Hier wurde einst der "Freischütz" gedreht: Schloss Seifersdorf als Filmkulisse

Dresden - Das Dresdner Residenzschloss oder die Elbschlösser Albrechtsberg, Lingnerschloss und Schloss Eckberg kennt wohl jeder. Doch wusstet Ihr, dass in und um Dresden weit über hundert weitere Herrscherhäuser stehen, umrankt von zahllosen Geschichten und Legenden? TAG24 hat sich für eine neue Serie auf die Spur dieser weitgehend geheimnisvollen und fast vergessenen Seite von Dresden gemacht. Schlösser, Burgen, Rittergüter - lasst Euch überraschen.

Das Schloss ist immer am ersten Sonntag des Monats geöffnet.
Das Schloss ist immer am ersten Sonntag des Monats geöffnet.  © ronaldbonss

In diesem Jahr feiert Carl Maria von Webers (1786-1826) berühmte Oper "Der Freischütz" ihren 200. Geburtstag.

Das wird am Tag des offenen Denkmals am 12. September auch auf Schloss Seifersdorf im gleichnamigen Ort zwischen Radeberg und Ottendorf-Okrilla mit einem Benefizkonzert gefeiert.

Ohne das Schloss, das auch als Kulisse für den DEFA-Film "Der Freischütz in Berlin" von 1986/87 diente, gäbe es die Oper in dieser Form wohl nicht.

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Auf jeden Fall hätte sie einen anderen Namen.

Carl von Brühl gab dem Schloss sein heutiges Aussehen

Dieser Gedenkstein im Schlosspark erinnert seit 2016 an Tina von Brühl.
Dieser Gedenkstein im Schlosspark erinnert seit 2016 an Tina von Brühl.  © ronaldbonss

Denn der damalige Schlossherr Graf Carl von Brühl (1772-1837), der Generalintendant der königlichen Theater in Berlin war, schlug Weber 1820 die Umbenennung der Oper vor, die eigentlich "Die Jägersbraut" heißen sollte.

Carl von Brühl war es auch, der dem Schloss sein heutiges Aussehen gab. In den Besitz der Familie kam es bereits im Jahr 1747. Carls Großvater Heinrich von Brühl (1700-1763), Premierminister unter August dem Starken (1670-1733) und Erbauer der Brühlschen Terrasse in Dresden, war selbst zwar nie dort, dafür bezog es 1775 sein jüngster Sohn Hanns Moritz (1746-1811) mit seiner Frau Christina (1756-1816), genannt Tina.

Sie begannen das Schloss, an dessen Stelle bereits in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts der erste Vorgängerbau errichtet wurde, ab 1790 umzubauen. Dieser Umbau wurde dann von Carl 1823 nach Plänen Karl Friedrich Schinkels (1781-1841) vollendet.

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Zu den berühmten Besuchern des Seifersdorfer Schlosses gehören auch Maler Caspar David Friedrich (1774-1840) und Komponist Johann Gottlieb Naumann (1741-1801).

Zu Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) pflegten Brühls eine jahrzehntelange Freundschaft. Aber nicht nur das Schloss wurde unter den Brühls verändert.

Über dem Schlosseingang prangen unter der goldenen Grafenkrone die Wappen der Familien von Brühl (links) und von Krosigk.
Über dem Schlosseingang prangen unter der goldenen Grafenkrone die Wappen der Familien von Brühl (links) und von Krosigk.  © ronaldbonss
Der DEFA-Film "Der Freischütz in Berlin" wurde teilweise in Seifersdorf gedreht und wird am Freitag um 19 Uhr im Beisein des Hauptdarstellers vor Ort gezeigt.
Der DEFA-Film "Der Freischütz in Berlin" wurde teilweise in Seifersdorf gedreht und wird am Freitag um 19 Uhr im Beisein des Hauptdarstellers vor Ort gezeigt.  © DRA/Erkens, Jörg

Schloss Seifersdorf ist seit 1945 Eigentum der Gemeinde Wachau

Ulrike Hantsche setzt sich mit dem Förderverein für den Erhalt des Schlosses und die Schaffung eines Museums ein.
Ulrike Hantsche setzt sich mit dem Förderverein für den Erhalt des Schlosses und die Schaffung eines Museums ein.  © ronaldbonss

Tina von Brühl gestaltete ab 1781 das ganze Seifersdorfer Tal zu einer wildromantischen Gartenanlage um.

Bis 1945 wurde das prächtig ausgestattete Schloss als Wohnschloss genutzt, in dem 1943 auch Schätze der Dresdner Kunstsammlungen eingelagert wurden. Damit war es nach dem Krieg vorbei. Die Sowjets plünderten das Schloss. Den Briefwechsel der Brühls mit Goethe wollte sich 1946 der damalige sächsische Innenminister Kurt Fischer (1900-1950, SED) unter den Nagel reißen.

Heute befinden sich 46 Gemälde aus dem Schloss in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, fünf Bilder hängen in Moritzburg und eine Kutsche, die Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) in Seifersdorf gelassen hat, steht in Schloss Augustusburg. Ein Schrank landete bei Verleger Axel Springer (1912-1985) und befindet sich heute im Victoria and Albert Museum in London.

Das Schloss selbst ist seit 1945 Eigentum der Gemeinde Wachau, zu der Seifersdorf gehört. Es wird in den folgenden Jahrzehnten als KPD/SED-Parteischule, Schule und Kita genutzt, beherbergte eine Arztpraxis und den Dorfklub sowie das Gemeindeamt.

Nach der Schließung der Kita 2004 gründete sich der Förderverein Seifersdorfer Schloss, der sich seitdem für den Erhalt und Zugänglichkeit des Schlosses für die Öffentlichkeit und die Intensivierung der Nutzung einsetzt und Spenden sammelt. Der Verein arbeitet derzeit gemeinsam mit der Gemeinde daran, aus dem Schloss ein "multimediales Museum entlang der Brühlschen Geschichte" mit Besucherzentrum zu machen, sagt die Vereinsvorsitzende Ulrike Hantsche.

Die Idee wurde bei einem Wettbewerb des Freistaats im vorigen Jahr mit 200.000 Euro prämiert.

Titelfoto: ronaldbonss

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