Vor 70 Jahren arbeiteten sie gemeinsam in Übigau: Werft-Lehrling sucht seine alten Kameraden

Dresden - Er verbrachte eine großartige Zeit mit ihnen, jetzt sucht er seine Dresdner Azubi-Kameraden: Senior Horst Reck (84) begann eine Lehre zum Schiffsbauer auf der Werft in Übigau - im Jahr 1949! Nach 70 Jahren will er seine einstigen Weggefährten an alter Wirkungsstätte ein letztes Mal vereinen.

1400 Schiffe gebaut: Die Werft in Übigau war einst eine der größten Binnenwerften Europas.
1400 Schiffe gebaut: Die Werft in Übigau war einst eine der größten Binnenwerften Europas.  © Repro: Horst Reck

Mit seiner Familie lebte Horst damals in Klipphausen vor den Toren Dresdens. "Wir waren oft an der Elbe spielen oder mit den Kühen dort, sahen die Dampfer, schwammen hinterher", erinnert sich der Senior zurück.

Nach dem Krieg und der achten Klasse bewarb er sich mit 14 Jahren bei der Werft in Übigau. Er legte Eignungsprüfungen ab, durfte am 1. September 1949 seine Lehre antreten - mit 17 Mitstreitern. ",Kleener' nannten sie mich immer. Weil ich der Kleinste war."

Die Grundausbildung umfasste Gewerke wie Feilen, Bohren, Schweißen. "Unser Ausbilder war hart, aber gerecht. Hatten wir Blasen an den Händen, rief er nur: 'Bist du Schiffsbauer oder was?'", berichtet Horst Reck.

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"Da haben wir schon mal eine Träne auf der Toilette verdrückt." Mit acht Kameraden durchlief er dann die Spezialisierung zum Stahlschiffbauer. Fachunterricht gab auch der damalige Laubegaster Werftleiter.

"Ich würde sie so gern noch einmal wiedersehen"

Start der Lehre 1949: Der "kleene" Horst Reck (damals 14) mit seinen Azubi-Mitstreitern am Werft-Drehkran.
Start der Lehre 1949: Der "kleene" Horst Reck (damals 14) mit seinen Azubi-Mitstreitern am Werft-Drehkran.  © Repro: Horst Reck

In den kommenden Jahren bauten Horst und seine Jungs Güterschiffe für die Sowjetunion, fuhren auf Montage nach Stralsund, ließen den Eisbrecher "Freundschaft" in Übigau vom Stapel, tranken nach Feierabend in längst verschwundenen Kneipen. Bis 1958. "Ich weiß bis heute nicht, warum die Werft plötzlich zumachte."

Die Schiffsbauer gingen getrennte Wege, verloren sich aus den Augen. Horst Reck machte Karriere bei Eisenbau Karl Ladwig, später Stahlbau Gohlis, ging 1994 in Rente. Nur einmal trafen sich die alten Gesellen zu DDR-Zeiten wieder.

"Sie haben mein Leben geprägt. Ich würde sie so gern noch einmal wiedersehen, unsere alten Stätten besuchen", wünscht er sich sehnlich.

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Wer helfen kann: E-Mail reck.horst@web.de oder Telefon 0351/4 53 73 79.

Einer der größten Schiffbauer Europas

Der denkmalgeschützte Werft-Drehkran neben Schloss Übigau (hinter den Bäumen).
Der denkmalgeschützte Werft-Drehkran neben Schloss Übigau (hinter den Bäumen).  ©  Slub/Deutsche Fotothek/Bregu

Die Schiffswerft in Übigau war einst eine der größten Binnenwerften Europas. Schon 1873 gab es eine Schiffbauerei südlich des Schlosses.

Nach Fusion mit einer Maschinenbauanstalt und weiterem Ausbau arbeiteten in den 1920er-Jahren über tausend Beschäftigte hauptsächlich am Bau von Fracht- und Personenschiffen.

Bis zum Konkurs 1930 wegen der Weltwirtschaftskrise wurden rund 1400 Schiffe gebaut. Drei ehemalige Werftingenieure führten den Schiffbau auf dem Gelände schließlich fort. Großen Schaden richteten die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg an.

1949 lief der Schiffbaubetrieb laut ehemaligen Arbeitern wieder. Demnach wurde der Werftbetrieb 1958 eingestellt. Bis 1990 übernahm das Gelände das VEB Transformatoren- und Röntgenwerk Dresden.

Heute gibt es dort verschiedene Betriebe. An die frühere Werft erinnert noch der denkmalgeschützte Drehkran mit 30 Tonnen Tragkraft, der einst schwere Schiffsteile ein- und ausheben konnte.

Der Drehkran 70 Jahre später: Der 84-jährige Senior sucht die alten Weggefährten.
Der Drehkran 70 Jahre später: Der 84-jährige Senior sucht die alten Weggefährten.  © Holm Helis
Heute lebt der Rentner in Klipphausen, sichtet altes Bildmaterial aus seiner Werft-Zeit.
Heute lebt der Rentner in Klipphausen, sichtet altes Bildmaterial aus seiner Werft-Zeit.  © Holm Helis

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