Nach Brokstedt: So viele auffällige Häftlinge hat die Hamburger Justiz im Fokus

Hamburg/Brokstedt - Nach dem tödlichen Messerangriff von Brokstedt versprach Hamburgs Justizsenatorin Anna Gallina (39, Grüne) Sofortmaßnahmen. Das ist aus dem Versprechen rund zwei Monate nach der Tat geworden.

Hamburgs Justizsenatorin Anna Gallina (39, Grüne) bei einer Sitzung des Justizausschusses in der hamburgischen Bürgerschaft zum Fall Ibrahim A.
Hamburgs Justizsenatorin Anna Gallina (39, Grüne) bei einer Sitzung des Justizausschusses in der hamburgischen Bürgerschaft zum Fall Ibrahim A.  © Georg Wnedt/dpa

Am 25. Januar 2023 soll der staatenlose Palästinenser Ibrahim A. (33) im Regionalzug auf der Fahrt von Kiel nach Hamburg zwei jugendliche Fahrgäste mit einem Messer getötet und fünf weitere schwer verletzt haben.

A. war den Behörden zuvor schon als physisch auffällig und Drogenkonsument bekannt und verbüßte bis saß bis wenige Tage vor der Tat wegen anderer Vergehen in Hamburger Untersuchungshaft. Nur sechs Tage nach seiner Entlassung soll A. den Messerangriff begangen haben.

Die Hamburger Justizsenatorin und der Innensenator Andy Grote (54, SPD) kündigten daraufhin ein Sofortmaßnahmenpaket an, am Donnerstag ließ Gallina verlauten, man habe sich "sofort an die Arbeit gemacht."

Nach Brokstedt: So viele Häftlinge wurden in Hamburg überprüft

Blick auf den Eingang der Justizvollzugsanstalt Hamburg Billwerder. Hier saß Ibrahim A. (33) bis wenige Tage vor der ihm zur Last gelegten Tat in Brokstedt wegen eines anderen Vergehens in U-Haft.
Blick auf den Eingang der Justizvollzugsanstalt Hamburg Billwerder. Hier saß Ibrahim A. (33) bis wenige Tage vor der ihm zur Last gelegten Tat in Brokstedt wegen eines anderen Vergehens in U-Haft.  © Markus Scholz/dpa

Insgesamt habe man sich seitdem 168 psychisch auffällige, sich aggressiv verhaltende oder drogenabhängige Häftlinge angeschaut. 19 von diesen werde man in sogenannten Fallkonferenzen thematisieren, berichtete der NDR.

Allerdings könne, stellte Gallina klar, Hilfe nur angeboten, das Annehmen dieser nicht erzwungen werden. Denn bei den Häftlingen handelt es sich allesamt um Insassen der Untersuchungshaft und diese gelten bis zur Verurteilung als unschuldig.

Ziel der Hilfen sei es, dass die Häftlinge nach ihrer Entlassung nicht vom Bildschirm verschwinden könnten, wie es bei Ibrahim A. der Fall war. Gallina und ihre Behörde wollen den Entlassenen dafür sogenannte Übergangscoaches zur Seite stellen.

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Auf der Justizministerkonferenz im Mai wolle sich Gallina außerdem für eine bessere bundesweite Kommunikation zwischen einzelner Behörden und einen besseren Umgang mit U-Häftlingen, die psychisch auffällig sind, einsetzen.

Titelfoto: Georg Wendt/dpa

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