SPD kämpft gegen Wiedereröffnung des Fernsehturms
Dresden - Die mögliche Wiedereröffnung des Fernsehturms im Jahr 2030 schien schon greifbar - das Rathaus hatte die Entwurfsplanung abgeschlossen und vergangene Woche einen Fahrplan vorgelegt. Während etwa Team Zastrow von einem "Herzensprojekt" spricht, regt sich nun aber Widerstand: Die SPD lehnt die Pläne ab.
Der SPD-Ortsverein Dresden-Elbhang/Schönfelder Hochland (etwa 60 Mitglieder) fordert das Aus für die Fernsehturm-Revitalisierung in Wachwitz.
Das Rathaus solle die weiteren Planungen einstellen und entsprechende Gelder stattdessen in dringend notwendige Infrastrukturmaßnahmen investieren.
Begründung: "Die Stadt hat das ursprünglich zugesagte Verkehrskonzept aufgegeben, ohne tragfähige Alternativen vorzulegen", kritisieren die Vorsitzenden Jutta Müller-Leonhardt (47) und Andreas Ueberbach (59).
"Hiervon wären vor allem die Quohrener Straße und die Ortsdurchfahrt Gönnsdorf betroffen, die schon jetzt, ohne Gehwege ausgestattet, als lebensgefährlich bezeichnet werden müssen." Den Straßenausbau sieht das Rathaus nicht als zwingend erforderlich für den Turmbetrieb an.
Die SPD rechnet mit Verkehrschaos
Der geplante Parkplatz mit 49 Besucherplätzen reiche laut Ortsverband trotz geplanten Zeitfenster-Buchungssystems (reserviert nur für Turmgäste) nicht aus.
Und auch vom angekündigten ÖPNV-Ausbau oder Shuttle-Betrieb vom geplanten Park+Ride-Platz an der Rossendorfer Straße ist zum Ärger der Genossen nichts geblieben. Stattdessen soll die Buslinie 61 künftig alle 20 Minuten (ähnlich wie bislang) zum Turm fahren.
Die Verwaltung kalkuliert mit rund 200.000 Besuchern pro Jahr (wären im Schnitt rund 550 täglich), wobei nur 199 Personen gleichzeitig im Turmkopf sein können.
Die SPD rechnet in der Folge der "Fehlplanung" mit "Verkehrschaos und zugeparkten Straßen" zulasten der Anwohner.
Am 5. März entscheidet der Stadtrat
Als "Rebellen" können die Genossen im Hochland mit ihrem "Aufstand" gegen den Turm nicht gelten. "Wir sind da komplett auf einer Linie", sagt die SPD-Fraktionsvorsitzende Dana Frohwieser (49). "Die Bevölkerung im Umfeld wurde vor Jahren mit Straßensanierungen und neuen Buslinien besänftigt. Nichts davon wird kommen. Eine Wiedereröffnung des Fernsehturms auf dem Rücken der Anwohnerinnen und Anwohner lehnen wir ab."
Der Stadtrat soll am 5. März final entscheiden.
Kippt der Turm noch? - Ein Kommentar
Die Wiedereröffnung des Fernsehturms ist trotz sprudelnder Fördergelder (über 19 von insgesamt gut 25,5 Millionen Euro) und abgeschlossener Planung noch nicht sicher. Nicht alle Fraktionen teilen die Zuversicht, mit der OB Dirk Hilbert (54, FDP) das Projekt vorantreibt.
Zwar würden sicher auch Kritiker gerne wieder den Rundblick auf der Plattform in 148 Meter Höhe übers Elbtal bis in die Sächsische Schweiz genießen - wie es zuletzt 1991 möglich war. Dennoch führen sie ernste Hindernisse für die Sanierung an.
Zum einen sind Bewohner der umliegenden Ortschaften zu Recht verärgert. Von den im Vorfeld angekündigten Maßnahmen, welche den künftigen Touristen-Ansturm abfedern sollen, ist nicht viel übrig geblieben. Ob etwa der Ausbau wichtiger Zufahrtsstraßen bis zur möglichen Eröffnung in vier Jahren tatsächlich umgesetzt wird, ist nicht sicher.
Zum anderen stellt sich die Frage, ob sich Dresden angesichts klammer Kassen so ein Projekt wirklich leisten sollte. Im Unterschied zu den Fahrrad-Barometern, die auch üppig gefördert wurden, hätte der Fernsehturm als neue touristische Sehenswürdigkeit sogar einen echten Nutzen.
Meines Erachtens sollte der Stadtrat aber das städtische Konzept insoweit nachbessern, dass Anwohner wenigstens "ihre" Straßensanierungen erhalten. Die sind ohnehin seit Jahren überfällig.
Titelfoto: Bildmontage: Stefan Kraft, Julian Hoffmann, picture alliance/dpa

