Warum Wolle Förster seit einem Jahrzehnt vor Gericht steht
Dresden - Feste feiert Wolle Förster (71) eigentlich gern. Erst jüngst zelebrierte der Multi-Unternehmer den 20. Geburtstag seiner "Sushi und Wein"-Lokale. Doch das Dresdner Urgestein feiert dieser Tage auch ein Jubiläum, auf das es gern verzichtet hätte.
"Seit zehn Jahren kämpfe ich vor Gericht um Schadensersatz", so Wolle, dem bei dem Thema weder nach Konfetti noch nach Feuerwerk ist.
Rückblick: Im April 2016 suchten dreiste Einbrecher nachts Wolles Spielhalle in der Johannstadt heim. Sie demolierten Automaten, erbeuteten gut 25.000 Euro.
"Dazu kommen um die 30.000 Euro Sachschaden", zählt Wolle auf, der noch im selben Jahr vor Gericht zog. Gegen die damalige Sicherheitsfirma, die laut Förster in jener Nacht fehlerhaft agierte.
Damit begann einer der längsten Zivilprozesse am Landgericht Dresden. Unermüdlich legte Förster jeden geforderten Beweis vor: demolierte Teile der Automaten und Bilder aus Überwachungskameras.
"Ich baute die Örtlichkeit aus Pappe nach, zeigte, wie die Kassen funktionieren und bastelte einen Papp-Automaten, um der Richterin die Funktion zu erklären."
Im Jahr 2020 urteilte die Juristin endlich: Die Forderung "ist dem Grunde nach gerechtfertigt".
Streit um Gutachten verzögert Verfahren am Landgericht Dresden
Seither wird bei Gericht um die zu zahlende Höhe gestritten. So musste ein Gutachter nochmals alle Zahlen, die Wolle vorlegte, prüfen.
"Der hat sogar ermittelt, dass ich mich um 75 Euro zu meinen Ungunsten verrechnet habe", sagt Förster, der im Prozess mehrere Richter kennenlernte: "Die ursprüngliche Richterin ging inzwischen in den Ruhestand. Der Nachfolger hat die Kammer auch schon wieder verlassen. Jetzt hat eine weitere Richterin meinen Fall auf dem Tisch."
Im Landgericht Dresden gingen im vergangenen Jahr 10.301 neue Fälle ein. "Die Verfahrensdauer konnte im Vergleich zum Vorjahr von durchschnittlich 14,6 auf 13,2 Monate gesenkt werden", so die jüngste Statistik.
"Manche Fälle dauern allerdings länger. Insbesondere, wenn Gutachten eingeholt werden müssen", so der Pressesprecher. Wolle jedenfalls hofft, dass sein Fall bald beendet ist.
Feiern wird er dann zwar nicht. "Aber wenn das vorbei ist, gönne ich mir einen Gin ..."
Titelfoto: Ove Landgraf

