Pläne zur Notversorgung stocken: Dresden für Blackout (noch) nicht gewappnet!
Dresden - Wegen des Anschlags auf ein unterirdisches Kabel waren im Berliner Südwesten zum Jahresbeginn rund 100.000 Menschen und 2200 Betriebe ohne Strom. Kann so etwas auch in Dresden passieren? Lokalpolitiker schlagen Alarm.
Dem Großtanklager an der Bremer Straße (Friedrichstadt) kommt eine besondere Funktion zu: Im Falle eines sogenannten Blackouts (plötzlicher, flächendeckender Stromausfall) würde von hier aus die Verteilung wichtiger Kraftstoffe (etwa Benzin, Diesel) im Stadtgebiet erfolgen.
Mit diesen könnten Generatoren betrieben werden, die wiederum Krankenhäuser, Feuerwehr und Polizei mit Strom versorgen. Der Stadtrat beschloss Anfang 2022, die Notstromversorgung an fünf Schwerpunkttankstellen sowie am Großtanklager für zwei Millionen Euro auszubauen.
Doch während die Tankstellen-Standorte (unterliegen Geheimhaltung) bereits über die notwendige Technik verfügen und im Krisenfall einsatzbereit wären, fehlt im Lager nach wie vor eine Netzersatzanlage. Diese würde bei einem Blackout zum Einsatz kommen.
Ihr Fehlen könnte im Ernstfall bedeuten: Pumpen fielen aus, Tankwagen könnten nicht beladen werden – die Versorgungskette würde bereits am Anfang reißen.
Die Inbetriebnahme solle im Dezember 2027 erfolgen, schreibt die Verwaltung nun auf TAG24-Nachfrage.
CDU und Team Zastrow üben Kritik
In einem wenige Tage alten Verwaltungspapier führt Sicherheitsbürgermeister Jan Pratzka (53, CDU) als Gründe für die mehrmonatige Verzögerung "lange Lieferfristen für leistungsstarke Stromversorgungstechnik" sowie eine "mangelnde Projektsteuerung aufseiten des Amtes für Hochbau und Immobilienverwaltung" auf.
Letzteres fällt in die Zuständigkeit von Baubürgermeister Stephan Kühn (46, Grüne). Aus dessen Geschäftsbereich hieß es am Donnerstag, die Probleme seien inzwischen "ausgeräumt".
Trotzdem gibt es Kritik: "Ein sicherheitsrelevantes Projekt dieser Größenordnung darf nicht von internen Abstimmungsproblemen und mangelnder Führung ausgebremst werden", sagte CDU-Stadtrat Mirko Göhler (39).
"Die aktuelle Situation in Berlin, wo kriminelle Linksextremisten gezielt die Energieversorgung sabotiert haben, zeigt, dass die Vorsorge für solche Krisen höchste Priorität haben muss", unterstrich Ratspolitiker Remo Liebscher (48, Team Zastrow).
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