Putz ab, Schimmel, Marderhund: Legendäre Hütte von Dean Reed vergammelt im Schlossgarten!

Rammenau - Das Barockschloss Rammenau mit der schönen Parkanlage war schon vor Jahrzehnten eine begehrte Filmkulisse. So drehte die DEFA dort 1972 den Klassiker "Aus dem Leben eines Taugenichts" mit Ost-Legende Dean Reed (1938-1986), baute für den Film sogar extra ein Haus als Filmkulisse im Schlossgarten. 50 Jahre später steht das Gebäude noch immer - fristet aber ein trauriges Dasein.

Das originale Film-Zollhaus mit Schauspiel-Legende Dean Reed, der einen Taugenichts und Frauenschwarm verkörperte.
Das originale Film-Zollhaus mit Schauspiel-Legende Dean Reed, der einen Taugenichts und Frauenschwarm verkörperte.  © Screenshot "Aus dem Leben eines Taugenichts"

Der Eingangstor am Jägerzaun verschlossen, am Haus bröckelt der Putz, Spinnweben hängen an den abgeriegelten Fenstern und Türen. Das zweigeschossige Haus ist seit Langem baufällig.

"Es ist durchfeuchtet, die Sauerkrautplatten-Wände zur Wetterseite schimmeln. Es traut sich jetzt keiner mehr rein", bedauert Schlossleiterin Ines Eschler (63). "Unterm Boden könnte sich sogar ein Marderhund eingenistet haben." Dabei lassen im Inneren hölzerne Möbel, Keramik-Geschirr und Wandbilder erahnen, wie schön es einst war. Denn das Reed-Häuschen, das im Film als Zollhaus diente , war noch lange Zeit nach den Dreharbeiten in Benutzung. Außen- und Innenbereich wurden mit Toilette, Küche und Feuerstelle ausgebaut. Für Betriebsfeste wurde es vermietet, Familien und Künstler übernachteten in den vier Betten.

Nach Führungen im Schloss wurden Gäste zum Umtrunk am Haus geladen - so wie einst Reed!

Das Reed-Häuschen gammelt vor sich hin, doch eine Sanierung wäre teuer

Risse in den Wänden, der Putz bröckelt: Das Gebäude gammelt vor sich dahin.
Risse in den Wänden, der Putz bröckelt: Das Gebäude gammelt vor sich dahin.  © Petra Hornig
Ein letzter Blick ins Innere: Die schöne Einrichtung mit Wandbildern und hölzernen Möbeln erinnert an bessere Zeiten.
Ein letzter Blick ins Innere: Die schöne Einrichtung mit Wandbildern und hölzernen Möbeln erinnert an bessere Zeiten.  © Petra Hornig
Schlossleiterin Ines Eschler (63) vor dem Reed-Häuschen im Schlosspark.
Schlossleiterin Ines Eschler (63) vor dem Reed-Häuschen im Schlosspark.  © Petra Hornig

Noch 2013 übernachteten hier Tänzer, die im Schloss auftraten.

Doch dann war Schluss. Die fällige grundlegende Sanierung gab es nicht - bis heute. "Ein Gutachten hatte vor Jahren ergeben, dass sie fast eine halbe Million Euro kosten würde", so Schlossherrin Eschler. Ein kostspieliges Problem ist das fehlende Boden-Fundament, das für die damalige Filmkulisse nicht gebaut wurde.

Abreißen will es das zuständige Schlösserland Sachsen dennoch nicht. "Es ist Teil der Schlosspark-Anlage und seiner Geschichte." Doch findet sich keine private Initiative, wird das steinerne Filmvermächtnis wohl nicht mehr zu retten sein.

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Wenigstens eine Infotafel soll im Zuge der musealen Neukonzeption der Parkanlage bis 2024 aufgestellt werden - wenn es bis dahin noch nicht eingestürzt ist ...

Vor 50 Jahren entstand der Taugenichts-Klassiker

Auch diese Aufnahme mit Schloss Rammenau im Hintergrund stammt aus dem Filmstreifen. Reed kehrte später privat für seine Hochzeit zurück.
Auch diese Aufnahme mit Schloss Rammenau im Hintergrund stammt aus dem Filmstreifen. Reed kehrte später privat für seine Hochzeit zurück.  © Screenshot "Aus dem Leben eines Taugenichts"

Für den Film mit Dean Reed in der Hauptrolle drehte das DEFA-Studio 1972 Szenen auch im Rammenauer Schloss und dem dazugehörigen Park. Der "rote Elvis des Ostens" spielt die Rolle eines Taugenichts und Frauenschwarms, der bei der Gräfin Arbeit als Zolleintreiber findet.

Da es noch kein Zollhaus gab, ließ die Produktion eins im Park bauen, das in mehreren Szenen auftaucht. Reed plaudert hier mit Gästen, trinkt Bier und bezirzt die Damen.

Anwohner erinnern sich noch heute an das freundliche Auftreten Reeds fernab der Kameras. In Rammenau feierte der gebürtige Amerikaner, der seinen Lebensmittelpunkt in die DDR verlegt hatte, 1973 auch die Hochzeit mit seiner Frau Wiebke.

Übrigens: Als Filmkulisse dienten Schloss und Park noch in weiteren Produktionen wie Polizeiruf 110, den ARD-Spielfilmen "Zauber des Rosengartens" und "Geheimnis des Rosengartens" sowie der MDR-Doku "Geschichte Mitteldeutschlands".

Titelfoto: Montage: Screenshot "Aus dem Leben eines Taugenichts", Petra Hornig

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