Die Modedesigner von morgen? Studierende geben Einblick in Abschlusskollektion

Hamburg - Sind sie die Designer von morgen? Die Modedesign-Studierenden der "macromedia university of applied sciences" Hamburg müssen für ihren Bachelor-Abschluss eine Kollektion präsentieren. Die Linien greifen Themen wie Queerness, "Female Gaze", Social Media und Algorithmen auf. TAG24 hat vier Absolventen bei den Vorbereitungen auf die große Modenschau getroffen.

Alexander Ilenser (21, v.l.), Laurin Werwinski (24), Laura-Marie Mey (22) und Hennes Renger (21) haben ihren Bachelor in Modedesign an der "macromedia university of applied sciences" in Hamburg gemacht.  © Alice Nägle/TAG24

Das Thermometer zeigte rund 30 Grad an. Zum Glück war das Atelier der privaten Hochschule mitten in der Hamburger Innenstadt mit Ventilatoren ausgerüstet. Überall lagen Stoffe, Scheren, Schnittmuster und Tablets auf großen Werktischen. Die Büsten waren schon eingekleidet in die Stücke, die für den Bachelor-Abschluss auf dem Laufsteg präsentiert werden sollen.

Laura-Marie Mey (22), Hennes Renger (21), Laurin Werwinski (24) und Alexander Ilenser (21) waren in den letzten Zügen ihrer Kollektion. Gegenüber TAG24 präsentierten sie ihre Ideen und erklärten die Intention hinter ihren Fashion-Pieces.

Laura habe zunächst die Farben ausgesucht, wie sie erzählte. "Zum Anfang des Semesters hatte ich nicht so wirklich eine Idee, was ich machen könnte und war ein bisschen überfordert mit der Aufgabenstellung", gab sie zu. Dann habe sie sich schnell für Blau - ihre Lieblingsfarbe - entschieden und einen starken Kontrast gewählt: Gelb.

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Die Schnitte ihrer Teile sollen die Message hinter ihrer Kollektion transportieren. Sie beschäftigte sich mit dem Frauenbild der Gesellschaft. Die Frau werde in der Mode meistens über die Hüfte oder an der Taille definiert. "Das sind die typischen Körperbilder, die wir haben. Und in meiner Kollektion möchte ich den Spieß einmal umdrehen und die Frau quasi in eher männliche Kleidung stecken."

Das bedeute, die klassischen Silhouetten der Frau sollen eher untergehen. Die Männer hingegen sollen sehr kurze Shorts tragen, um ebenfalls etwas zu präsentieren, was in der Gesellschaft aktuell nicht der Norm entspricht.

Die Nachwuchsdesignerin wünscht sich deshalb zukünftig auch mehr Transparenz beim Thema Männer- und Frauenklamotten. "Ich will mit meiner Mode versuchen, den Fokus auf die Persönlichkeit zu legen, anstatt auf das Geschlecht." Dafür habe sie sich auch Inspiration bei Dragqueens geholt, erzählte die 22-Jährige.

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Modedesign-Studentin Laura-Marie Mey will mit ihren Kreationen das klassische Frauen- und Männerbild in der Fashionindustrie aufbrechen.  © Bildmontage: Clara Conrad/Sascha Wysk

Wie blickt ein Kind auf die queere Welt?

Hennes präsentiert mit seiner Kollektion die queere Welt aus Sicht von Kindern.  © Bildmontage: Alice Nägle/TAG24, Victoria Schütze

Auch Hennes beschäftigte sich bei der Entwicklung seiner Abschlusskollektion mit "Mode jenseits binärer Geschlechtercodes", wie er gegenüber TAG24 erklärte.

Seine Kollektion präsentiert "die queere Welt aus der Sicht der Kinder". Überraschend bei seiner Recherche sei gewesen, dass die Einordnung in das typische Körperbild von Mann und Frau offenbar schon viel früher beginnt, als erwartet.

"Meine kleine Cousine hat zum Beispiel ein blondes Mädchen im Kleid gemalt." Jüngere Kinder hätten teilweise aber weniger Stereotype bedient, so der Student. "Da erkennt man gar nichts. Also da merkt man wirklich, dass die einfach ganz frei drauflos gemalt haben."

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Nach seinem Bachelorstudium würde der 22-Jährige gerne einen Master in Italien machen.

Auch sein Kommilitone Laurin kann sich ein Praktikum oder weiteres Studium im Ausland vorstellen, nachdem er seinen Bachelor erfolgreich abgeschlossen hat. Er präsentierte mit seiner Abschlusskollektion "Another Lens" eine andere Sicht auf Mode.

"Sie untersucht den weiblichen Blick in der Modefotografie", erklärte er. Mit seinen Stücken will er "über 'Female Gaze' informieren". Mit einer Portion Humor will der 24-Jährige versuchen, neue Narrative in der Bildwelt und in der Modefotografie zu bedienen.

Auch er setzte bei seinen Stücken deshalb auf die Betonung der Beine oder Knie und nicht wie in der Industrie auf Hüfte oder Brust.

Laurin orientiert sich für seine Looks an Silhouetten von Tassen und Karaffen - an allem, was mit Geschirr zu tun habe.  © Alice Nägle/TAG24

Social-Media-Trend Hyperpop als Grundlage für die Abschlusskollektion

Alexander (M.) lehnt seine Kollektion an das Social-Media-Phänomen des Hyperpop an.  © Bildmontage: Alice Nägle/TAG24, Sascha Wysk

Alexander hingegen beschäftigte sich in seiner Kollektion weniger mit dem typischen Bild von Frau und Mann und mehr mit aktuellen Social-Media-Trends.

Die Kollektion des Hamburgers trägt den Titel "Internet Kid" und ist angelehnt an Hyperpop - ein exzentrisches Musikgenre und eine Internet-Bewegung aus den frühen 2010er-Jahren.

"Ich nutze alle Stilelemente, die Hyperpop in der Musik nutzt und wandle die in Mode um, wie 'Dekonstruktion', 'Hochpitchen', extreme Farben", erklärte der 21-Jährige im Gespräch. Dabei habe er sich außerdem intensiv mit Algorithmen beschäftigt.

"Ich habe mich an Instagram, Pinterest und TikTok orientiert und auf diese Algorithmen bezogen", so Alexander.

Das Genre sei schließlich in der Corona-Zeit groß geworden und es habe zu der Zeit keine andere Möglichkeit gegeben, es künstlerisch zu verbreiten -außer eben über das Internet. "Es gab keine Kunstausstellungen, Konzerte, Festivals. Man hatte nur eine Möglichkeit, sich zu präsentieren und das war Social Media. [...] Deswegen ist dieses Genre für mich ein Kind des Internets."

Nach seinem Bachelor macht der Nachwuchsdesigner ein Praktikum an der Oper Leipzig. Neben der Gründung eines eigenen Labels könne er sich auch vorstellen, eigenständig im Bereich des Kostüms zu arbeiten.

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