Pflegestellen am Limit: Zahl der Tauben-Notfälle weiter gestiegen, "Belastung kaum noch leistbar"
Hamburg - Die Zahl der Tauben-Notfälle ist 2025 in Hamburg auf fast 2500 Fälle gestiegen. Das geht aus der aktuellen Notfallstatistik des Vereins "Gandolfs Taubenfreunde Hamburg" hervor, die nun zum fünften Mal in Folge veröffentlicht wurde und unter anderem die Verantwortlichen der Stadt endlich zum Handeln bewegen soll.
Die Statistik dokumentiert nicht nur einen kontinuierlichen Anstieg der gemeldeten Notfälle, sondern auch die wachsende Belastung der ehrenamtlichen Helfenden.
"Unsere Pflegestellen sind seit Monaten dauerhaft überlastet", betont Eileen Jörs, Vorsitzende des Vereins. "Ohne strukturelle Lösungen ist diese Belastung kaum noch leistbar."
Besonders problematisch sei die Situation bei Zier- und Brieftauben. "Fakt ist, dass die Stadt Hamburg hier ihrer Verpflichtung aus dem Fundtierrecht [...] derzeit nicht nachkommt", so Jörs.
Diese Tiere gelten rechtlich als Haustiere, für deren Versorgung das Fundtierrecht greift. Das zuständige Tierheim in der Süderstraße hatte zuletzt jedoch einen Aufnahmestopp für Hausgeflügel verhängt.
In der Praxis würden die Tiere daher oft bei der Stadttaubenhilfe landen und dringend benötigte Pflegeplätze belegen.
Dennis Sulzmann, Pressesprecher der Behörde für Justiz und Verbraucherschutz, dazu gegenüber TAG24: "Nach hiesigem Kenntnisstand sind die auf dem Stadtgebiet der Freien und Hansestadt Hamburg frei anzutreffenden Tauben keine gehaltenen Tiere. Da die Stadttauben weder dem Naturschutz- noch dem Fundrecht unterliegen, besteht keine direkte staatliche Zuständigkeit."
Hamburg: Stadttauben werden Opfer von gezielten Tötungen
Zusätzlich zum Anstieg der Notfälle verzeichnete der Verein im vergangenen Jahr mehrere Fälle von massiver Gewalt gegen Stadttauben, unter anderem am Steindamm, wo über mehrere Tage gezielte Tötungen stattfanden.
Auch die Zahl stark geschwächter Tiere nehme zu. Ob dies auf eine tatsächliche Verschlechterung des Gesundheitszustands oder auf eine höhere Sensibilisierung der Bevölkerung zurückzuführen ist, spielt laut Jörs nur eine untergeordnete Rolle: "Der Hilfebedarf steigt kontinuierlich."
Der Verein appelliert an die zuständigen Behörden, endlich klare Strukturen und Lösungen für die Versorgung verletzter, kranker oder hilfsbedürftiger Stadttauben zu schaffen. "Der Handlungsbedarf ist nicht neu – er ist lediglich weiter eskaliert", mahnt Jörs.
Sulzmann verweist dahingehend auf bereits bestehende Projekte: Bezirksämter und private Initiativen betreiben Taubenschläge an Orten mit hoher Taubenpopulation, unter anderem im Stadtteil Barmbek.
Diese Projekte würden wissenschaftlich begleitet, um langfristig funktionierende Maßnahmen des Taubenmanagements abzuleiten, und finanziell von Bürgerschaft und Behörde unterstützt. "Vor weiteren Schritten sind die Ergebnisse des Pilotprojekts [...] abzuwarten", so der Pressesprecher.
Der Verein begrüßt städtische Initiativen wie in Barmbek, kritisiert aber die Lage: "Der Taubenschlag ist an keinem klassischen Hotspot [...] Aus diesem Grund füllt sich der Schlag erwartungsgemäß langsamer." Außerdem sei problematisch, "dass weiterhin direkt neben dem Taubenschlag [...] gefüttert wird. Dieses Füttern [...] konterkariert die Zielsetzung des Taubenschlags".
Eileen Jörs betont gegenüber TAG24: "Damit Taubenschläge ihre tierschutzgerechte Wirkung entfalten können, ist es entscheidend, dass sie als zentraler Versorgungs- und Aufenthaltsort akzeptiert werden, sowohl von den Tauben als auch von den Menschen vor Ort. Geduld, konsequente Betreuung und begleitende Öffentlichkeitsarbeit sind hierbei unerlässlich."
Titelfoto: Gandolfs Taubenfreunde Hamburg

