Mit Weihrauch, KI-Pop und Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies: Theater bringt das "Timmy"-Drama auf die Bühne
Hamburg - Das Drama um Buckelwal "Timmy" hat hohe Wellen geschlagen und landet rund zwei Monate nach dem Tod des Tieres auf der Bühne des Ernst-Deutsch-Theaters in Hamburg.
Eine imposante Rettungsaktion in Niendorf, Streit zwischen den Rettern, die erneute Strandung in der Bucht vor Wismar, der Transport in die Nordsee - was zwischen März und Mai an der deutschen Ostseeküste rund um den Wal geschah, kann man durchaus als filmreif bezeichnen.
Es fehlte wohl nur das Happy End. Nichtsdestotrotz schafft es der wahlweise als "Timmy" oder "Hope" bezeichnete Buckelwal am 11. Juli 2026 auf die Bühne. Oder treffender: alles, was drum herum entstanden ist.
"In 'Die Hope stirbt zuletzt' wird ein Ausnahmezustand zum Ausgangspunkt einer wilden Mischung aus Performance, Konzert, Messe und öffentlicher Selbstbefragung" heißt es auf der Website des Theaters.
Der erste Teil des Programms: Passion Timmy. "Zwischen Weihrauch, KI-Pop, dokumentarischen O-Tönen und religiösen Ritualen erzählt der Abend die Geschichte des Buckelwals Timmy als moderne Passionsgeschichte und hinterfragt dabei unsere Sehnsucht nach Bedeutung in einer überreizten Gegenwart", so die Beschreibung.
"Es ist schon ein künstlerischer Kommentar auf all das, was da abging", erklärt Theaterregisseur Alexander Klessinger im Gespräch mit TAG24.
Das Stück beschäftigt sich mit der Sehnsucht nach Bedeutung
Es gehe überhaupt nicht darum, sich über den Wal lustig zu machen. "Das Thema hat viele Menschen sehr, sehr berührt und beschäftigt. Und zum Teil aber ja auch auf sehr skurrile Art", so Klessinger.
Auf satirische Art würden auf der Bühne Antworten auf die Fragen gesucht, "was da eigentlich abgegangen ist und warum haben wir all das in den Wal projiziert", erklärt der Künstler.
Bei der Sehnsucht nach Bedeutung wird es unter anderem die Medien, Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (67, SPD) und YouTuber Robert Marc Lehmann (43) treffen.
"Wo man jetzt im Nachhinein wahrscheinlich sagen kann: Na ja, der wollte vor allem seine Doku verkaufen und seine Klicks vertausendfachen. Und das Gleiche kann man ja über verschiedene Akteure sagen, die da stattgefunden haben", sagte Klessinger.
Einen ernsteren Teil wird es mit dem Talk mit der an der Rettung beteiligten Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies auch geben. Hier soll es um das Thema Tierwohl gehen.
Berliner Band Tulpe tritt auf
Den Abschluss bildet ein Auftritt der Band Tulpe, die mit dem Song "Sprengt den Wal" zeitweise Platz 1 der deutschen Spotify-Charts erreichte.
"Wir freuen uns riesig, dass sie zugesagt haben. Weil die Klicks gelandet, aber auch wahnsinnige Anfeindungen bekommen haben. Und damit sind wir quasi ja auch schon in dem Thema. Da gibt es eine Band, die schreibt einen satirischen Song und dann kriegen sie Drohungen und Anfeindungen. Das ist schon sehr bezeichnend für unsere Zeit", meint der Regisseur.
Der Eintritt kostet 20 Euro, Tickets gibt es unter ernst-deutsch-theater.de.
Titelfoto: Philip Dulian/dpa

