Brennpunktschule in Dresden kämpft gegen Sprachbarrieren und Sparmaßnahmen

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Dresden - Wie sieht der Alltag an einer Dresdner Brennpunktschule aus? Die 122. Grundschule "Am Palitzschhof" hat keinen guten Ruf. Die Hälfte der 280 Kinder hat Migrationshintergrund. Auf dem Schulhof werden 22 Sprachen gesprochen. Im Gespräch mit TAG24 gibt Schulleiterin Silke Schilasky (57) Einblicke.

Zum Start der Sommerferien besuchte eine Delegation um Bildungsbürgermeister Donhauser die Grundschule.
Zum Start der Sommerferien besuchte eine Delegation um Bildungsbürgermeister Donhauser die Grundschule.  © Petra Hornig

Viele Kinder an dieser Schule in Prohlis wachsen unter schwierigen Verhältnissen auf. Sie erleben häusliche Gewalt, Existenzsorgen, drogensüchtige oder inhaftierte Eltern... Davon berichtet Schulleiterin Silke Schilasky (57).

"Der hohe Migrationsanteil und der soziale Brennpunkt sind eine Herausforderung", sagt sie. So zählen Arabisch, Spanisch und Ukrainisch zu den häufigsten Muttersprachen, doch Probleme mit der deutschen Sprache erschweren Lernen und Schulalltag.

"Jedes Elterngespräch mit einer Familie, die nicht Deutsch spricht, braucht einen Dolmetscher", erklärt die Schulleiterin. "Das Gespräch dauert dann doppelt so lang."

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Zwei DaZ-Klassen ("Deutsch als Zweitsprache") gibt es aktuell an der Schule, eigentlich bräuchte es mehr. Doch letztes Jahr kürzte Kultusminister Conrad Clemens (43, CDU) die Mittel für die Sprachförderung. Auch kulturelle Unterschiede machen sich bemerkbar.

"Das Ehrgefühl spielt eine Rolle, Familiensinn ist ganz großgeschrieben", schildert Leiterin Schilasky. Die Hemmschwelle für aggressives Verhalten sei gesunken. "Die Kinder können nichts dafür, aber sie müssen trotzdem lernen, dass wir andere Werte leben."

Hat keinen einfachen Job: Silke Schilasky (57) leitet die 122. Grundschule mit Leib und Seele.
Hat keinen einfachen Job: Silke Schilasky (57) leitet die 122. Grundschule mit Leib und Seele.  © Petra Hornig
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Wird das Startchancen-Programm alle Probleme lösen können? Das bezweifelt Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (57, CDU).
Wird das Startchancen-Programm alle Probleme lösen können? Das bezweifelt Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (57, CDU).  © Petra Hornig
An der 122. Grundschule hat rund die Hälfte der Kinder hat einen Migrationshintergrund.
An der 122. Grundschule hat rund die Hälfte der Kinder hat einen Migrationshintergrund.  © Petra Hornig

Bildungsbürgermeister vermutet, dass grundlegende Probleme bleiben

Prohlis gilt als sozial belasteter Stadtteil mit überdurchschnittlich viel Armut und Zuwanderung.
Prohlis gilt als sozial belasteter Stadtteil mit überdurchschnittlich viel Armut und Zuwanderung.  © imago/C3 Pictures

Unabhängig von der Herkunft kommen Kinder in den Unterricht, die vernachlässigt werden: Manche sind unkonzentriert, weil sie hungrig sind. Andere völlig übermüdet, weil sie nachts nicht geschlafen haben.

Für solche Situationen müssen Lehrer der 122. Grundschule gewappnet sein. Es gebe aber schöne Momente - zum Beispiel, wenn die Kinder ihre Lehrer umarmen. "Man merkt, dass sie total an den Klassenlehrern hängen", sagt die Schulchefin. "Es ist daher besonders schlimm, wenn unsere Lehrer die Schule wechseln."

Dennoch könne es immer passieren, dass eine Lehrkraft wegbeordert wird. Zuletzt sei das Lehrerkollegium unterbesetzt, die Suche nach neuem Personal schwierig gewesen.

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Kleines Trostpflaster: Aus dem sogenannten Startchancen-Programm erhält die Schule über die nächsten Jahre rund 1,5 Millionen Euro Extra-Förderung. Mit dem Geld sollen etwa Akustikpaneele installiert werden - gegen den hohen Lärmpegel. Die Schulassistenz wird um eine halbe Stelle aufgestockt.

Trotzdem werden die grundlegenden Probleme bleiben, vermutet Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (57, CDU). "Mittlerweile finden Brennpunktschulen etwas mehr Gehör", sagt Schilasky. Das reiche aber nicht aus.

Titelfoto: Petra Hornig

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