Fünf Wochen nach erstem Alarm in Strehlen: Giftiger Asbest wird vom Wind verteilt
Dresden - Durch einen Barackenbrand im März an der Caspar-David-Friedrich-Straße in Strehlen war offenbar Asbest freigesetzt worden. TAG24 berichtete exklusiv über den fragwürdigen Umgang des Rathauses mit dem Vorfall. So ließ die Verwaltung erst nach Tagen den kontaminierten Gehweg einfach mit einer Kehrmaschine säubern, informierte die Stadtreinigung nicht mal über die Giftstoff-Gefahr. Fünf Wochen später liegen die Brandreste noch immer auf dem Privatgrundstück herum, der Wind wehte inzwischen unzählige Asbest-Bruchstücke auf Wege und Nachbargrundstücke. Ein Betroffener erstattete jetzt Anzeige.
Wie bereits vor einem Monat laufen jetzt wieder Eltern mit ihren Kindern (eine Kita ist nah) über den Gehweg, treten dabei nichtsahnend auf Bruchstücke mit freiliegenden Asbest-Faserbündeln der durchs Feuer zerstörten alten Dach-Wellplatten.
Zur Einordnung: In gebundenem, unbeschädigtem Zustand ist Asbest ungefährlich. Zerbrechen die Platten oder deren Bruchstücke jedoch, landen Fasern in der Luft. Diese sind mikroskopisch klein, dringen tief in die Lunge ein, verbleiben dort lebenslang, gelten als krebserregend.
Auch durch Radfahrer und Autofahrer (auf der Straße und in der Einfahrt) werden die Bruchstücke täglich weiter zerbröselt, wodurch die Giftstoffe freigesetzt werden können.
Aber was unternimmt das Rathaus gegen die Gefahr?
Die Verwaltung teilte auf eine Anfrage der Grünen dazu mit, der Grundstückseigentümer sei nach dem Brand auf "seine Pflichten hinsichtlich Beräumung/Entsorgung und Sicherung des Grundstückes hingewiesen" worden. Demnach wollte er ein Unternehmen mit der fachgerechten Entsorgung beauftragen. Diese sowie die Reinigung der Umgebung sollten laut Rathaus bis zum vergangenen Donnerstag (9. April) abgeschlossen sein.
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Wind verteilt Asbest-Bruchstücke weiter
Doch das ist nicht passiert. Täglich verteilt Wind die Asbest-Bruchstücke weiter.
"Sie sind überall", ärgert sich ein Nachbar (76). "Auf der Wiese, im Himbeerbeet, im Gartenpool, auf dem Trampolin. Meine Enkel lasse ich darauf nicht mehr springen."
Weil durchs Barackenfeuer auch Brandlöcher entstanden, erstattete er Anzeige bei der Polizei, fragte auch, wer sich um die Beseitigung der Asbest-Kleinteile kümmert.
Für Susanne Krause (43, Grüne) ist der ganze Fall ein "Trauerspiel". Die Stadt solle den Eigentümer viel stärker zur Verantwortung ziehen. Er sei dafür zuständig, Gefahren, die von seinem Grundstück für die Allgemeinheit ausgehen, unverzüglich zu beseitigen.
Im Zweifel müsse die Stadt selbst handeln und eine Ersatzvornahme einleiten, kritisiert Krause.
"Der Grundstückseigentümer hat zwischenzeitlich verschiedene Entsorgungsfirmen angefragt", so eine Stadtsprecherin am Nachmittag. Derzeit befinde er sich in der Auswahl der Angebote.
Titelfoto: Bildmontage: Norbert Neumann (2), imago/Eckhard Stengel

