Für die, die sie machen ... Diese Gans "to go" ist eine echte Chance

Dresden - 36 Gänse, 50 Kilo Rotkohl, mehr als 500 Klöße: In der Großküche der Weißiger Werkstätten kocht Manuela Kretzschmar (45) Weihnachtsmenüs für Menschen, die es selbst nicht schaffen. Die Lernbehinderte hat selbst vieles nicht geschafft. Doch im Team von Küchenchef Siegfried Heß (40) ist sie endlich angekommen.

Küchenchef Siegfried Heß (40) und Manuela Kretzschmar (45) mit dem Gänsebraten to go.
Küchenchef Siegfried Heß (40) und Manuela Kretzschmar (45) mit dem Gänsebraten to go.  © Stefan Häßler

Es war noch dunkel draußen, als die ersten Gänse aus den Öfen der Großküche kamen. Mittendrin: "Manu" mit Schürze und glänzendem Namensschild.

"Muss ich die alle einpacken? Hätte ich doch bloß Urlaub genommen", lacht sie und greift zu. Küchenchef Heß grinst: "Sie weiß noch nicht, dass im Keller noch drei solcher Wagen stehen."

Manu ist eine von 14 Küchenleuten mit unterschiedlichsten Einschränkungen.

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Von hier aus versorgen sie drei Standorte der Weißiger Werkstätten. Die bieten in Reick, Pieschen und Weißig 500 angepasste Arbeitsplätze in Wäscherei oder Montage, aber auch im CAP Markt, Hotel Schwanenhaus - und der Gastronomie.

Hier kochen Manu und Kollegen Weihnachtsmenüs "to go". Hauptsächlich für Mitarbeiter des Diakonissenkrankenhauses, die über die Feiertage arbeiten und nicht vorkochen. "Das sind nicht nur meine Teamkollegen", sagt Manu, "die sind meine Familie."

Das Weihnachtsmenü der Weißiger Werkstätten zum Mitnehmen.
Das Weihnachtsmenü der Weißiger Werkstätten zum Mitnehmen.  © Stefan Häßler
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Manuela Kretzschmar über Arbeitsmarkt: "Ich bin so oft mit Tränen rausgegangen"

Damit hatte sie nicht gerechnet: Manu beim Einpacken der Gänse in der Küche.
Damit hatte sie nicht gerechnet: Manu beim Einpacken der Gänse in der Küche.  © Stefan Häßler

Auf dem ersten Arbeitsmarkt ist sie immer wieder gescheitert. "Ich bin so oft mit Tränen rausgegangen, du wirst ausgegrenzt", sagt sie. Auch, weil Manu weder lesen noch zählen konnte.

Chef Heß sagt, man könne die Arbeit ohnehin nicht vergleichen. "Ich muss es manchmal aushalten, dass die Dinge länger dauern." Aber gerade der Menschenbezug in dieser Ruhe mache den Job so spannend.

"Das Amt hat mich ins kalte Wasser geschmissen. Aber hier sind wir füreinander da", sagt Manu. Seit drei Jahren lernt sie Schreiben und Rechnen im Bildungsbereich der Werkstätten. Und kann nun ihrem Sohn die Weihnachtsmenükarte vorlesen.

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Darauf stehen Gänse, Rotkohl, Klöße. Denn Manu ist ihr eigener Kunde. "Bei der ganzen Arbeit, ich bin doch nicht blöd!"

Titelfoto: Bildmontage: Stefan Häßler (2)

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