Dresden - Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt lasen am Dienstag Bürger, Schüler und Politiker mehrere Stunden lang die Namen jüdischer Dresdner vor, die Opfer der Nationalsozialisten wurden.
"David Paul Zimmer: mit sieben Jahren nach Polen deportiert, vermutlich umgekommen. Alice Johanna Zimmermann: vom Lager Dresden Hellerberge nach Auschwitz deportiert und dort mit 44 Jahren ermordet".
Fast 1000 Namen jüdischer NS-Opfer lasen am Mittag Dutzende Menschen vor, die sich zum Gedenken an der Kreuzkirche eingefunden hatten. Darunter auch Schüler der 30. Oberschule.
"Man vergisst oft, wie schlimm es war", sagt Neuntklässler Jeremy (15). Er war mit einem Mitschüler auf Anregung seiner Lehrerin Rica Gottwald (62) gekommen.
"Nicht nur Rechnen und Schreiben sind wichtig", sagt die frühere Linken-Stadträtin. "Gerade heute sollte man Erinnerungskultur pflegen."
Insgesamt zählt das "Buch der Erinnerungen" etwa 2300 Namen von jüdischen Personen oder Familien auf, die zwischen 1933 und 1945 verschleppt und ermordet wurden. Auch Sinti und Roma sowie Kinder von Zwangsarbeiterinnen kamen ums Leben.
In den vergangenen Jahren wurden Hunderte neue Opfer recherchiert und bekannt. "Unsere Arbeit geht weiter", sagt Sebastian Meyer-Stork (64) von der ausrichtenden Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden. Auch Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (48, Linke) las vor Ort mit.