"Rendezvous" mit Sachsens Erdbeer-Gott: Züchter Klaus Obricht erfindet ständig neue Sorten

Dresden - Sie ist nicht nur zum Vernaschen süß, sondern sieht auch noch glänzend aus - die neue Super-Erdbeere "Rendezvous" von Züchter Klaus Olbricht (52). Neben vielen anderen Sorten reift sie auf dem Versuchsfeld der Firma "Hansabred" in Dresden-Weixdorf.

Klaus Olbricht (52) begutachtet im Erdbeerfeld den Reifegrad der Früchte.
Klaus Olbricht (52) begutachtet im Erdbeerfeld den Reifegrad der Früchte.  © Thomas Türpe

Bei Erdbeeren geht es um Eigenschaften wie Festigkeit, Aroma, Ertrag, Transportfähigkeit. Bei Züchtern geht es vor allem um Geduld.

"Seit 18 Jahren züchte ich Erdbeeren", bestätigt Olbricht. Von Botaniker Günter Staudt erbte Olbricht 2008 die größte Erdbeer-Wildartensammlung Europas. Ihr Gen-Potenzial brachte Olbricht in die Firma Hansabred ein.

Sie verfügt heute über 24 Wilderdbeer-Arten von 900 geografischen Herkünften und eine Sortensammlung von rund 200 Züchtungen, deren älteste - die "Weiße Ananas" - auf 1847 datiert.

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Aus diesem Erdbeer-Pool kann Olbricht mit vollen Händen schöpfen: "10.000 Sämlinge wachsen auf dem ein Hektar großen Versuchsfeld." Unter ihnen entdeckte Olbricht 2014 den Sämling für die Sorte "Rendezvous".

Rendezvous wird früh reif und übersteht durch ihre feste Frucht auch Transporte

Erdbeeren sind nicht nur rot - die Sorte "Snow White" macht ihrem Namen alle Ehre.
Erdbeeren sind nicht nur rot - die Sorte "Snow White" macht ihrem Namen alle Ehre.  © Thomas Türpe

Über mehrere Jahre musste sie ihre Ertragsfähigkeit unter Beweis stellen, bevor sie den Markt erobern konnte. Nun trägt sie Früchte: Sie reifen im ersten Anbaujahr an zwei Millionen Pflanzen auf deutschen Feldern.

"Sie ist vor allem attraktiv für Obstbauern, die Supermarktketten beliefern." Denn Rendezvous wird als eine der Ersten reif und übersteht durch ihre feste Frucht auch Transporte.

So wundert es nicht, dass Olbrichts Forschung von der Privatwirtschaft finanziert wird - vor allem Vermehrungsbetriebe haben Interesse an Sorten, mit denen Obstbauern gute Erlöse erzielen.

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Doch "Hansabred" gönnt sich auch Liebhabereien wie die kleinen, orangen, sehr aromatischen Weinbergserdbeeren.

Um die Haltbarkeit zu testen, werden die gepflückten Erdbeeren zwei Tage am Feldrand stehen gelassen.
Um die Haltbarkeit zu testen, werden die gepflückten Erdbeeren zwei Tage am Feldrand stehen gelassen.  © Thomas Türpe

Bis zum Ersten Weltkrieg wurden sie in Radebeul zwischen den Weinstöcken kultiviert - als zweite Einnahmequelle für die Winzer. "Sie wurden morgens gepflückt, in Rhabarberblätter gewickelt und Weidenkörbe verpackt", weiß Olbricht. Dann ging es mit den ersten Zügen nach Berlin, Chemnitz, Leipzig und Dresden, wo sie auf dem Markt verkauft wurden.

Titelfoto: Montage: Thomas Türpe

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