Zweifel an der Wirtschaftlichkeit: Müllverbrennungsanlage steht schon vor dem Bau in der Kritik

Dresden - Großer Streit um Dresdens geplante Müllverbrennungsanlage "Ring 30" am Hammerweg. Dort will SachsenEnergie ab 2030 jedes Jahr 145.000 Tonnen Müll verbrennen. Dadurch sollen auch Strom und Wärme für die Dresdner erzeugt werden. Doch das Wirtschaftsministerium warnt vor Auslastungsproblemen und steigenden Gebühren, die Grünen fordern das Aus für die Anlage.

So könnte die Müllverbrennungsanlage "Ring 30" nahe dem Hammerweg aussehen.  © Visualisierung: Schubert Horst Architekten

Im Raum stehen Investitionskosten von über 200 Millionen Euro für den kommunalen Versorger. SachsenEnergie will die Anlage neben dem kürzlich eröffneten Solarpark auf der alten DDR-Müllkippe nahe Hammerweg (Hellerberge) errichten, wo aktuell noch ein Umschlagplatz für Restmüll steht.

Derzeit fallen in Dresden jährlich rund 80.000 Tonnen Restmüll an. "Bisher werden diese Abfälle über große Entfernungen (durchschnittlich rund 150 Kilometer, Anm. d. Red.) in andere Regionen transportiert", so eine Sprecherin der SachsenEnergie.

Ab 2030 sollen sie am Hammerweg verbrannt werden. Die Abwärme soll in Strom umgewandelt werden sowie ins Fernwärmenetz fließen. Damit sollen rund 16 Prozent der Wärmeversorgung gedeckt werden, was laut Sprecherin "bezahlbare Wärme für rund 45.000 Haushalte der Stadt bedeutet".

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Laut Rathaus sei mit der Anlage eine langfristige Stabilisierung der Fernwärmepreise verbunden, weil die Anlage die Wärmeversorgung von unberechenbaren fossilen Importen und steigenden CO2-Steuern entkoppele. Darüber hinaus stärke das Projekt die regionale Entsorgung von Abfällen.

Doch es gibt Zweifel. So befürchtet das Wirtschaftsministerium in einem Schreiben (liegt TAG24 vor) Auslastungsprobleme. Denn neben einer bestehenden Verbrennungsanlage in Lauta (Landkreis Bautzen) plant auch Chemnitz eine solche, die Ende 2027 in Betrieb gehen soll.

Außerdem soll die Müllmenge künftig sinken, von zuletzt 490.000 Tonnen Restabfall (148 Kilo pro Einwohner) im Freistaat auf 413.000 Tonnen im Jahr 2032.

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Am Standort befindet sich aktuell noch ein Umschlagplatz für den Restmüll-Transport.  © Holm Helis
Durchs Verbrennen entsteht Abwärme, die auch dem Fernwärmenetz nutzen soll.  © picture alliance / dpa
In Dresden fallen jährlich rund 80.000 Tonnen Restmüll an.  © Fotomontage/Thomas Türpe

Wolfgang Deppe (Grüne) sieht schwarz für die Verbrennungsanlage

Stadtrat Wolfgang Deppe (70, Grüne) warnt vor einer Unwirtschaftlichkeit der geplanten Anlage.  © Norbert Neumann

Auch Stadtrat Wolfgang Deppe (70, Grüne) erwartet sinkende Müllmengen - auch wegen zunehmenden Recyclings. Gibt es zu wenig Müll zum Verbrennen, "wird die Anlage unwirtschaftlich", warnt er.

Die Grünen fordern das Aus für die Pläne, befürchten überhöhte Müllgebühren für die Dresdner. Diese Sorgen teilt die SPD, fordert die Offenlegung aller Planungen im Stadtrat.

SachsenEnergie sieht das naturgemäß anders, die Gebührenzahler würden letztlich profitieren. Das Unternehmen geht davon aus, dass neben dem Restmüll auch genügend Gewerbemüll aus dem industriellen Ballungsraum Dresdens anfallen werde, laut Analysen "jährlich mehrere Hunderttausend Tonnen", so eine Sprecherin.

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Das Unternehmen prognostiziert auch hier weitaus höhere Mengen als das Ministerium, will das in weiteren Gesprächen aufklären.

Laut Landesdirektion sollen im Genehmigungsverfahren ab Anfang September rund 170 Einwendungen von Bürgern, Verbänden und Co. mit den Beteiligten besprochen werden.

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