Mittelalter-Dorf in der Friedrichstadt ausgegraben: Hier lebten die alten Dresdner

Dresden - Seit April laufen in Dresden die Ausgrabungen im Ostravorwerk. Doch die sieben Altertumsforscher finden bei ihren Arbeiten nicht nur Fliegerbomben - wie Anfang Oktober - sondern auch Hinweise auf eine 3000 Jahre alte Siedlung.

Direkt gegenüber der Matthäuskirche in der Friedrichstadt wird seit April gebuddelt und gebaggert.
Direkt gegenüber der Matthäuskirche in der Friedrichstadt wird seit April gebuddelt und gebaggert.  © Eric Münch

Eigentlich soll auf dem 33.000 Quadratmeter großen Gelände in der Friedrichstadt ein modernes Wohn- und Gewerbeviertel entstehen. Doch bevor die Bagger und Planierraupen das Gelände einebnen, machen sich Archäologen ans Werk.

"Das ist nicht nur Handarbeit, sondern die Funde müssen auch gereinigt und ordnungsgemäß archiviert werden", beschreibt Grabungsleiterin Susanne Schöne (47) das Vorgehen.

Ziel ist es, die Funde in einem digitalen Bodenarchiv für die interessierte Nachwelt zu sichern.

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Deshalb wird den Forschern größte Sorgfalt abverlangt. Denn neben den Spuren aus kurfürstlicher Neuzeit, wo das Vorwerk der Versorgung Dresdens diente, finden sich auch Spuren einer slawischen Siedlung mit dem Namen 'Ostra' (um 1206) und eines Dorfes aus der späten Bronzezeit (1300 - 800 v. Chr.).

Darauf deuten Keramikscherben, Fundamente und auffällige Erdschichten an Orten hin, die früher vermutlich als Feuerstellen dienten.

Mühsame Millimeterarbeit: Bei hoher "Befunddichte" müssen die Archäologen selbst Hand anlegen.
Mühsame Millimeterarbeit: Bei hoher "Befunddichte" müssen die Archäologen selbst Hand anlegen.  © Eric Münch
Grabungsleiterin Susanne Schöne (47) hat auf den drei Grabungsstellen allerhand zu tun.
Grabungsleiterin Susanne Schöne (47) hat auf den drei Grabungsstellen allerhand zu tun.  © Eric Münch

Archäologen haben ihre Arbeit bald beendet

Thomas Westphalen (65) ist Leiter der Abteilung "Archäologische Denkmalpflege" beim Landesamt für Archäologie Sachsen.
Thomas Westphalen (65) ist Leiter der Abteilung "Archäologische Denkmalpflege" beim Landesamt für Archäologie Sachsen.  © Eric Münch

Auch erfahren die Archäologen mit Blick in den Boden einiges über die Lebensart und Kultur der Alteingesessenen, finden Überbleibsel von Figuren und Handspindeln. Nur in der alten Latrine gingen die Forscher leer aus.

"Zum ersten Mal überhaupt wurde im Dresdner Stadtgebiet ein mittelalterliches Dorf ausgegraben", erklärt Thomas Westphalen (65) vom Landesamt für Archäologie die Bedeutung der drei ausgewiesenen Fundstellen. Noch bis zum 12. Dezember sollen die Grabungen laufen.

Danach beginnen die Bauarbeiten für das Wohngebiet, welche bis 2026 andauern sollen.

Titelfoto: Fotomontage: Eric Münch

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