Sie haben sich ihren Teig-Traum erfüllt: Wie zwei Meisterinnen dem Bäckersterben trotzen

Dresden - Während immer mehr Bäckereien aus dem Stadtbild verschwinden und Discounter-Aufbackbrötchen den Frühstückstisch erobern, gehen zwei junge Bäckermeisterinnen einen anderen Weg: Viviane Brunk und Fiona Norbron (beide 24) haben sich ihren Traum von einer eigenen Bäckerei in Trachau erfüllt - und trotzen damit dem Bäckerei-Sterben.

Viviane Brunk (beide 24, l.) und Fiona Norbron sind nicht nur beruflich unzertrennlich, sondern leben auch gemeinsam mit ihrer Katze in einer WG.
Viviane Brunk (beide 24, l.) und Fiona Norbron sind nicht nur beruflich unzertrennlich, sondern leben auch gemeinsam mit ihrer Katze in einer WG.  © Steffen Füssel

Der Weg dahin war von einer guten Portion Glück begleitet: Während sie im Frühjahr noch mitten in der Meister-Prüfung steckten, hörten sie von der frei werdenden Bäckerei an der Kronenstraße: "Dann standen wir vor dem Geschäft und es hat direkt Klick gemacht ..."

Auffällig ist in der "Bäckerei Bruno" nun nicht nur das Sortiment, sondern auch die Arbeitszeiten in der Backstube.

"Zwischen 1 und 2 Uhr haben wir mit dem Backen angefangen, das ging auch mal bis mittags. Wir hatten manchmal 20-Stunden-Tage, das war auf Dauer nicht tragbar", so Viviane.

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Also hat sie den Dezember-Schichtplan kurzerhand umgeschrieben. "Wir backen jetzt zwischen 18 und 2 Uhr. So können wir uns auf Backwaren einlassen und mal rumprobieren", freut sich Fiona.

"Es gibt Überzieher für die Backwagen, die Bleche haben Luftlöcher. Die Kunden sind immer zufrieden mit der Qualität", erklärt Viviane den Frische-Trick.

Der Altersdurchschnitt in der "Bäckerei Bruno" (Kombination aus den Nachnamen Brunk und Norbron) liegt bei dem siebenköpfigen Team bei 26 Jahren.
Der Altersdurchschnitt in der "Bäckerei Bruno" (Kombination aus den Nachnamen Brunk und Norbron) liegt bei dem siebenköpfigen Team bei 26 Jahren.  © Steffen Füssel
Dort, wo es geht, versuchen die Bäckermeisterinnen auf regionale Produkte zu setzen.
Dort, wo es geht, versuchen die Bäckermeisterinnen auf regionale Produkte zu setzen.  © Steffen Füssel

Auch vegane Produkte sollen bald angeboten werden

Die beiden Bäckerinnen sind dankbar, dass die Kunden ihr Sortiment direkt lieben gelernt haben.
Die beiden Bäckerinnen sind dankbar, dass die Kunden ihr Sortiment direkt lieben gelernt haben.  © Steffen Füssel

Warum andere Betriebe dennoch an den alten Arbeitszeiten festhalten, können die beiden nur ahnen: "Vielleicht, weil es schon immer so gemacht wurde. Das könnte der Grund sein, warum es nicht viele Nachzügler gibt."

Denn beide wissen, wie fordernd der Beruf sein kann: Während Viviane schon mit 17 in Bäckereien gearbeitet hat, ging Fiona einen anderen Weg: "Ich hab Geschichte und Anthropologie studiert. Doch zu Corona gab es nur Online-Kurse. So hab ich den Sinn darin verloren. Dann hab ich bei meinem Stiefvater in der Bäckerei mit der Ausbildung begonnen ..."

Kennengelernt haben sich die beiden dann in Leipzig in der Berufsschule - da wussten sie, dass sie irgendwann zusammen eine Bäckerei eröffnen werden: "Nun haben wir alle Freiheiten und können unsere Ideen ausleben. Im Frühling wollen wir mit einem Cafébetrieb starten und unsere Kuchenideen ausleben."

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Außerdem sollen alte Getreidesorten und vegane Gebäcke ihren Weg in das Sortiment finden: "Wir wollen, dass unser Geschäft sich als Treffpunkt etabliert."

Titelfoto: Montage: Steffen Füssel

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