Gasthaus, Biergarten, Ferienwohnungen: Endlich grünes Licht für Dresdens Narrenhäusel

Dresden - Endlich ist es so weit: Zehn Jahre nach Ratsbeschluss zum Wiederaufbau des Narrenhäusels kann der Dresdner Investor Frank Wießner (51) nun mit dem Bau beginnen. Im kommenden Jahr soll die Rekonstruktion nach historischem Vorbild fertig werden, eine Gaststätte und Ferienwohnungen beherbergen.

Der Dresdner Bau-Investor Frank Wießner (51) schenkt der Stadt das Narrenhäusel zurück.
Der Dresdner Bau-Investor Frank Wießner (51) schenkt der Stadt das Narrenhäusel zurück.  © Amac Garbe

Freiflächenplan, Lärmschutz, Grundstückserschließung: Viel Zeit, Geduld und Geld musste Wießner für Abstimmungen und Auflagen der zuständigen Ämter opfern.

Letztlich musste die Verwaltung noch mal die Verkaufsvorlage nachbessern, was jetzt über die Bühne gegangen ist. Wießner investiert für Grundstück und Erschließung rund eine Million Euro, will insgesamt bis zu vier Millionen Euro ins Narrenhäusel stecken.

"Jeden zweiten Tag fragt mich ein Dresdner, wann es endlich losgeht. Jetzt ist der Startschuss gefallen. Ich kann mit den Bauvorbereitungen beginnen", sagt der gebürtige Dresdner erfreut.

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Wann genau die Bagger anrücken, könne er aber nicht sagen, da für die Errichtung der temporären Baustraße (von der Köpckestraße aus in Richtung Elbe) noch Abstimmungen laufen. Später soll eine feste Straße über die Parkplatzschleife Wiesentorstraße parallel zur Elbe zum Narrenhäusel führen.

Blick von der Augustusbrücke am Neustädter Brückenkopf: So schön könnte das Narrenhäusel und die künftige Bebauung am Königsufer aussehen.
Blick von der Augustusbrücke am Neustädter Brückenkopf: So schön könnte das Narrenhäusel und die künftige Bebauung am Königsufer aussehen.  © Visualisierungen: Gesellschaft Historischer Neumarkt/ARTE 4d Hummel

Das Narrenhäusel soll kommendes Jahr fertig werden

So sah das Gebäude vor seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg aus.
So sah das Gebäude vor seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg aus.  © Möbius, Walther; SLUB/Deutsche Fotothek

Im kommenden Jahr soll das Haus fertig werden, eine Gaststätte mit Biergarten (circa je 180 Plätze) und 14 Ferienapartments (30 bis 40 Quadratmeter) mit Küchenzeile beherbergen. Auch Feiern und Hochzeiten soll es dann wieder geben.

Trotz der bürokratischen Odyssee im Vorfeld will Wießner kein schlechtes Wort über die Verwaltung verlieren. Dabei profitiert die Stadt sogar noch von dem Projekt, denn nach 60 Jahren fällt das Narrenhäusel zurück in städtische Hände. "Es macht mir Freude, so ein schönes Gebäude zu schenken. Die Bürger werden begeistert sein", so Wießner. Profit mache er dabei nicht.

"Die Stadt kann sich glücklich schätzen, dass Frank Wießner nach all den langwierigen Abstimmungen und Kostensteigerungen an diesem Projekt festhält", sagt Stefan Engel (33, SPD). "Ich erwarte von der Verwaltung, dass es auch bei den anderen Planungen auf der Südseite des Neustädter Marktes weiter vorangeht."

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Perspektivisch soll am Königsufer ein Quartier mit kleinteiliger Bebauung mit Wohn- und Geschäftshäusern (angelehnt an historische Bürgerhäuser) entstehen.

Benannt nach seinem bekanntesten Bewohner

So sieht das Areal aktuell aus.
So sieht das Areal aktuell aus.  © Ove Landgraf

Das Narrenhäusel ist nach seinem bekannten Bewohner benannt, der es 1755 hatte errichten lassen: Darin wohnte Joseph Fröhlich (1694–1757), der Hofnarr von Sachsenkönig August dem Starken.

Einer Legende nach wollte Fröhlich mit dem Bau seinem Nachbarn die Sicht auf die Elbe verbauen, da der ihn zuvor aus seiner vorigen Bleibe verdrängt hatte. Nach Umbauten wurde es ab 1937 als Gaststätte genutzt. Bei den Bombenangriffen auf Dresden im Zweiten Weltkrieg brannte es aus, wurde 1950 abgerissen.

Zuletzt befand sich ein Biergarten neben dem Areal ("Augustusgarten"), eine Bronze-Kleinplastik erinnert an das historische Wohnhaus.

Endlich Bewegung

Ein Kommentar von Lennart Zielke

TAG24-Redakteur Lennart Zielke zum Wiederaufbau des Narrenhäusels.
TAG24-Redakteur Lennart Zielke zum Wiederaufbau des Narrenhäusels.  © Philipp Thomas

Es wird Zeit. Zehn Jahre liegt der Beschluss zum Wiederaufbau des Narrenhäusels am Königsufer zurück. Seitdem haben sich Ankündigungen, Prüfungen und Nachbesserungen gestapelt, während Dresdner auf sichtbare Fortschritte warteten. Jetzt kommt Bewegung in die Sache: Investor Frank Wießner darf loslegen, die Rekonstruktion nach historischem Vorbild ist angekündigt.

Dass es dafür ein Jahrzehnt brauchte, ist allerdings kein Ruhmesblatt. Freiflächenplan, Lärmschutz, Erschließung - die Liste der Hürden liest sich wie ein Lehrbuch der deutschen Genehmigungskultur. Selbst die Verkaufsvorlage musste kurz vor Schluss noch einmal korrigiert werden.

Der Investor trägt das Risiko, investiert Millionen und hält trotzdem durch. Die Stadt profitiert langfristig, denn nach sechs Jahrzehnten fällt das Gebäude zurück in kommunalen Besitz.

Umso drängender ist die Frage, warum der Weg dorthin so quälend lang war. Wer so viel Zeit für ein einzelnes Haus braucht, weckt Zweifel am Tempo der übrigen Planungen am Königsufer. Dort soll kleinteilig gebaut werden, mit Wohn- und Geschäftshäusern nach historischem Vorbild. Das klingt toll, verlangt aber entschlossene Steuerung.

Wenn jeder Schritt Jahre dauert, bleibt das Königsufer eine Dauerbaustelle auf dem Papier. Auch die Politik mahnt inzwischen mehr Geschwindigkeit an. Der Startschuss fürs Narrenhäusel ist überfällig - er darf nicht die Ausnahme bleiben.

Titelfoto: Bildmontage: Amac Garbe, Visualisierungen: Gesellschaft Historischer Neumarkt/ARTE 4d Hummel

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