Dresden - Die Dresdner Spaßfestspiele haben begonnen. Bis Sonntag bespielt die 11. HumorZone mit mehr als 130 Künstlern 18 Bühnen quer durch Dresden. Für einen ist der Auftritt besonders: Der Schweizer Comedian Alain Frei (42) hat 2016 den Newcomer-Preis "Güldener August" gewonnen. Damals trat er im Thalia-Kino vor rund 70 Zuschauern auf. Zehn Jahre später bespielt er an diesem Freitag die BallsportArena mit rund 4000 Besuchern. Ein Aufstieg vom damals unbekannten Nobody zum heute gefeierten Headliner. Wie fühlt sich das für ihn an?
TAG24: Herr Frei, vor zehn Jahren haben Sie bei der Humorzone den Newcomer-Preis gewonnen. Dafür wird traditionell der "Güldene August" verliehen. Hat der bei Ihnen zu Hause einen Ehrenplatz?
Alain Frei: "Ja, tatsächlich."
TAG24: Solche Kleinkunstpreise gibt es ja viele: Welche Bedeutung haben diese Auszeichnungen ganz generell für einen Bühnen-Comedian - vor allem am Anfang der Karriere?
Alain Frei: "Ich will heutigen Newcomer-Gewinnern nichts madig machen, aber ich glaube, früher haben solche Preise mehr gebracht. Heute läuft einfach zu viel vor allem über Social Media, früher war der Stellenwert größer."
TAG24: Sie sind damals hier im sehr, sehr kleinen Thalia-Kino aufgetreten, nun eine Solo-Show in der sehr großen, neu hinzugekommenen BallsportARENA. Wie erleben Sie diese doch mächtige Veränderung?
Alain Frei: "Es ist schon absurd, so eine Größe bekommen zu haben. Immerhin gab es keinen plötzlichen Sprung, meine Karriere war langsam, aber stetig. Ich denke, ich bin immer noch bodenständig, daher fühlt es sich nicht völlig anders an."
TAG24: Gab's zwischendurch Angst oder Respekt vor den stetig größer werdenden Auditorien?
Alain Frei: "Permanent! Auch heute noch. Ich bin sehr selbstkritisch, überdenke manchmal zu viel. Als Zweifler frage ich mich oft, warum sich die Leute eigentlich die Tickets holen. Also ja: Mit der Größe kommt auch Angst."
Alain Frei: "Ich wollte einfach auswandern, die Welt sehen, Abenteuer erleben"
TAG24: Gelegenheit zur Lobhudelei: Ist die HumorZone ein Karrieresprungbrett speziell für Newcomer?
Alain Frei: "Doch, ich glaube schon. Wie gesagt, heute kommen andere Faktoren wie etwa Social Media mit hinzu. Aber um reinzukommen, ist es ein wertvolles Hilfsbrett. Ein Türöffner, und davon braucht es viele."
TAG24: Haben sich Ihre Shows, hat sich Ihr Bühnenverhalten in den Jahren verändert? Ich stelle mir vor, dass man mit einem 70-köpfigen Publikum noch anders umgehen musste, als heute mit Tausenden in Arenen?
Alain Frei: "Ein bisschen. Es kommt ganz auf die jeweilige Arena an. Es sind ja nun auch keine Zehntausende Besucher, also geht’s grad noch. Man kann natürlich nicht mehr mit jedem interagieren, die Gags müssen auch in den hinteren Reihen ankommen. Also musst du schon etwas anders spielen – aber nicht komplett anders."
Alain Frei: "Ich finde, Humor ist die beste Art, ans Herz der Menschen zu kommen"
TAG24: Fällt der Name Alain Frei, fällt oft auch der Begriff "Ein-Mann-Boy-Band". Wie gehen Sie mit diesem Etikett um?
Alain Frei: "Keine Ahnung, wer das mal geschrieben hat. Aber es gibt sicherlich Schlimmeres. Früher waren wohl viele Frauen in meinem Publikum, heute bin ich eher Familien-Comedian und spreche alle an. Es war wohl mal als Kompliment gemeint."
TAG24: Auch hallt Ihnen der Ruf eines "Weltverbesserers" nach. Was ist da dran? Was kann Comedy?
Alain Frei: "Ich finde, Humor ist die beste Art, ans Herz der Menschen zu kommen. Ich bin ja nicht so politisch, mir geht es um den Respekt vor allen Menschen. Wenn man das Herz erreicht und die Leute durch Humor zum Nachdenken bringt, dann ist das doch eine schöne Sache."
TAG24: Depressionen, Panikattacken, Vaterschaft – haben Sie jeweils in Ihren Programmen verarbeitet. Wie persönlich sollte Comedy werden? Wie viel speist sich aus dem eigenen Leben?
Alain Frei: "Das ist bei jedem individuell. Für mich darf's gerne auch mal tiefer gehen. Ich denke, es hilft den Leuten, wenn sie erkennen, dass der Typ auf der Bühne ähnliche Sorgen und Probleme hat, wie sie selbst. Es schafft Nähe zwischen Publikum und Künstler. Zusammen fragt man: Wie bewältigen wir unser Leben? Ich finde es aber auch total ok, wenn Comedians überhaupt nicht persönlich werden."
TAG24: Ihr aktuelles Programm, mit dem Sie auch in Dresden gastieren, heißt "Alles neu" - was ist neu, um welche Themen geht es?
Alain Frei: "Das werde ich doch nicht vorher verraten, das erfährt man alles in der Show. Nur so viel: Es geht um all die Dinge, die neu sind in meinem Leben, in der Familie und so weiter. Darüber erzähle ich. Aber nicht nur."
Was ist der "Newcomer-Wettbewerb"?
Wer wird als HumorZonen-Newcomer zum neuen Comedy-Star? Präsentiert vom Musik-Duo Suchtpotenzial findet der Wettbewerb diesmal im Kleinvieh statt, am Freitag.
Es werden Lennard Rosar, Anna Bartling, Josepha und Tobias Born um den "Güldenen August" konkurrieren.
Wer den Preis gewinnt, ist am Sonntag in der großen Gala im Alten Schlachthof zu erleben (ausverkauft, aber um 20.15 Uhr im MDR Fernsehen zu sehen).