Was tun gegen Verfall? Grüne sorgen sich um Dresdens Baudenkmäler

Dresden - Sorge um Dresdens Baudenkmäler. Sachsens Grüne befürchten einen zunehmenden Verfall historischer Bauten, fordern die Stärkung des Denkmalschutzes im Freistaat. Auch in Dresden gingen bereits stumme Zeitzeugen unwiederbringlich verloren.

Bereits verschwunden: Die geschützte "Villa Romana" an der Tolkewitzer Straße in Blasewitz (um 1902 errichtet) wurde 2014 ungenehmigt abgerissen.
Bereits verschwunden: Die geschützte "Villa Romana" an der Tolkewitzer Straße in Blasewitz (um 1902 errichtet) wurde 2014 ungenehmigt abgerissen.  © Bruno Satelmajer

Im Stadtgebiet gibt es mehr als 9200 Baudenkmäler, wie eine Antwort der Staatsregierung auf eine Grünen-Anfrage zeigt.

"Baudenkmäler sind lebendige Zeugen der Geschichte, die uns mit ihrer Architektur und Geschichte die kulturellen Werte und Erlebnisse vergangener Zeiten näherbringen", sagt der Landtagsabgeordnete Thomas Löser (53, Grüne).

Doch sind im Freistaat in den letzten Jahren 355 Denkmäler (von insgesamt über 101.000 erfassten) abgerissen worden, teils ohne behördliche Genehmigung.

Dresden: Habt Ihr 15 Minuten Zeit? Beim Verkehr der Zukunft kann jeder mitreden
Dresden Lokal Habt Ihr 15 Minuten Zeit? Beim Verkehr der Zukunft kann jeder mitreden

In Dresden sorgte der Abriss der "Villa Romana" an der Tolkewitzer Straße in Blasewitz (um 1902 errichtet) für Empörung. Der Eigentümer hatte das seltene Zeugnis der Baukunst (zwischen Neobarock, Art Déco und Neuer Sachlichkeit) 2014 ungenehmigt abreißen lassen, nachdem es in dem leer stehenden Gebäude mehrmals gebrannt hatte.

Es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit. 2023 verdonnerte das Verwaltungsgericht den Eigentümer zum Wiederaufbau, der bislang nicht erfolgte. Immer wieder kommt es auch zu Bränden, meist verursacht durch Obdachlose oder abenteuerlustige Teenager. So geschehen etwa in der ehemaligen Malzfabrik Niedersedlitz, wo es zuletzt im Mai 2024 brannte.

Das ehemalige Reichsbahnausbesserungswerk (ab 1880 gebaut) am Emerich-Ambros-Ufer in der Friedrichstadt ist vom Verfall bedroht.
Das ehemalige Reichsbahnausbesserungswerk (ab 1880 gebaut) am Emerich-Ambros-Ufer in der Friedrichstadt ist vom Verfall bedroht.  © Holm Helis
Deine täglichen News aus Dresden

Jeden Morgen die wichtigsten Nachrichten direkt in dein Postfach.

  • Lokale Nachrichten aus Dresden & Umgebung
  • Exklusive Hintergrundberichte
  • Jederzeit abbestellbar
Deine Anmeldung konnte nicht gespeichert werden. Bitte versuche es erneut.
Deine Anmeldung war erfolgreich. Bitte bestätige die E-Mail, die wir dir gesendet haben.
Mit deiner Anmeldung stimmst du unseren Datenschutzbestimmungen zu.
Auch die frühere Pulvermühle mit Siloturm an der Heidenschanze in Coschütz ist gefährdet.
Auch die frühere Pulvermühle mit Siloturm an der Heidenschanze in Coschütz ist gefährdet.  © Holm Helis
Dresdens ältestes Postamt (1880 eingerichtet) an der Königsbrücker Straße in der Neustadt verfällt zusehends.
Dresdens ältestes Postamt (1880 eingerichtet) an der Königsbrücker Straße in der Neustadt verfällt zusehends.  © Holm Helis
Denkmal in Flammen: Die ehemalige Malzfabrik in Niedersedlitz brannte schon öfters, zuletzt im Mai 2024.
Denkmal in Flammen: Die ehemalige Malzfabrik in Niedersedlitz brannte schon öfters, zuletzt im Mai 2024.  © Roland Halkasch

Mehrere Dresdner Baudenkmäler in Gefahr

Der Landtagsabgeordnete Thomas Löser (53, Grüne) fordert eine Stärkung des Denkmalschutzes.
Der Landtagsabgeordnete Thomas Löser (53, Grüne) fordert eine Stärkung des Denkmalschutzes.  © Norbert Neumann

Laut Staatsregierung, die auch die untere Denkmalschutzbehörde der Stadt befragte, sind neun Bauten offiziell "vom Verfall bedroht".

Darunter Dresdens ältestes Postamt (1880 eingerichtet) an der Königsbrücker Straße in der Neustadt. Oder die frühere Pulvermühle (1885 erbaut, 1917 folgte der Siloturm) an der Heidenschanze in Coschütz.

Oder das ehemalige Reichsbahnausbesserungswerk (ab 1880) am Emerich-Ambros-Ufer in der Friedrichstadt. Die Dunkelziffer dürfte weit höher sein.

Dresden: Nach Beinahe-Unglück in Dresden: Hofkirchen-Heilige werden gesichert
Dresden Lokal Nach Beinahe-Unglück in Dresden: Hofkirchen-Heilige werden gesichert

"Ohne rechtzeitige Schutzmaßnahmen bleibt von einem einstigen Meisterwerk am Ende oft nur ein ruinöses Gebäude", mahnt Löser.

"Weil vielerorts das Personal fehlt, sind aktuell leider zum Teil weder eine systematische Erfassung gefährdeter Denkmale noch ein proaktives Eingreifen möglich", fordert er die Staatsregierung auf, offene Stellen des Denkmalschutzes im Freistaat und in den Kommunen zügig nachzubesetzen, um weitere Verluste steinerner Zeitzeugen zu begrenzen.

Titelfoto: Montage: Roland Halkasch, Norbert Neumann

Mehr zum Thema Dresden Lokal: