Fütterverbot und Taubenschläge: Hessens Städte suchen Lösung für Tauben-Problem

Frankfurt am Main/Darmstadt/Fulda - Tauben sind ein typisches Reizthema. Die einen lieben sie, die anderen machen sie für verdreckte Innenstädte verantwortlich. Passanten tragen oft unbewusst zum Leid der Tiere bei.

An Tauben scheiden sich die Geister. Um die Menge in den Innenstädten unter Kontrolle zu halten, sind einige Maßnahmen notwendig.
An Tauben scheiden sich die Geister. Um die Menge in den Innenstädten unter Kontrolle zu halten, sind einige Maßnahmen notwendig.  © Arne Dedert/dpa

Denn bei Stadttauben verschlimmert falsch verstandene Tierliebe nach Ansicht eines Naturschutzexperten oft die Situation der Tiere.

Taubenschläge seien eine Möglichkeit, um dem Problem entgegenzuwirken, sagte Bernd Petri, Ornithologe und stellvertretender Landesvorsitzender des NABU Hessen, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Aber auch das ist nicht so einfach.

Kernproblem sei, dass die Tiere in Städten aufgrund von Müll, vor allem aber auch durch nicht artgerechte Fütterung durch Passanten zu viele Nahrungsquellen vorfinden.

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"Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass den Tauben durch Füttern nicht geholfen wird", sagte Petri. Das Füttern trage eher zu einer "Verslumung" der Tiere bei. Je mehr Futterquellen es gebe, desto mehr Brutplätze entstünden auch.

An Orten, an denen gebrütet wird, sei dann auch die Verschmutzung durch Kot deutlich schlimmer.

Taubenschläge können dem Problem entgegenwirken

Gudrun Stürmer, Vorsitzende des Stadttaubenprojekts, steht im Taubenhaus, das sich auf Dach des Gerichts-Parkhauses im Frankfurter Gerichtsviertel befindet.
Gudrun Stürmer, Vorsitzende des Stadttaubenprojekts, steht im Taubenhaus, das sich auf Dach des Gerichts-Parkhauses im Frankfurter Gerichtsviertel befindet.  © Arne Dedert/dpa

Taubenschläge, in denen die Tauben artgerecht gefüttert und deren Eier gegen Attrappen getauscht werden, seien eine Möglichkeit, um dem Problem entgegenzuwirken.

Dafür müssten diese allerdings perfekt betreut werden, was zum einen mit hohen Kosten und zum anderen mit hohem Personalaufwand verbunden sei. "Gleichzeitig muss gewährleistet werden, dass in Städten und Parks nicht aktiv durch Passanten gefüttert wird", sagte Petri.

Schwierig ist die Situation aktuell in Frankfurt. Dort waren Taubenschützer Ende letzten Jahres in Aufruhr geraten, weil zwei Taubenschläge abgebaut werden sollen - die Eigentümer der Liegenschaften hatten dem Frankfurter Stadttaubenprojekt gekündigt.

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Dadurch seien auf einen Schlag gut 600 Tiere mehr in der Innenstadt, erklärt Gudrun Stürmer, Vorsitzende des Stadttaubenprojekts.

"Mit dem Abbau der Taubenschläge ist niemandem geholfen", sagte Stürmer. Gemeinsam mit der Stadt Frankfurt sucht das Stadttaubenprojekt aktuell noch nach Alternativstandorten.

Die Bürger sollten aufgeklärt werden, die Tauben nicht zu füttern

Passanten, die die Tauben füttern, tragen unbewusst zum Problem bei.
Passanten, die die Tauben füttern, tragen unbewusst zum Problem bei.  © Arne Dedert/dpa

In Darmstadt gibt es derzeit drei Taubenschläge. Ein neuer wird nach Angaben der Stadt zeitnah in Betrieb genommen, weitere sind geplant. Ohne das Tauschen der Eier würde die Anzahl der Tauben stetig steigen, erklärte das Darmstädter Umweltdezernat. In großen Teilen der Bevölkerung stoße das Konzept auf Akzeptanz.

Auch in Fulda ist die Situation der Stadttauben nach Angaben dortiger Tierschützer prekär.

Es gibt in Fulda zwar einen betreuten Taubenschlag, allerdings sei dieser außerhalb der Innenstadt und damit auch außerhalb des tatsächlichen Lebensraums der Tiere gebaut worden, erklärte ein Vertreter eines Tierschutzvereins aus Fulda. Der eigentliche Zweck des Schlags werde demnach nicht erfüllt.

Nach Petris Einschätzung müssen Bürger mehr darüber aufgeklärt werden, die Tauben nicht aus falsch verstandener Tierliebe heraus zu füttern: "Eine gesunde Distanz der Lebensräume von Mensch und Tier ist für beide Seiten viel förderlicher".

Titelfoto: Arne Dedert/dpa

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