Dresden - Vor zwei Jahren mussten knapp 900 Schüler und 110 Lehrkräfte ihr marodes Bertolt-Brecht-Gymnasium in der Johannstadt verlassen, lernen und lehren seitdem am beengten Ausweichstandort am Terrassenufer unter schwierigen Bedingungen. Doch der beschlossene Neubau konnte nicht starten. Als erste Dresdner Schule erhält das "Brecht" jetzt Gelder aus dem Bundes-Sondervermögen über den Sachsenfonds - 2030 soll der Neubau fertig werden.
Als die Probleme am Stammsitz 2007 begannen, die Aula wegen drohenden Glasdacheinsturzes gesperrt werden musste, war Schulleiter Marcello Meschke (65) noch guter Dinge.
"Jetzt werde ich das Ende der Baumaßnahmen als Rentner erleben", sagt er ernüchtert. Denn die damalige Sanierung hatte sich über Jahre gezogen, es tauchten immer neue Probleme auf, bis als beste Lösung ab 2020 ein Neubau geplant wurde.
Wegen Brandschutzmängeln musste die Schulgemeinschaft schon im Sommer 2024 ausziehen, während am maroden Stammsitz noch nicht mal der Abriss wegen Geldmangels beginnen konnte.
"Es gibt keine Aula, zu wenig Räume für die Schulgemeinschaft. Die Lernsituation ist auch wegen der fehlenden Perspektive demotivierend", macht Schülersprecher Armin Wobst (19) die Probleme am Ausweichstandort am Terrassenufer klar.
Noch Jahre bis zur Fertigstellung
Erst jetzt konnte Kultusminister Conrad Clemens (43, CDU) dort an einer Schulbank im Klassenzimmer die frohe Botschaft verkünden, während nebenan die Schüler ihre Zeugnisse erhielten.
"Dresden bekommt 78 Millionen Euro für Schulen zugewiesen. Aus diesem Topf gibt es 37 Millionen Euro für den Neubau des Bertolt-Brecht-Gymnasiums", so der Minister. "Wir haben dafür lange gekämpft", sagte OB Dirk Hilbert (54, FDP). Insgesamt seien fürs "Brecht" 62,8 Millionen Euro geplant.
Damit können ab Oktober Bauvorbereitungen und Fällungen starten, spätestens im Sommer 2027 soll der Abriss beginnen. Die zwei neuen Gebäude werden nachhaltig in Holzhybrid-Bauweise mit Photovoltaikanlagen errichtet.
Im Mai 2030 soll der Neubau an der Lortzingstraße fertig werden. Schulleiter Meschke ist erleichtert und guter Dinge, dass der Unterricht im Schuljahr 2030/31 endlich wieder in der Johannstadt stattfinden wird.
Sorgen mit dem Brandschutz
Trotz der Gelder aus dem Sondervermögen macht OB Hilbert deutlich, dass man im Vergleich zu früher nur noch rund ein Viertel an Fördermitteln für den Schulbau der nächsten Jahre habe.
Das künftige Gesamtbudget liege künftig noch bei rund zwei Dritteln im Vergleich zu guten Jahren, "damit wird der Kuchen für die Dresdner Bildungsinfrastruktur deutlich kleiner", sagte Hilbert.
Zudem bereiteten Brandschutzmängel Sorgen. Knapp 25 Millionen Euro aus dem städtischen Etat würden nun für die Beseitigung eingeplant, so Hilbert.
Bei 15 Schulen sei der Handlungsbedarf "dringend".
Laut Schulbürgermeister Jan Donhauser (57, CDU) seien überwiegend Grund- und Oberschulen betroffen.