Teils sehr hohe Migranten-Quote: Integration im Klassenzimmer stellt Dresden vor Herausforderungen

Dresden - Immer mehr Dresdner Schüler haben ausländische Wurzeln. Diese Entwicklung stellt das Bildungswesen vor wachsende Herausforderungen. TAG24 hat Entwicklung und Verteilung in der Stadt analysiert.

Spitzenreiter: An der 101. Oberschule (Johannstadt) haben mehr als 83 Prozent der Kinder und Jugendlichen einen Migrationshintergrund.  © Steffen Füssel

Die Auswertung der Schulstatistik legt nahe, dass der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund (siehe Kasten) bei über 20 Prozent liegt - das ist mehr als jeder fünfte und mehr als in der Dresdner Gesamtbevölkerung (17,7 Prozent).

Das geht aus der Antwort des Rathauses auf eine Anfrage von AfD-Stadtrat Falk Breuer (61) hervor. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag dieser Anteil - je nach Schulform - noch bei 9 bis 12 Prozent.

Besonders hoch ist er an der 101. Oberschule in der Johannstadt: Dort haben 83,4 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund, 2015 waren es 47,7 Prozent, teilt das Rathaus auf TAG24-Anfrage mit. An der 16. Grundschule in der Altstadt liegt der Anteil bei 71,5 Prozent (2015: 29,9 Prozent), an der 14. Grundschule bei 69 Prozent (2015: 45,9 Prozent).

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Schulen ohne Kinder mit Migrationshintergrund gibt es heute praktisch nicht mehr. An der 39. Grundschule in Plauen kletterte der Anteil von null auf 31,9 Prozent. Auch Schulen in gehobenen Wohnlagen verzeichnen Zuwächse, etwa das Gymnasium Bühlau mit 8,8 Prozent (2015: 4,2 Prozent).

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71,5 Prozent beträgt der Anteil in der 16. Grundschule (Josephinenstraße).  © Petra Hornig
Die 14. Grundschule im Schweizer Viertel nahe dem Hauptbahnhof (69 Prozent).  © Holm Helis
Schlusslicht: Lediglich zwei Prozent der Schüler an der 59. Grundschule in Bühlau haben einen Migrationshintergrund.  © Petra Hornig
Mehr Vielfalt im Klassenzimmer kann die Anforderungen an Lehrkräfte und Schulsozialarbeit erhöhen.  © picture alliance/dpa

Hohe Konzentration von Schülern mit Migrationshintergrund an einzelnen Schulen

Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (56, CDU) sieht Herausforderungen für das Dresdner Schulwesen.  © Steffen Füssel

Über 130 Nationalitäten sind an den Schulen vertreten, schreibt die Stadt an TAG24, am häufigsten die Ukraine, Syrien, Russland und Afghanistan. Was viele als Bereicherung empfinden, führt auch zu Problemen.

Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (56, CDU) nennt Traumatisierungen bei Kindern aus Kriegsgebieten, unterbrochene Schullaufbahnen, sprachliche Defizite. Dresdens Schulen zählen 103 Vorbereitungsklassen, die zugewanderten Kindern den Spracherwerb erleichtern sollen - das sind 66 mehr als 2015.

Laut Donhauser ist das Gelingen der Integration primär "eine schulinterne Aufgabe". Die hohe Konzentration von Schülern mit Migrationshintergrund an einzelnen Schulen findet er unglücklich.

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"Als Bildungsbürgermeister habe ich seit vielen Jahren eine Lösung im Kultusministerium angemahnt, einerseits teilweise erfolgreich, andererseits noch nicht zufriedenstellend." Kritiker der Entwicklung sagen, dass eine Integration so immer schwieriger werde. Eine Einschätzung, die hinter vorgehaltener Hand auch von Lehrkräften zu hören ist.

Was bedeutet überhaupt Migrationshintergrund?

Der Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund wächst in Deutschland kontinuierlich.  © 123RF/creativebringer

In Deutschland gilt eine Person als "mit Migrationshintergrund", wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde.

Dazu zählen Zugewanderte, Eingebürgerte sowie in Deutschland geborene Kinder von zugewanderten Eltern. Nicht von der Statistik erfasst werden Personen mit ausländischen Wurzeln, deren Familien seit mehreren Generationen in Deutschland leben und bei denen weder sie selbst noch ihre Eltern zugewandert sind.

Insbesondere westdeutsche Städte wie Frankfurt am Main (57 Prozent), München (49 Prozent) oder Köln (42 Prozent) haben einen hohen Anteil von Personen mit Migrationshintergrund.

Hinter Berlin (41 Prozent) weist Leipzig (20 Prozent) unter den ostdeutschen Großstädten den höchsten Anteil auf. Bundesweit lag der Durchschnitt im Jahr 2024 bei rund 30 Prozent (2015: 21 Prozent).

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