Mehrere Schließungen geplant: Mitarbeiter und Kunden zittern um Karstadt

Dresden - Kaufhaus-Kette in Not. Anfang der Woche hat René Benko (45), Besitzer von Galeria Karstadt Kaufhof, ein sogenanntes Schutzschirmverfahren für seine in Schieflage geratene Kaufhauskette beantragt - bereits zum zweiten Mal nach 2020. Auch das Karstadt-Kaufhaus an der Prager in Dresden ist betroffen.

Ein Kosmos für sich: Auf 30.000 Quadratmetern Fläche und in bester Lage finden Kunden alle Waren des täglichen Bedarfs.
Ein Kosmos für sich: Auf 30.000 Quadratmetern Fläche und in bester Lage finden Kunden alle Waren des täglichen Bedarfs.  © Eric Münch

Es gehört zum Benko-Imperium, das zur Sanierung nun Schließung von 40 der 131 Kaufhäuser in ganz Deutschland vorsieht. Die 350 Mitarbeiter in Dresdens Karstadt-Filiale sind beunruhigt.

"Die Wut und die Enttäuschung ist groß bei unseren Kollegen vor Ort", sagt Torsten Furgol (53), Landesfachbereichsleiter Handel bei der Gewerkschaft ver.di. Jahrelang haben auch die Dresdner Mitarbeiter des Konzerns durch Gehaltsverzicht Millionen Euro in das Unternehmen gesteckt, zudem Vorschläge für ein Zukunftsmodell präsentiert. "Die haben im Management jedoch wenig Gehör gefunden", so Furgol.

Ver.di möchte nun umgehend in Verhandlungen eintreten, um "möglichst jeden Arbeitsplatz zu erhalten". Die Mitarbeiter selbst halten sich bedeckt, ein Kollege aus dem Erdgeschoss offenbart: "Wir haben bisher kaum Infos bekommen." Ob das Haus überhaupt für eine Schließung infrage kommt? Bisher unbekannt.

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Dresden Jawort im Herzen Dresdens: Hier kann jetzt wieder geheiratet werden!

Doch zumindest im Rathaus steht das Thema auf der Agenda. "Selbstverständlich stehen wir mit der Unternehmensführung in Kontakt", erklärt Stadtsprecher Kai Schulz (47) auf Anfrage. Die Filiale hat mit ihrer 1a-Lage aus Sicht der Stadt die gleiche Bedeutung wie die Altmarkt- und Centrum-Galerie.

Das Warenhaus gilt laut Stadtverwaltung als wichtiger Pfeiler für Dresdens innerstädtischen Einzelhandel.
Das Warenhaus gilt laut Stadtverwaltung als wichtiger Pfeiler für Dresdens innerstädtischen Einzelhandel.  © Eric Münch
Die fünf Etagen des Gebäudes waren am Mittwoch augenscheinlich gut besucht.
Die fünf Etagen des Gebäudes waren am Mittwoch augenscheinlich gut besucht.  © Eric Münch
Ver.di-Gewerkschafter Torsten Furgol (53) kämpft um jeden Arbeitsplatz.
Ver.di-Gewerkschafter Torsten Furgol (53) kämpft um jeden Arbeitsplatz.  © privat
Für Studentin Rebecca Hoffmann (24) würde sich bei einer Schließung kaum etwas ändern.
Für Studentin Rebecca Hoffmann (24) würde sich bei einer Schließung kaum etwas ändern.  © Eric Münch
Inge Lange (83) aus Riesa kommt immer gern in die Karstadt-Filiale an der Prager Straße.
Inge Lange (83) aus Riesa kommt immer gern in die Karstadt-Filiale an der Prager Straße.  © Eric Münch
Alexander Schubert (21) wünscht sich eine Perspektive für die Mitarbeiter.
Alexander Schubert (21) wünscht sich eine Perspektive für die Mitarbeiter.  © Eric Münch

Gemischte Gefühle bei den Dresdnern

Die Dresdner selbst beobachten das Geschehen mit gemischten Gefühlen. "Für mich würde sich bei einer Schließung kaum etwas ändern", sagt Studentin Rebecca Hoffmann (24), die gerade zum ersten Mal in das Warenhaus geht.

Ähnlich sieht es Alexander Schubert (21), der hier Küchengeräte einkauft. Jedoch: "Ich würde mir wünschen, dass der Staat eingreift, schon alleine wegen der Jobs."

Schwer würde Inge Lange (83) der Abschied fallen. Die Rentnerin aus Riesa: "Ich komme vier- bis fünfmal im Jahr hierhin und wäre traurig, wenn sie zumachen."

Titelfoto: Eric Münch (2)

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