Zweifache Olympiasiegerin Kristina Vogel klärt auf: "Ja, behinderte Menschen haben Sex!"

Erfurt - Über Menschen mit Behinderungen gibt es viele Vorteile, gegen die sie täglich kämpfen müssen. Damit gehen oft Fragen über intime Details von Fremden einher. Die zweifache Olympiasiegerin Kristina Vogel, die seit einem Unfall in 2018 querschnittsgelähmt ist, räumt in einem Podcast über Stereotype auf.

Auf Instagram bildet Kristina Vogel ihr Leben ehrlich und mit Humor ab.
Auf Instagram bildet Kristina Vogel ihr Leben ehrlich und mit Humor ab.  © @kristina.vogel/Instagram/Screenshot

Von Anfang an ging Kristina Vogel mit dem schweren Kapitel in ihrem Leben offen um und ist somit zu einem Vorbild für viele geworden.

Zuletzt klärte sie vor zwei Tagen in einer Folge des Podcasts "Hirn und Hupen" über Vorurteile von Behinderung und Sex auf, berichtete RTL.

Die zwei Hosts, Miyabi Kawai und Vreni Frost begannen das Segment "Rubbel los" mit einigen Fakten über Sex und körperliche Behinderung.

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Je nach Art der Querschnittslähmung oder Behinderung gibt es verschiedene Auswirkungen auf die sexuelle Funktionen.

"Die Lubrikation der Vagina kann ausbleiben, die Sensibilität unterhalb des Lähmungsniveaus – bei dir unterhalb des Brustwirbels – sowie die Orgasmusfähigkeit kann eingeschränkt sein, aber eine Verletzung des Rückenmarks muss keinen Einfluss auf Fruchtbarkeit und Empfängnis haben", erklärte Vreni zu Beginn der Folge und übergab damit an die ehemalige Bahnradsportlerin.

Zunächst erzählte diese über vorherrschende Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderungen. Laut Vogel wird sie oft von Menschen über ihr Sex-Leben oder ihre Fruchtbarkeit ausgefragt - überwiegend von wildfremden Leuten. Außerdem sei ihr bewusst, dass Menschen mit Behinderung oft ihre Sexualität abgesprochen werde.

"Für uns ist es immer noch ein neuer Prozess, festzustellen, was sich für uns richtig anfühlt"

Kristina Vogel und ihr Partner finden immer noch heraus, wie sie ihr Sex-Leben am besten gestalten können.
Kristina Vogel und ihr Partner finden immer noch heraus, wie sie ihr Sex-Leben am besten gestalten können.  © @kristina.vogel/Instagram/Screenshot

Vogel berichtete, sie fühle sich nun endlich bereit, über intimere Details ihres Lebens zu erzählen, um Vorurteile auszuräumen.

Für die Olympiasiegerin war es ein langer, harter Weg nach ihrem Unfall zurück zu ihrer Sexualität zu finden. "Es hat schon gedauert, weil es ganz anders ist", erzählte sie.

Mit einigen Veränderungen musste sie sich auch einfach anfreunden, zum Beispiel, dass sie keinen Orgasmus wie früher mehr erleben würde.

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Dennoch kann sie aber Lust und Befriedigung aus ihrem Liebes-Akt ziehen. "Man denkt beim Orgasmus immer an dieses große Feuerwerk und das ist es nicht mehr", stellte sie fest. "Aber Sex ist ja mehr als der Orgasmus."

Außerdem sei sie jetzt beim Sex stark auf ihren Partner angewiesen, was für sie anfangs schwer zu akzeptieren war.

"Oben liegen, bestimmte Hüftbewegungen und nach oben und unten springen, geht jetzt halt nicht mehr", erklärte sie lachend.

"In der Situation will man ja schon anziehend und sexy wirken und dann hat man Angst, dass dieses 'Ich brauche jetzt Hilfe, weil ich mein Bein darüber schwingen muss', dass das vielleicht blöd rüberkommt, zu hilfsbedürftig und daher nicht mehr sexy wirkt."

Dafür sind aber auch Dinge dazugekommen: Sie und ihr Partner kommunizieren jetzt mehr über ihr gemeinsames Sexual-Leben als je zuvor. "Für uns ist es immer noch ein neuer Prozess, festzustellen, was sich für uns richtig anfühlt."

Titelfoto: @kristina.vogel/Instagram/Screenshot

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