Rathewalde - Entlang des idyllischen Malerweges, zwischen Vogelzwitschern und den Felsenschluchten der Sächsischen Schweiz, versteckt sich die Rathewalder Mühle. Hier am Grünbach holen die Eisold-Brüder Sebastian (50) und Fabian (46) das Areal Stück für Stück aus dem Dornröschenschlaf.
Ihr Vater Wolfram hatte das Gelände 2001 gekauft. Eigentlich wollte der Elektro-Maschinenbauer "hier Wasserkraft errichten", erinnert sich Sebastian.
Stattdessen machte er die Mühle zur Gaststätte, servierte geräucherte Forellen und seine legendäre Eierschecke, für die Wanderer sogar Umwege in Kauf nahmen.
Heute ist die Gaststätte verpachtet, denn der Vater verstarb 2017. Doch für dieses Jahr haben sich die Brüder ein neues Konzept überlegt: "Die Forellen gibt's zwar noch.
Doch wir wollen, dass auch die traditionelle Eierschecke unseres Vaters wieder ins Sortiment genommen wird."
Die Geschichte der Mühle reicht weit zurück
Erstmals erwähnt wurde die Mühle 1589 als neu erbautes Mahlwerk. In den folgenden Jahrhunderten gab es hier zeitweise zwei Mahlmühlen und eine Schneidemühle, später eine beliebte "Kuchenschänke".
Zu DDR-Zeiten diente das Areal dann als Feriendomizil des Kupplungswerks Dresden. Heute erinnert nur noch die Fachwerk-Fassade an diese Zeit.
Was viele nicht sehen: Die beiden gelernten Ingenieure stemmen das Projekt neben ihrem eigentlichen Leben mit Familie und Kindern.
Trotzdem steht der Mittwoch bei beiden fest im Kalender. Denn dann radeln die passionierten Rennradfahrer um fünf Uhr von Tharandt los. "Das sind etwa 50 Kilometer", erklärt Sebastian.
Manchmal kompliziert, denn im hauseigenen Sägewerk in Tharandt fertigen sie Möbel aus Holz selbst an. "Der Transport wird also manchmal zur Herausforderung. Dann muss doch einer mal mit dem Auto fahren, dafür darf der dann auf Rückweg mit dem Rad zurück."
Mit Bio-Konzept und neuen Ideen wächst die Mühle weiter
Für die Mühle verfolgen die Brüder einen klaren Plan: "Wir streben einen ökologischen Ansatz an und setzen langfristig auf regionale Bio-Produkte", erklärt Fabian. Ein Bio-Bier aus Lohmen gibt es bereits.
So entstehen nach und nach neue Unterkünfte in kompletter Eigenregie: Begonnen mit der "Sägestube", folgte der einfache "Kuhstall" mit Matratzenlager-Charakter und zehn Schlafplätzen.
Ein echter Hingucker ist die "Jägerklause", wo der Felsen direkt in die Wohnung ragt. Somit ermöglichen die Eisold-Brüder Wanderern inmitten des paradiesischen Amselgrunds entlang des Grünbachs nun eine Flucht in die Ruhe der Natur.
Aktuell finden hier 27 Gäste Platz und "etwa 1000 Gäste im Jahr", so Fabian. Die Nachfrage ist enorm: Die Ferienwohnungen sind meist das ganze Jahr ausgebucht.
Doch die Brüder denken weiter: Das letzte unsanierte Haus "Villa Wandersruh" wird die nächste Groß-Baustelle sein. Mit Einzelzimmern auf vier Etagen und einem Konferenzsaal soll es hier "ein bisschen Hotel-Flair geben", so Sebastian. Ein echtes Herzensprojekt bleibt das "Turmhäuschen", das derzeit hinter Gerüsten steckt. Infos: rathewalder-muehle.de