Dresden - Wer kauft das Erbbaurecht und übernimmt das Lingnerschloss für die nächsten 44 Jahre? Trotz weiterer in den vergangenen Tagen eingegangener Angebote wurde am Dienstag der Übertragungsvertrag zwischen Insolvenzverwaltung und den beiden millionenschweren Investoren Thomas Bohn (58) und Oliver Kreider (60) unterschrieben. Nun hängt alles am Stadtrat. Der könnte Anfang September noch ein Veto einlegen - das fordert jetzt die SPD und sucht Verbündete.
Der Stadtrat könnte den Verkauf des Erbbaurechtes verhindern und den 1,65-Millionen-Euro-Deal mit Bohn und Kreider platzen lassen. "Auf Teufel komm raus wollen wir unser Schloss zurück", fordert SPD-Stadträtin Kristin Sturm-Karls (41).
Das Lingnerschloss dürfe nicht in private Hände verkauft werden. Man wolle auch keinen Bieterwettbewerb der Millionäre. Im Zweifel solle die Stadt die Summe aufbringen, um wieder Zugriff auf die städtische Liegenschaft zu erhalten, so Sturm-Karls.
Anschließend könne ein Konzept im Sinne des Lingner-Testaments ausgeschrieben werden, um Lingnerschloss und benachbartes Schloss Albrechtsberg (betreibt aktuell die städtische Messe-Gesellschaft) gemeinsam zu betreiben.
Das könnte Investitionen und Kosten wieder einspielen, wobei dabei auch private Interessenten eingebunden werden könnten. Die SPD wirbt dafür in einem Antrag als Arbeitsgrundlage und will in der Sommerpause politische Verbündete finden.
Rechtsstreit mit der Insolvenzverwaltung läuft
Ähnliche Ideen hatte Mitte April auch Baubürgermeister Stephan Kühn (46, Grüne) vorgestellt. Dann kam heraus, dass OB Dirk Hilbert (54, FDP) auch aufgrund der leeren Haushaltskassen einen Verkauf an Dritte bevorzugt und hinter den Kulissen schon daran arbeitete.
Dass die Verwaltung gegeneinander agiere, kritisierte SPD-Stadtrat Stefan Engel (33) und äußerte Unverständnis, dass der OB über die Entwicklungen zu so einer "prominenten und identitätsstiftenden Immobilie" nicht aufkläre. Stadtsprecher Daniel Heine (41) verwies auf die Zuständigkeit des Insolvenzverwalters.
Im Juli 2023 hatte der Rat mit großer Mehrheit beschlossen, das Erbbaurecht vom Förderverein für 700.000 Euro zurückzukaufen. Diese Einigung kam jedoch nicht zustande, woraufhin die Stadt den "entschädigungslosen Heimfall" geltend machte, der Verein Insolvenz anmeldete.
Seitdem läuft der Rechtsstreit mit der Insolvenzverwaltung. Deren Sprecher bestätigte am Dienstag die Vertragsunterzeichnung. Zudem sei ein Gastronom für die Außengastronomie während der Übergangszeit bis zur Ratsentscheidung gefunden.
Lehnt der Rat den Verkauf auf seiner Sitzung am 3. September ab, könnten im Rahmen eines Vergleichs auch die Kaufangebote anderer Interessenten berücksichtigt werden oder der juristische Streit weitergehen.