Dresden - Karriereende? Tom Liebscher-Lucz (32) denkt nicht dran. Der Dresdner blickt stattdessen Richtung 2028, dann sind die Spiele in Los Angeles, und er ist 35 Jahre alt.
Im Kanu ist dies kein Alter. Kumpel und Ex-Boots-Partner Ronald Rauhe (44) hat es Liebscher-Lucz vorgemacht. Der Potsdamer war 39, als er 2021 mit dem Dresdner im legendären Vierer über 500 Meter Gold erbeutete.
Was bewegt aber den Sachsen, in die Fußstapfen von "Ronny" zu treten? Der fehlende sportliche Erfolg kann es nicht sein. Liebscher-Lucz gehört zu den wenigen, die bei drei Spielen in Folge (2016, 2021, 2024) Gold im Vierer einfuhren. Dazu ist das Ass vom Kanuclub 7 × Welt- und Europameister.
Was treibt ihn also wirklich an? "Es ist dieses besondere Gefühl, wenn du dich drei Wochen quälst und dann der Leistungssprung kommt. Diesen Payback-Effekt hast du in keinem Job", erklärt der 32-Jährige.
Nachdem er 2025 etwas auf Sparflamme trainiert hatte – effektiv nur ein paar Wochen – und bei der WM Fünfter wurde, gab's eine Zäsur.
"Die war ehrlich, hart und bitter", räumt das ehemalige Aushängeschild des deutschen Verbandes ein. Seinen Olympia-Kader-Status büßte er ein, die Erfolge von einst spielten bei der Bewertung keine Rolle. Das ist für ihn okay. Und gab dazu noch den Extra-Kick.
Auf Tom Liebscher-Lucz wartet ein volles Programm
Die neue Saison geht der Olympiasieger wieder viel zielstrebiger an. Ein Trainingslager in Florida gehörte da genauso dazu. Auch wenn Frau Dori und die Kinder dabei waren, Wasserkilometer sammelte er reichlich.
Diese Woche quält er sich noch daheim auf der Elbe unter seinem neuen Coach Lars Seibt. "Er setzt noch andere Impulse", freut sich Liebscher-Lucz. Nächste Woche geht's ins Camp nach Portugal und anschließend stehen im April (10./11.) in Duisburg die ersten Leistungstests an.
Das Saisonziel – sich so stark zu präsentieren, dass die Bundestrainer nicht am Routinier vorbeikommen. In welchem Boot er Ende August bei der WM im polnischen Posen paddelt, ist derzeit egal. Das große Ziel ist und bleibt LA!