Schneechaos im Norden: Irre Rettungsaktion sorgt für Begeisterung
Hamburg - Der Wintereinbruch sorgt für Chaos in Hamburg und dem Umland! Schnee und Glätte haben zahlreiche Unfälle und Straßensperrungen verursacht. Seit Samstagabend stehen die Züge des Regionalbahnunternehmens Metronom still, auch zahlreiche Buslinien pausieren.
Wer zu Hause bleiben kann, der sollte das auch machen. Denn nicht nur zahlreiche Autofahrer geraten bei den Witterungsverhältnissen ins Schlingern.
Auch der öffentliche Personennahverkehr geht in die Knie.
TAG24 berichtet im Liveticker über die Lage.
5. Januar, 11.20 Uhr: 38 Unfälle auf der A1
Auf der A1 ist es von Freitag bis Sonntagmittag zu insgesamt 38 Unfällen gekommen. Wie die Polizei mitteilte, war vor allem winterliche Glätte der Hauptgrund.
Laut einem Sprecher kam es in zwei Fällen zu einem unerlaubten Entfernen vom Unfallort durch die Verursacher. Bei drei Zusammenstoßen wurde jeweils eine Person leicht verletzt.
In einem Fall stellten die Beamten fest, dass einer der Fahrer keinen Führerschein hatte. Zudem befanden sich in dem Auto sieben Personen, dabei waren lediglich fünf zugelassen.
Während der zahlreichen Unfälle musste die A1 hin und wieder komplett oder teilweise gesperrt werden. Es kam zu erheblichen Verkehrsbehinderungen und Staus.
Die Polizei schätzt den Gesamtschaden in diesem Zeitraum auf einen sechsstelligen Bereich.
5. Januar, 11 Uhr: Irre Rettungsaktion sorgt für Begeisterung im Netz
Ein Geländewagen, der ganz allein einen Gelenkbus aus dem Schnee zieht? Kaum zu glauben, dachte sich auch Hochbahn-Sprecher Andreas Ernst, der ebenfalls darüber gestolpert war.
Doch das Video, das bei Instagram gerade viral geht, ist tatsächlich echt. TAG24 hat mit dem Fahrer des Land Rover Defender gesprochen, der am Samstagabend zum Helden wurde.
Auf dem Heimweg nach Hamburg-Eppendorf habe Victor-Paolo Brenninkmeyer (29) den Bus in misslicher Lage entdeckt. Das Fahrzeug steckte im Kreisverkehr der Heilwigstraße fest, kam weder vor noch zurück. Und das seit einer geraumen Stunde, ohne Aussicht auf zeitnahe Unterstützung.
Brenninkmeyer kommt selbst aus der Offroad-Reisebranche und wusste, was er tat. Der 29-Jährige nahm den Bus kurzerhand an den Haken und schleppte das Fahrzeug auf sicheres Terrain. Nach zwanzig Minuten war die Aktion vorbei. "Der Busfahrer war erst nervös, hat dann aber einen Riesen Freudensprung gemacht", erzählt der Offroad-Experte.
Er hofft, dass sein Video ein kleiner Denkanstoß für die Gesellschaft wird. "Man sollte mehr miteinander machen und nicht immer nur Gegeneinander. Viele kommentieren, dass sie mit ihrem Kind feststeckten und alle einfach weitergegangen sind. Einfach mal nach links und rechts gucken und als Team zusammenarbeiten. Das wäre einfach schön", so Brenninkmeyer.
Geländewagen schleppt Gelenkbus aus misslicher Lage
5. Januar, 9.55 Uhr: Störungen bei der S-Bahn
Der Wintereinbruch bringt auch weiterhin den S-Bahnverkehr in Hamburg durcheinander. Wie auf der Internetseite zu sehen ist, gibt es Änderungen in den Linienverläufen sowie Ausfälle.
Die S1 fährt derzeit zwischen Wedel und Airport sowie zwischen Othmarschen und Poppenbüttel alle 10 Minuten. Allerdings werden die Züge in Ohlsdorf nicht geteilt, sondern fahren abwechselnd zum Flughafen oder nach Poppenbüttel.
Die S2 fällt aktuell hingegen aus. Die S3 wird aus Richtung Innenstadt nach Elbgaustraße / Pinneberg über Dammtor, Sternschanze und Holstenstraße umgeleitet. Der Halt am Bahnhof Altona entfällt.
Die S5 fährt weiterhin nur zwischen Neugraben und Stade. Reisenden sollen als Alternative zwischen Neugraben und Elbgaustraße die S3 nutzen.
Die S7 verkehrt zwischen Altona und Bergedorf alle zehn Minuten, zwischen Bergedorf und Aumühle alle 20 Minuten.
5. Januar, 8.40 Uhr: Feuerwehr mit besonderer Aktion
Die Freiwillige Feuerwehr hat in Finkenwerder am Sonntagnachmittag für leuchtende Kinderaugen gesorgt. Die Deiche am Aue-Hauptdeich waren stark eingeschneit und wurden von den Menschen als Schlittenpiste genutzt.
Aufgrund der frühen Dunkelheit entschied sich die Feuerwehr, spontan eine Übung durchzuführen. Dafür wurden zahlreiche Scheinwerfer Deich aufgestellt. So konnten die Besucher auch noch nach Sonnenuntergang sicher weiter rodeln.
Die Aktion kam bei den Menschen gut an. Knapp 100 Personen sausten mit ihren Schlitten noch den Deich herunter.
5. Januar, 8.20 Uhr: Winterdienst wieder im Einsatz
Der Winterdienst ist wie schon in den vergangenen Nächten wieder im Dauereinsatz. Seit Mitternacht räumen und streuen mehr als 700 Einsatzkräfte und rund 360 Fahrzeuge die wichtigen Verkehrsadern und Strecken mit Buslinienverkehr, Verbindungsstrecken zwischen diesen Straßen, ein ausgewähltes Radwegenetz, Busbuchten, anliegerfreie Gehwegstrecken, Bushaltestellen und Fußgängerüberwege.
Aufgrund der Temperaturen und der vorhandenen nassen Schneedecke wird vor überfrierender Glätte gewarnt. Trotz des Einsatzes des Winterdienstes kann es weiterhin glatt sein.
Update 19.45 Uhr: Über 650 Einsätze für Feuerwehr und Rettungsdienst in Hamburg
Das Winterwetter hat am Wochenende in Hamburg für hunderte Einsätze bei der Feuerwehr und dem Rettungsdienst gesorgt.
In über 550 Einsätzen war die Feuerwehr Hamburg aufgrund des plötzlichen Wintereinbruchs unterwegs, dabei leisteten sie meistens technische Hilfe.
Am häufigsten waren laut Angaben der Feuerwehr Anrufe eingegangen, die meldeten, dass Äste oder Baumteile durch die Schneelast gefährlich tief hingen oder bereits herabgestürzt waren.
Zusätzlich half die Hamburger Feuerwehr bei Glätteunfällen: Busse des Nahverkehrs standen quer auf der Straße oder rutschten von der Fahrbahn. Auch mehrere Lastwagen kamen wegen der Glätte die Köhlbrandbrücke nicht hinauf und versperrten so die Brücke für den restlichen Verkehr. Ebenso rutschten Streufahrzeuge von den Straßen ab.
Dazu kamen über 100 Einsätze für den Rettungsdienst, die mit den winterlichen Bedingungen zu tun hatten.
Update 18.25 Uhr: Schnee und Eis sorgt für Verspätungen und Ausfälle im Bahnverkehr in Hamburg und Schleswig-Holstein
Die Deutsche Bahn teilt auf ihrer Website mit, dass es wegen des Winterwetters zu Ausfällen, Teilausfällen und Verspätungen im Fern- und Regionalverkehr kommen kann.
Betroffen sind folgende Fernverkehrszüge:- Einzelne ICE-Züge der Verbindung: Hamburg - Berlin
- Einzelne ICE-Züge der Verbindung: Köln-Hannover-Berlin
- ICE-Züge der Verbindung Oldenburg (Oldb) - Bremen - Hannover - Kassel-Wilhemshöhe - Frankfurt (M) - Karlsruhe
Im Regionalverkehr soll es voraussichtlich bis zum 7. Januar zu Verspätungen und (Teil-)Ausfällen kommen, so die DB. Als Grund gibt die Deutsche Bahn neben Eis und Schnee, zudem vereiste Fahrzeuge an, weswegen sie mit eingeschränkter Kapazität fahren würden.
Betroffene Linien im Regionalverkehr sind:
- RE 6 (Westerland (Sylt) - Hamburg-Altona): Hier kommt es zu großen Verspätungen und Zugausfällen.
- RB 81 (Bad Oldesloe – Hamburg Hbf): Aktuell kommt es zu Verspätungen und Zugausfällen in beiden Richtungen. Außerdem fahren weniger Züge auf der Strecke.
- RE 7/RE 70 (Flensburg/Kiel Hbf – Hamburg Hbf): Auf dieser Strecke kommt es aktuell zu großen Verspätungen und Zugausfällen. Zusätzlich sorgen weniger Züge zwischen Hamburg Hbf und Kiel Hbf für Beeinträchtigungen. Reisende, die von Flensburg nach Hamburg wollen, müssen in Neumünster umsteigen. Von Hamburg nach Flensburg sollen Bahnreisende den Zug nach Kiel nutzen und ebenfalls in Neumünster umsteigen, um nach Flensburg zu kommen.
- RE 8 (Lübeck Hbf – Hamburg Hbf): Auch auf dieser Strecke kommt es zu Verspätungen und Zugausfällen in beiden Richtungen. Die Anzahl der Züge ist auch auf dieser Strecke verringert.
- RE 80 (Lübeck Hbf – Ahrensburg – Hamburg Hbf): Hier kommt es zu großen Verspätungen und Zugausfällen.
Bahnreisende werden gebeten, sich vor Reiseantritt auf der Website der DB, über die App oder telefonisch über ihre Zugverbindung zu informieren.
Update 15.50 Uhr: Krankenwagen bleibt bei Rettung von Verletztem selbst im Schnee stecken
Ein Mann verletzte sich beim Schlittenfahren in der Fischbeker Heide. Die Rettungsaktion gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht.
Wie ein Sprecher des Lagedienstes der Feuerwehr Hamburg auf Anfragen von TAG24 bestätigte, war ein Mann gestürzt und verletzte sich dabei.
Aufgrund der Gegebenheiten vor Ort kam neben einem Krankenwagen zusätzlich ein Löschfahrzeug mit einer Tragehilfe zum Einsatz, um den Verletzten in den Rettungswagen zu befördern.
Beim Verlassen des Unfallorts trat jedoch ein Problem auf. Der Rettungswagen kam den vereisten Anstieg nicht wieder hoch, woraufhin ein mittelgroßer Rüstwagen gerufen wurde, so der Feuerwehrsprecher.
Dieser kam vor Ort letztendlich doch nicht zum Einsatz. Laut Angaben des Reporters vor Ort halfen Passanten dabei, den Rettungswagen wieder auf die Straße zu bringen.
Der Verletzte wurde in ein Krankenhaus gebracht. Die Rettungskräfte waren laut Angaben der Feuerwehr ungefähr eine Stunde im Einsatz.
Update 11.48 Uhr: Deutscher Wetterdienst warnt vor reichlich Neuschnee
Über Hamburg und Schleswig-Holstein hängt weiterhin ein umfangreiches Tief, das noch mehr Schnee bringt. Am Sonntag soll noch ein Zentimeter dazu kommen, gebietsweise fünf Zentimeter, so der Deutsche Wetterdienst (DWD).
In der Nacht zu Montag soll es an der Nordsee und gebietsweise zu Schneefall mit Mengen bis zehn Zentimeter, lokal sogar 15 Zentimeter innerhalb weniger Stunden kommen. Diese Menge stuft der DWD als Unwetter ein.
Auch am Montag soll es weiter schneien. Zum Wochenstart werden Neuschneemengen von fünf Zentimetern, lokal bis zu zehn Zentimeter erwartet.
Update, 11 Uhr: Knapp 100 Unfälle in Bremen
In Bremen hat der Wintereinbruch ebenfalls zugeschlagen. Seit Einsetzen des Schneefalls am Freitagabend zählte die Polizei laut Mitteilung knapp 100 Verkehrsunfälle.
Dabei sei es hauptsächlich zu Blechschäden gekommen, größere Unfälle blieben aus.
Update, 10.13 Uhr: 90 Glätteunfälle in Schleswig-Holstein
Auch im hohen Norden kam es aufgrund der Glätte in der Nacht zu Sonntag zu zahlreichen Unfällen.
Gegenüber der Deutschen Presseagentur gaben die Polizeileitstellen an, dass landesweit 90 Glätteunfälle gemeldet wurden. Glücklicherweise habe es in den meisten Fällen lediglich Blechschäden gegeben. Verletzt wurde kaum jemand.
Auf der A1 zwischen den Anschlussstellen Bad Oldesloe und Bargteheide kam zudem ein Lastwagen ins Rutschen, blieb stehen und blockierte den mittleren und den rechten Fahrstreifen. Die A1 musste in diesem Bereich von 2 Uhr bis 4 Uhr im Rahmen der Bergungsarbeiten gesperrt werden.
Auf der A7 in Richtung Norden kam es zu einem Unfall mit drei beteiligten Fahrzeugen. Ein Autofahrer war nach ersten Erkenntnissen der Polizei auf Höhe Schuby zu schnell unterwegs, rutschte aufgrund von Glätte in die Leitplanke und räumte anschließend zwei weitere Wagen ab. Dabei wurde ein Mensch leicht verletzt.
Update, 9.08 Uhr: Winterdienst seit dem frühen Morgen im Einsatz
Der Winterdienst ist seit 4 Uhr mit 728 Einsatzkräften und rund 360 Fahrzeugen im Volleinsatz, teilte die Stadtreinigung Hamburg mit.
"Notwendig ist der umfangreiche Einsatz aufgrund von überfrierender Nässe, einer vorhandenen nassen Schneedecke sowie des in den Morgenstunden noch zu erwartenden neuen Niederschlags", teilte die Stadtreinigung mit.
Trotz des umfangreichen Einsatzes herrsche weiterhin Glättegefahr.
Update 9.07 Uhr: Zahlreiche Linien des HVV fallen aus
Auch der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) weist auf TAG24-Nachfrage daraufhin, dass zahlreiche Linien eingestellt sind und es zu Umleitungen und Haltestellenverlegungen kommt.
Die Linien 6191, 188, 488, 135, 6104, 6102 und 6101 fallen komplett aus.
Das Unternehmen bitten darum, Abfahrtszeiten im Vorfeld zu prüfen.
Update, 9.05 Uhr: VHH muss Betrieb einstellen
Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH musste den Betrieb am Samstagabend komplett einstellen.
Immerhin konnte der reguläre Betrieb im Gesamtnetz Am Sonntag gegen 4 Uhr wieder aufgenommen werden. "Ausfälle sowie Umleitungen aufgrund von Straßenglätte sind aber weiterhin möglich", so eine Sprecherin gegenüber TAG24.
Update 9.04 Uhr: Züge der Nordbahn stehen still
Die Nordbahn hat die Linien RB60 (Itzehoe - Hamburg Altona), RB61 (Itzehoe - Hamburg Hauptbahnhof) und RB71 (Wirst - Hamburg Hauptbahnhof) komplett eingestellt.
Update, 9.02 Uhr: Einfrierende Weichen stoppen Metronom-Züge
Die Züge des Regionalbahnunternehmens Metronom konnten in der Nacht zu Sonntag nicht mehr fahren.
"Angesichts der aktuellen Witterung stoßen die Systeme an den Schienenstrecken an ihre technischen Grenzen: Es kommt auf allen Strecken zu Zugausfällen und hohen Verspätungen", heißt es auf der Website.
Als Grund nennt das Unternehmen insbesondere einfrierende Weichen, die von Mitarbeitern der Deutschen Bahn per Hand vom Schnee befreit werden müssen.
Titelfoto: privat