Tausende bei "Querdenken"-Demo in Dresden: Viele davon ohne Maske

Dresden - Während die Infektionszahlen wieder steigen, pfeifen Tausende auf die Schutzmaßnahmen: Am Nachmittag sammelten sich bis zu 5000 sogenannte Querdenker auf dem Dresdner Theaterplatz. Viele von ihnen ohne Maske, die Polizei war machtlos.

Die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus lehnten viele der Demonstranten ab.
Die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus lehnten viele der Demonstranten ab.  © Thomas Türpe

Rund um den Theaterplatz bezog die Polizei Stellung: "Wir haben an den Zugängen die Einhaltung der Maskenpflicht kontrolliert", sagt Sprecher Marko Laske (46). 

"Dabei wurden den Einsatzkräften mehrere hundert Atteste und Maskenbefreiungen gezeigt. Inwiefern diese authentisch waren, ließ sich vor Ort nicht klären. In Einzelfällen gehen wir dem Verdacht auf Urkundenfälschung nach."

Das Resultat: Tausende drängten sich ohne Maske auf den Platz. Weil mehr als erwartet kamen, wurde die Versammlungsfläche erweitert. Mehrfach wurde der Veranstalter auf Maskenpflicht und die Einhaltung der Abstände hingewiesen. 

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Auf der Bühne redete unter anderem Michael Ballweg (45), Gründer der Stuttgarter "Querdenker". 

Dieser sprach der Bewegung eine Radikalisierung ab. Im Publikum fanden sich trotzdem wieder Reichsfahnenträger, am Rande wurde Neonazi-Propaganda verteilt, Reichsbürger forderten ein Verbot aller Parteien und die Wiederinkraftsetzung der Verfassung von 1871. 

Vereinzelt hatten Demo-Teilnehmer Reichsfahnen dabei.
Vereinzelt hatten Demo-Teilnehmer Reichsfahnen dabei.  © Eric Hofmann
Propaganda-Material wird am Rande der Veranstaltung ausgelegt.
Propaganda-Material wird am Rande der Veranstaltung ausgelegt.  © Eric Hofmann

Reichsfahnenträger im Publikum

Tausende drängten sich ohne Maske auf dem Theaterplatz.
Tausende drängten sich ohne Maske auf dem Theaterplatz.  © Thomas Türpe

Das Publikum selbst zog sich jedoch durch sämtliche Spektren der Gesellschaft.Rednerin war auch Heike Oehlert (54), Kreisvorsitzende der "Freien Wähler Leipzig-Land".

Diese wollte auf der Anti-Corona-Demo in Berlin keine Neonazis oder Rechten gesehen haben, verkündete auf der Bühne ihren Austritt aus der Partei. Im Publikum war dabei auch der sächsische Landes-Vize Andreas Hofmann (54). 

Von der AfD sahen sich unter anderem Bundestagsmitglied Karsten Hilse (55) und der sächsische Landeschef Jörg Urban (56) die Kundgebung an.

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Für ein Nachspiel sorgte der Auftritt des derzeit freigestellten Polizisten Michael Fritsch (57) zusammen mit Artur Helios (55): Nicht nur, dass der Beamte behauptete Deutschland habe keine Verfassung. Beide streckten so auffällig ihre Arme, dass die Polizei gegen sie nun wegen Verdachts des Hitlergrußes ermittelt. 

Selbiges werfen die Beamten auch einem Teilnehmer (31) vor. Die weiteren Reden befassten sich zum Großteil damit Masken zu verteufeln und die Gefahr der Pandemie kleinzureden. Insgesamt blieb die Veranstaltung jedoch friedlich und der Gegenprotest mit rund 15 Teilnehmern friedlich.

Titelfoto: Thomas Türpe

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