wunderschön, wenn man einfach mal für sich ist." Und doch geht es ihr um mehr als Technik: "Die Ware an den Mann zu bringen, die man selbst ausgesucht hat - das ist ein schönes Erfolgserlebnis."
Jetzt, mit 68, wird der Blick nach vorn wichtiger. "Es wird Zeit zu schauen“, sagt sie offen. Ihr Laden gilt als bestens geführt, die Kundschaft ist treu.
"Die Leute haben hier sonst nichts mehr und man kennt sich." Was fehlt, ist jemand, der übernimmt. "Das Interesse ist da, aber der nächste Schritt fehlt noch." Dabei sei das Geschäft ideal, auch als Zweitstandort.
Titelfoto: Petra Hornig

