Dresden - Carsharing-Anbieter Teilauto erobert die Stadt und errichtet immer mehr Verleih-Stationen auf öffentlichen Straßen. Dort dürfen dann nur noch die Wagen des Anbieters abgestellt werden. Das sorgt jetzt für Probleme in der Radeberger Vorstadt.
Die neue Station an der Nordstraße wurde vor etwa drei Wochen in Betrieb genommen. Der Straßen-Abschnitt, wo zuvor locker vier Autos parkten, ist jetzt für drei Teilautos reserviert. Und zwar nur für diese.
Wer mit seinem Wagen trotzdem dort parkt, kann abgeschleppt werden und muss mit mehreren hundert Euro Kosten rechnen. "Wir sehen den Abschleppwagen täglich hier", berichten Mitarbeiter einer benachbarten Firma.
Auch Anwohner bestätigen regelmäßige Abschlepp-Einsätze. "Ich finde es gut, dass es hier so eine Station gibt, habe früher selbst Teilauto genutzt", sagt Anwohnerin Silvia Schlosser (33). "Allerdings ist die Station nicht so gut erkennbar, wodurch sie kaum auffällt."
Einzig ein Parkschild mit dem Zusatz "Carsharing teil Auto" weist auf die Station hin. Die Stellplätze sind nicht weiter markiert und häufig auch gar nicht von Teilautos besetzt, obwohl freie Parkplätze im Viertel Mangelware sind.
Folge: Vielen Autofahrern fällt nicht auf, dass sie auf einem Carsharing-Stellplatz (Teilauto zahlt dafür pro Jahr je 120 Euro ans Rathaus) stehen. "Ich habe das gar nicht wahrgenommen und weiß auch nicht, was das Schild genau bedeutet", sagt ein Betroffener.
Markierung auf dem Boden sollen folgen
"Carsharing-Stellplätze sind vergleichbar mit Taxiständen und dürfen lediglich durch Carsharing-Fahrzeuge genutzt werden", erklärt Teilauto-Regionalleiter Marcus Buchfeld (32). "Falschparkende Fahrzeuge verursachen immense Kosten für uns und sorgen für großen Ärger, da die Stellplätze nicht für die Abholung oder Rückgabe von Carsharing-Fahrzeugen genutzt werden können. Wie auch an Taxiständen werden falsch parkende Fahrzeuge abgeschleppt, das ist ein ganz normaler Vorgang."
Man habe dafür Abschleppunternehmen beauftragt. Würden Teilautos wegen blockierter Stellplätze woanders geparkt, drohe diesen selbst die Abschleppung.
Die Beschilderung sei StVO-konform, so Buchfeld. Dennoch werde man zeitnah zusätzlich auf eigene Kosten Markierungen auf dem Boden aufbringen lassen, um die Sichtbarkeit der Stellplätze zu erhöhen.
Mit der Ausnahme Erlenstraße (Hechtviertel), wo eine Station nach wiederholtem Vandalismus wieder abgebaut wurde, seien keine weiteren Probleme bekannt. Mit den drei Autos an der Nordstraße ersetze man im Schnitt 39 private Autos, verringere den Parkdruck deutlich.
Wie funktioniert Carsharing überhaupt?
Die Leipziger Firma Teilauto gibt es schon seit 2006 in Dresden. Da Privatautos oft ungenutzt herumstehen, setzt der Anbieter auf die gemeinsame Nutzung und verleiht seine Wagen (Kleinwagen bis Transporter) gegen eine Gebühr.
Das geht bequem mit einer App, über die sich Nutzer mit ihrem Führerschein anmelden können. Via App lassen sich dann auch die Fahrzeuge vor Ort öffnen und später wieder verschließen. Abgerechnet wird nach gebuchter Zeit und gefahrenen Kilometern (verschiedene Tarife, ab 20/25 Cent pro Kilometer).
Mit Einführung der DVB-MOBIpunkte seit 2018 bietet Teilauto als Partner dort Autos zur Leihe an, zusätzlich zum kommerziellen Verleih im Straßenraum.
2020 gab es 200 Stationen und 320 Fahrzeuge, aktuell bereits 330 Stationen mit 640 Fahrzeugen. Laut Teilauto nutzen 28.000 Menschen das Angebot in Dresden.