Weihnachten in Familie: Sachsen ermöglicht das auch hinter Gittern

Dresden - Der Kontakt zu den Lieben ist vielen besonders zum Fest und in der vorausgehenden Adventszeit durch nichts zu ersetzen. Wenn der Liebste, Papa oder Mama einsitzen, werden Nähe und Initimität ungleich schwieriger - aber nicht unmöglich. Wie "Familienzusammenführung" unter Haftbedingungen in Sachsen funktioniert, erkundete TAG24 im Besuchstrakt des Justizvollzugsanstalt Dresden.

Mama, Oma und die Kleine dürfen rein - Papa muss vorerst auch drin bleiben: Familienbesuche sind in sächsischen Justizvollzugsanstalten an der Tagesordnung. Nur an wenigen Tagen im Jahr sind Besuche nicht möglich.
Mama, Oma und die Kleine dürfen rein - Papa muss vorerst auch drin bleiben: Familienbesuche sind in sächsischen Justizvollzugsanstalten an der Tagesordnung. Nur an wenigen Tagen im Jahr sind Besuche nicht möglich.  © Thomas Türpe

Ein Sofa, eine Küchenzeile, ein Esstisch. Nebenan schließen sich ein Badezimmer mit Toilette und ein Schlafzimmer mit Schrank und Doppelbett an. Im Sandkasten des Freibereichs zeichnen sich Pfotenabdrücke ab. "Vom Drogenspürhund", erläutert Anstaltsleiterin Rebecca Stange (41).

Die Räume für Familienbesuche gehören zur Justizvollzugsanstalt Dresden. Männer, die ihre Strafe verbüßen, können sich hier für maximal sechs Stunden mit Frau, Freundin und/oder den Kindern ungestört, sprich: ohne Überwachung, treffen.

Nur an wenigen Tagen im Jahr ist das Angebot "offline".

Nur Häftlinge, die sich an die Regeln halten, dürfen ihre Liebsten im Familienraum treffen

Die JVA Dresden verfügt über vier Video-, zwei Trennscheiben- und drei Familienbesuchsräume - jeweils mit getrennten Zugängen für Gefangene und Besucher.
Die JVA Dresden verfügt über vier Video-, zwei Trennscheiben- und drei Familienbesuchsräume - jeweils mit getrennten Zugängen für Gefangene und Besucher.  © Thomas Türpe
Die Sächsische Kinder- und Jugendbeauftragte Susann Rüthrich (45).
Die Sächsische Kinder- und Jugendbeauftragte Susann Rüthrich (45).  © Thomas Türpe
Susann Rüthrich und Justizstaatssekretär Mathias Weilandt (39) im Wartebereich des Besuchstrakts. Über den Monitor läuft ein Film für Kinder, der die JVA Dresden erklärt.
Susann Rüthrich und Justizstaatssekretär Mathias Weilandt (39) im Wartebereich des Besuchstrakts. Über den Monitor läuft ein Film für Kinder, der die JVA Dresden erklärt.  © Thomas Türpe
In den Familienräumen der JVA können Häftlinge mit ihren Kindern spielen. Das will aber nicht jedes Kind (und nicht jede Mutter).
In den Familienräumen der JVA können Häftlinge mit ihren Kindern spielen. Das will aber nicht jedes Kind (und nicht jede Mutter).  © dpa/Julian Stratenschulte

"Sachsen nimmt beim Strafvollzug eine Vorreiterrolle ein", sagt Justizstaatssekretär Mathias Weilandt (39).

In den Hafträumen gibt es Telefone für den Kontakt mit den Angehörigen "draußen". Für weitere "Nähe" sorgen in Dresden vier Video-, zwei Trennscheiben- und drei Familienbesuchsräume, die mit den bunten Teppichen und den farbigen Wandbildern wie Spielzimmer wirken - nur ohne Fenster. Familienzimmer wie diese gibt es in allen zehn sächsischen Gefängnissen, Räume für Familienbesuche auch in Leipzig, Waldheim und Bautzen.

Momentan sitzen 687 Gefangene in Dresden ein, immerhin acht nutzen die Räume für Familienbesuche.

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Denn die Nutzung ist an strenge Bedingungen geknüpft. Wer in U-Haft sitzt - das betrifft aktuell fast zwei Drittel der Gefangenen -, wer durch Drogen, Handys oder durch Aggression aufgefallen ist, darf hier nicht rein. "Und nicht jedes Kind wünscht den Kontakt", gibt Rebecca Stange zu bedenken.

Die staatliche Fürsorge für Kinder und Jugendliche von Gefangenen machen an der Gefängnistür nicht halt. Draußen kümmern sich Sozialdienste und Beratungsstellen. "Wir haben in Sachsen gute Konzepte", sagt die Sächsische Kinder- und Jugendbeauftragte, Susann Rüthrich (45). "Aber wir müssen vorausdenken und die Fürsorge drinnen und draußen noch weiter vernetzen", sagt sie.

Denn eins ist klar, sagt Rebecca Stange: "Kontakte bilden das stabile Gerüst, damit sich Gefangene später wieder in die Gesellschaft einfügen können."

Titelfoto: Montage: Thomas Türpe

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