Hoch soll er leben! Flughafen Dresden wird 85 Jahre alt

Dresden - Darauf lasst uns einen (ab)heben! Heute wird unser Flughafen 85 Jahre alt. Am 11. Juli 1935 startete der Flugbetrieb in Dresden-Klotzsche. Seitdem hat der Airport turbulente Zeiten erlebt.

Damals und heute. Links das Hansa-Haus von 1935, rechts das moderne Terminal. Allerdings: Das Hansa-Haus war weitaus länger als hier gezeigt. Der neue Flughafenteil befindet sich nicht an derselben Stelle.
Damals und heute. Links das Hansa-Haus von 1935, rechts das moderne Terminal. Allerdings: Das Hansa-Haus war weitaus länger als hier gezeigt. Der neue Flughafenteil befindet sich nicht an derselben Stelle.  © Flughafen Dresden GmbH

Alles in einem Gebäude, lautete die Devise von Flughafenarchitekt Kurt Otto. Und so zogen 1935 in das neu erbaute schneeweiße "Hansa Haus" ein riesiges Café-Restaurant, die Abfertigung, ein Hotel, die Luftpolizei, die Post-/Zollstelle und eine Wetterstation ein. Selbst eine Kegelbahn und eine Kantine standen bereit. Vor dem Multifunktions-Terminal ein offener Parkplatz.

1936 nahm in der Nähe ein halbrunder Tower seinen Betrieb auf. Ebenfalls 1936 entstand neben dem Hansa-Haus eine Flugzeughalle.

Dresden war aber nicht die sächsische Nummer 1 in Sachen Airport. Bereits 1927 eröffnete der Flughafen Halle/Leipzig, seit 1931 lockte dort ein gläserner Palast im Bauhaus-Stil Kaffeegäste. 

In Leipzig wie in Dresden - bloß heute undenkbar: Die Freiplätze der Cafés befanden sich am Rollfeld, abgesperrt nur durch Rabatten und Blumenkübel. Auch von der offenen Terrasse auf dem Hansa-Haus-Dach konnten Schaulustige den Flugbetrieb verfolgen.

Ganz neu war Fliegerei in Dresden natürlich nicht. Seit 1914 gab es in Kaditz den "Städtischen Land- und Wasser-Flugplatz Dresden". Bereits seit Oktober 1913 landeten dort Luftschiffe. Kaditz wurde 1927 aufgegeben. Auch, weil seit 1926 auf dem Heller der zweite Dresdner Flugplatz in Betrieb war.

1935 startete der erste Flugbetrieb

Corona hin oder her: Viel Flugbetrieb herrscht heute nicht mehr in Klotzsche.
Corona hin oder her: Viel Flugbetrieb herrscht heute nicht mehr in Klotzsche.  © DPA/Robert Michael

Zurück nach Klotzsche: Zeitgleich zum zivilen Flughafen entstand in Sichtweite mit der Luftkriegsschule ein Kasernenkomplex des Militärs. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage von der Nationalen Volksarmee (NVA) genutzt. 

Heute befinden sich dort ein Seniorenheim, ein Gymnasium sowie das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Selbst die sächsischen Landesarchäologen haben in den Gebäuden im NS-Stil ihren Sitz.

Die NS-Luftwaffe war es auch, die den zivilen Teil des Flughafens ab April 1937 kaperte. Schon August 1939 war es wieder vorbei mit der Passagier-Fliegerei in Klotzsche. Mai 1945 übernahm die Rote Armee. Es sollte noch bis 1957 dauern, ehe wieder eine Zivilmaschine in Klotzsche abhob.

Schon 1955 startete ein viel größeres Projekt: Am Flughafen sollte das erste deutsche Passagierflugzeug mit Düsenantrieb gebaut werden, nachdem dort bereits die Gestattungsproduktion sowjetischer Iljuschin-Maschinen lief. Das für die DDR eigentlich unbezahlbare Vorhaben endete im Desaster: Die Baade 152 V1 stürzte beim zweiten Testflug im März 1959 ab, alle später gebauten Maschinen landeten ab 1961 im Schrott oder wurden über die kleine Republik verstreut.

4. März 1959: Der in Dresden hergestellte Düsenjet 152 ist zerschellt.
4. März 1959: Der in Dresden hergestellte Düsenjet 152 ist zerschellt.  © BStU
Kaffee trinken am Rollfeld - heute undenkbar.
Kaffee trinken am Rollfeld - heute undenkbar.  © SLUB / Deutsche Fotothek / Hahn, Walter

Geblieben ist ein Rumpf. Er steht im 2001 eröffneten neuen Terminal - ein Hangar von 1957. Das Hansa-Haus jedoch ist verschwunden. Es wurde 2010 abgerissen.

Titelfoto: Flughafen Dresden GmbH

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