Darum wird es in Sachsen immer schwieriger, neue Betriebsräte zu gründen
Dresden - Die bevorstehenden Betriebsratswahlen sind die größten politischen Wahlen gleich nach der Bundestagswahl. Obwohl rechtlich abgesichert, wird es in Sachsen immer schwieriger, neue Betriebsräte zu gründen.
Der Gegenwind aus den Chefetagen bläst vielen Initiativen heftig ins Gesicht, sagt Stefan Ehly (42) von der IG Metall Dresden-Riesa. "Besonders in inhabergeführten kleinen und mittleren Unternehmen sehen Chefs die Gründung häufig als Einmischung in betriebliche Angelegenheiten."
Die aktuelle Talfahrt der Wirtschaft verstärkt diese Tendenz. "Als Gegenmaßnahme droht das Management nicht selten direkt oder indirekt mit Rationalisierungen oder Arbeitsplatzverlagerungen", weiß Ehly aus Erfahrung.
Betriebsräte können in Unternehmen ab fünf Mitarbeitern gegründet werden. Der Vorteil für den Unternehmer: "Konflikte gibt es überall. Mit Betriebsrat laufen sie in der Regel reibungsloser, weil der zwischen den Parteien vermitteln kann", so der Gewerkschafter.
Alle vier Jahre im Frühjahr werden Betriebsräte in Deutschland neu gewählt. Allein im IG Metall-Bezirk Dresden-Riesa sind das 120 Gremien mit 460 Betriebsräten.
Zahlen für den ganzen Freistaat gibt es laut DGB Sachsen nicht. Das Institut für Arbeitsmarktforschung (IAB) beziffert den Anteil der Unternehmen mit Betriebsrat für ganz Ostdeutschland auf gerade einmal 4,4 Prozent (Stand: 2024).
Auch demografischer Wandel ist eine Hürde für Gewerkschaften
Die Wahlen selbst laufen vom 1. März bis zum 31. Mai. Drei bis vier Anfragen zu Betriebsratsgründungen gehen bei Ehly monatlich ein. Bis alles durch ist, dauert es etwa ein halbes Jahr. Aber nur die Hälfte der Initiativen klappt auch.
Eine weitere Hürde für die Gewerkschaften ist der demografische Wandel. Ehly: "Wir haben überall Nachwuchssorgen." Das gilt auch für die Freigestellten, also hauptamtlich tätigen Betriebsräte in Unternehmen mit mindestens 500 Beschäftigten.
"Raus aus dem eigentlichen Beruf, das überlegen sich viele zweimal." Deshalb wünschen sich die Gewerkschaften mehr Unterstützung aus der Politik. "Ein klares Bekenntnis, dass Betriebsräte gewollt sind, könnte Barrieren abbauen", sagt Ehly.
Titelfoto: Bildmontage: imago stock&people, Stefan Häßler
