Ist das ein würdiger Abschied? Nach 46 Jahren an der Uniklinik gibt's einen 10-Euro-Blumengutschein

Dresden - Von der Pike auf lernte Kinder-Krankenschwester Marion Hennig (63) im Dresdner Universitätsklinikum, blieb ihrem Arbeitgeber fast ein halbes Jahrhundert treu. Von dessen Abschieds-Dank ist die frischgebackene Rentnerin allerdings sehr enttäuscht.

Marion Hennig (63) ist enttäuscht von ihrem (Ex-)Arbeitgeber, der Urkunde und Gutschein via Post schickte.
Marion Hennig (63) ist enttäuscht von ihrem (Ex-)Arbeitgeber, der Urkunde und Gutschein via Post schickte.  © Ove Landgraf

Ihre Lehre machte die Dresdnerin ab 1973 an der damaligen Medizinischen Akademie Carl Gustav Carus, arbeitete dann in der Onkologie, pflegte jahrelang auf Station krebskranke Kinder. Nach der Wende betreute sie die jungen Patienten in Ambulanzen weiter.

"Zum Abschied war eine Feierstunde mit Betriebs-Jubilaren und Vorstand geplant. Die fiel aber aus wegen Corona", sagt Marion Hennig. 

Stattdessen bekam sie jetzt ein Schreiben der Verwaltung zugeschickt. "Darin waren Urkunde und Blumen-Gutschein im Wert von zehn Euro", schildert sie enttäuscht. "Für über 45 Jahre geleistete Arbeit hätte ich mir einen würdigeren Abschluss gewünscht." 

Es gehe ihr nicht ums Geld, sondern um Wertschätzung.

Wie man Mitarbeiter würdigen kann, weiß Klinikums-Chef Michael Albrecht (70) durchaus. Bei Wechseln im Vorstand etwa lädt er die Presse ein, steht für schöne Fotos bereit. 

Wie zur Vorstellung von Katrin Erk (50) als Kaufmännischen Vorstand im Mai 2019. Die verkündete übrigens nur ein halbes Jahr später ihren Abschied nach Heidelberg.

Aufnahme von 1975: Marion Hennig als angehende Krankenschwester im Uniklinikum.
Aufnahme von 1975: Marion Hennig als angehende Krankenschwester im Uniklinikum.  © Repro: Ove Landgraf

Bedauern vom Personalchef

Teil der Uniklinik Dresden.
Teil der Uniklinik Dresden.  © Lutz Hentschel

Uniklinik-Personalchef Thomas Hurlebaus (45) bedauere die Absage der Betriebsjubiläumsfeier und könne den Unmut von Frau Hennig darüber "gut verstehen". 

Der Ausfall sei nicht leichtfertig festgelegt worden, diene dem Infektionsschutz. "Ein Nachhol-Termin ist aktuell nicht umsetzbar, da das Infektionsgeschehen in der zweiten Jahreshälfte wieder nach oben gehen könnte", so ein Kliniksprecher. Das kritisierte Schreiben sei ein "kleiner Ausgleich".

Immerhin: Den Abschied im kleinen Kreis der Kinderklinik-Ambulanz empfand Marion Hennig als "sehr schön". Sie erhielt Karten fürs Biertheater, Rhododendren und eine Chronik.

Titelfoto: Lutz Hentschel, Ove Landgraf

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