Nach Evakuierung und stundenlangem Bangen: Um 15.10 Uhr atmete Dresden auf

Dresden - Wieder einmal zeigte sich, dass Fliegerbomben in Dresden nie zur kompletten Routine werden: Nachdem Entschärfer Thomas Zowalla (49) im Januar 2025 eine britische 250-Kilo-Bombe innerhalb weniger Sekunden unschädlich gemacht hatte, dauerte es bei der baugleichen Bombe am Mittwoch drei Stunden. Grund: Der Zünder war stark beschädigt, hatte bereits ausgelöst und hätte jederzeit explodieren können.

Über ein Dutzend Kampfmittelbeseitiger mussten Mittwoch an der Bombe arbeiten.
Über ein Dutzend Kampfmittelbeseitiger mussten Mittwoch an der Bombe arbeiten.  © Robert Michael/dpa

Wer im Sperrkreis wohnt, kennt es bereits: "Es ist schon meine dritte Evakuierung", sagt Margit Ehrlichmann (90) in der "Messe Dresden", der Notunterkunft.

"Ich musste um 7.15 Uhr die Taxe nehmen, ich bin schlecht zu Fuß, anders ging es nicht. Gestern war ich schon früh in der Falle. Hätte mein Sohn mich nicht aus Köln angerufen, hätte ich das gar nicht mitbekommen."

Denn die endgültige Entscheidung zur Evakuierung fiel erst am Vorabend um 18.15 Uhr. Betroffen waren 18.055 Personen, so viele wie noch nie. Die meisten fanden selbstständig irgendwo Unterschlupf oder waren schlicht arbeiten. 310 Personen kamen bis kurz nach 12.30 Uhr in der Messe unter. Zu Mittag gab es dort "Bauerntopf mit Hähnchen".

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Bis 9 Uhr sollten alle den Sperrkreis verlassen haben. Um 12.33 Uhr waren die Kontrollen mit Streife, Helikopter, Drohne und zu Fuß schließlich abgeschlossen. Nun konnte Entschärfer Thomas Zowalla an die Bombe gehen - mehr als 30 hat er bereits unschädlich gemacht.

Die Polizei riegelte die Innenstadt weitgehend ab.
Die Polizei riegelte die Innenstadt weitgehend ab.  © Robert Michael/dpa
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Zur Mittagszeit hatten sich mehr als 300 Dresdner in der Notunterkunft eingefunden.
Zur Mittagszeit hatten sich mehr als 300 Dresdner in der Notunterkunft eingefunden.  © Robert Michael/dpa
Rentnerin Margit Ehrlichmann (90) kam zum dritten Mal in der Messe unter.
Rentnerin Margit Ehrlichmann (90) kam zum dritten Mal in der Messe unter.  © Ove Landgraf

Bombe hätte unter anderen Umständen vor Ort gesprengt werden müssen

Den Zünder mussten die Entschärfer sprengen.
Den Zünder mussten die Entschärfer sprengen.  © Robert Michael/dpa

"Bei dieser Bombe war das Besondere daran, dass der Zünder so stark beschädigt worden ist beim Abwurf, dass es zu gefährlich war, ihn manuell zu entschärfen", erklärte er die Schwierigkeiten.

"Deshalb haben wir uns dazu entschieden, diesen Zünder samt Bombenboden mit dem Wasserstrahl-Schneidgerät rauszuschneiden. Das Ganze war in einem Team mit über zwölf Leuten möglich und nötig." Anschließend habe man den Zünder sofort gesprengt.

Denn das sei der eigentlich gefährliche Teil einer Bombe, enthalte selbst Sprengstoff: "Er hat im Prinzip ausgelöst, er hätte eigentlich funktionieren müssen", so Zowalla.

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Warum das nicht so war, wisse man nicht so genau, "und deshalb entscheiden wir uns dann immer, das sofort so schnell wie möglich unschädlich zu machen".

Hätte das Abschneiden des Zünders nicht funktioniert, hätten die Entschärfer die Bombe vor Ort gesprengt.

Schon zum zweiten Mal musste Thomas Zowalla (49) eine Bombe an der Carolabrücke entschärfen.
Schon zum zweiten Mal musste Thomas Zowalla (49) eine Bombe an der Carolabrücke entschärfen.  © Thomas Türpe

KI gibt vorzeitig Entwarnung

Vom Zünder selbst blieb nach der Sprengung nicht viel übrig.
Vom Zünder selbst blieb nach der Sprengung nicht viel übrig.  © Thomas Türpe

Das blieb glücklicherweise aus, und so konnte die Polizei um 15.10 Uhr Entwarnung geben. Wenig später konnten auch die Sperren aufgehoben werden.

Probleme machte bei dem Mega-Einsatz diesmal nicht nur die alte Bombe, sondern auch moderne Technik. Die Künstliche Intelligenz von "Google" vermeldete bereits am Mittag die erfolgreiche Entschärfung.

Das führte dazu, dass einzelne Bürger an den Polizeisperren auftauchten und verlangten, zurück in ihre Wohnungen gelassen zu werden.

Titelfoto: Bildmontage: Robert Michael/dpa (2)

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