Pläne zur Notversorgung stocken: Dresden für Blackout (noch) nicht gewappnet!

Dresden - Wegen des Anschlags auf ein unterirdisches Kabel waren im Berliner Südwesten zum Jahresbeginn rund 100.000 Menschen und 2200 Betriebe ohne Strom. Kann so etwas auch in Dresden passieren? Lokalpolitiker schlagen Alarm.

Zappenduster! Im Berliner Südwesten fiel am 3. Januar der Strom aus.
Zappenduster! Im Berliner Südwesten fiel am 3. Januar der Strom aus.  © picture alliance/dpa

Dem Großtanklager an der Bremer Straße (Friedrichstadt) kommt eine besondere Funktion zu: Im Falle eines sogenannten Blackouts (plötzlicher, flächendeckender Stromausfall) würde von hier aus die Verteilung wichtiger Kraftstoffe (etwa Benzin, Diesel) im Stadtgebiet erfolgen.

Mit diesen könnten Generatoren betrieben werden, die wiederum Krankenhäuser, Feuerwehr und Polizei mit Strom versorgen. Der Stadtrat beschloss Anfang 2022, die Notstromversorgung an fünf Schwerpunkttankstellen sowie am Großtanklager für zwei Millionen Euro auszubauen.

Doch während die Tankstellen-Standorte (unterliegen Geheimhaltung) bereits über die notwendige Technik verfügen und im Krisenfall einsatzbereit wären, fehlt im Lager nach wie vor eine Netzersatzanlage. Diese würde bei einem Blackout zum Einsatz kommen.

Dresden: Hauptbahnhof Dresden ab heute dicht
Dresden Lokal Hauptbahnhof Dresden ab heute dicht

Ihr Fehlen könnte im Ernstfall bedeuten: Pumpen fielen aus, Tankwagen könnten nicht beladen werden – die Versorgungskette würde bereits am Anfang reißen.

Die Inbetriebnahme solle im Dezember 2027 erfolgen, schreibt die Verwaltung nun auf TAG24-Nachfrage.

Sicherheitsbürgermeister Jan Pratzka (53, CDU, l.) und Feuerwehr-Amtsleiter Michael Katzsch (45) ließen im Herbst Notstromaggregate beschaffen.
Sicherheitsbürgermeister Jan Pratzka (53, CDU, l.) und Feuerwehr-Amtsleiter Michael Katzsch (45) ließen im Herbst Notstromaggregate beschaffen.  © Christian Juppe
Hinter dieser Tanke an der Bremer Straße sollen Großtanks im Ernstfall einen Teil der Dresdner Energieversorgung sicherstellen.
Hinter dieser Tanke an der Bremer Straße sollen Großtanks im Ernstfall einen Teil der Dresdner Energieversorgung sicherstellen.  © Norbert Neumann
Sensible Infrastruktur wie etwa Krankenhäuser sind auf eine permanente Stromzufuhr angewiesen.
Sensible Infrastruktur wie etwa Krankenhäuser sind auf eine permanente Stromzufuhr angewiesen.  © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

CDU und Team Zastrow üben Kritik

TZ-Stadtrat Remo Liebscher (48) kritisiert die Prioritätensetzung in der Verwaltung.
TZ-Stadtrat Remo Liebscher (48) kritisiert die Prioritätensetzung in der Verwaltung.  © Steffen Fuessel

In einem wenige Tage alten Verwaltungspapier führt Sicherheitsbürgermeister Jan Pratzka (53, CDU) als Gründe für die mehrmonatige Verzögerung "lange Lieferfristen für leistungsstarke Stromversorgungstechnik" sowie eine "mangelnde Projektsteuerung aufseiten des Amtes für Hochbau und Immobilienverwaltung" auf.

Letzteres fällt in die Zuständigkeit von Baubürgermeister Stephan Kühn (46, Grüne). Aus dessen Geschäftsbereich hieß es am Donnerstag, die Probleme seien inzwischen "ausgeräumt".

Trotzdem gibt es Kritik: "Ein sicherheitsrelevantes Projekt dieser Größenordnung darf nicht von internen Abstimmungsproblemen und mangelnder Führung ausgebremst werden", sagte CDU-Stadtrat Mirko Göhler (39).

Dresden: Neues Jahr, neuer Standort: Superblitzer steht jetzt woanders
Dresden Lokal Neues Jahr, neuer Standort: Superblitzer steht jetzt woanders

"Die aktuelle Situation in Berlin, wo kriminelle Linksextremisten gezielt die Energieversorgung sabotiert haben, zeigt, dass die Vorsorge für solche Krisen höchste Priorität haben muss", unterstrich Ratspolitiker Remo Liebscher (48, Team Zastrow).

Titelfoto: Bildmontage: picture alliance/dpa, Christian Juppe, Norbert Neumann, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Mehr zum Thema Dresden Lokal: