Wohnraum immer knapper: Zündet Dresden jetzt den Bau-Turbo?
Dresden - Dresden will beim Wohnungsbau Tempo machen und setzt dafür auf den sogenannten Bauturbo der Bundesregierung. Nach aktueller Prognose benötigt die Stadt bis 2035 rund 21.000 neue Wohnungen, also im Schnitt etwa 1900 pro Jahr.
Flächenmangel ist dabei nicht das Problem: Die vorhandenen Bauflächen decken den Bedarf rechnerisch zu 127 Prozent ab. Gebaut wird dennoch zu wenig, weil hohe Bau- und Finanzierungskosten viele Projekte ausbremsen.
Genau hier soll der Bauturbo ansetzen. Er nutzt Änderungen im Baugesetzbuch, um Planungen und Genehmigungen deutlich zu beschleunigen, teilweise um mehrere Jahre.
Nun bereitet die Verwaltung dazu einen Grundsatzbeschluss für den Stadtrat vor. Er soll regeln, dass das Rathaus bei Projekten mit einer Fläche von bis zu einem Hektar autonom handeln darf. Größere Vorhaben sollen weiterhin der Abstimmung im Stadtrat unterliegen.
Baubürgermeister Stephan Kühn (46, Grüne) spricht von einem "Genehmigungsturbo" und betont: "Damit die Projekte auch tatsächlich umgesetzt werden, knüpfen wir die Anwendung immer daran, dass ein zeitnaher Baubeginn erfolgen muss."
Wer vom Bauturbo profitiert, soll spätestens drei Jahre nach der Genehmigung mit dem Bau beginnen
Konkret heißt das: Wer vom Bauturbo profitiert, soll spätestens drei Jahre nach der Genehmigung mit dem Bau beginnen. Bei größeren Vorhaben soll zudem ein Anteil geförderter Wohnungen gesichert werden, damit auch Haushalte mit geringerem Einkommen profitieren.
AfD-Baupolitiker Thomas Ladzinski (36) befürwortet das Instrument, sagt aber auch: "Bei Vorhaben in der Innenstadt muss der Stadtrat nach wie vor das Herz des Verfahrens bleiben, da es sich dort um einen baukulturell sehr sensiblen Bereich handelt."
SPD-Stadtrat Stefan Engel (33) erklärt: "Der Bauturbo darf kein Freifahrtschein für schlechte Baukultur sein. Wir werden uns genau anschauen, für welche Bauvorhaben die Verwaltung Befreiungen gewährt."
Titelfoto: Fotomontage/Tobias Koch
