Hamburg - Mit der Premiere der neuen Show "Unterwegs in der Milchstraße" hat das Planetarium Hamburg am Donnerstag das neue Veranstaltungsjahr eröffnet und nimmt Besucher ab sofort mit auf eine Reise in die kosmische Heimat der Menschheit. Von der Erde über das Sonnensystem bis hin zur Milchstraße als "Sternenstadt aus rund 200 Milliarden Sonnen", wie Direktor Dr. Björn Voss zu Beginn erklärte. Jener Galaxie, die wir von der Erde aus meist nur als scheinbar "milchigen" Dunstschleier am Himmel wahrnehmen.
Doch selbst dieser Anblick sei heute kaum noch möglich: "Wir können keinen ungestörten, dunklen Sternenhimmel mehr erleben, weder in Hamburg noch überhaupt in Deutschland", so Voss.
Wer einen ungetrübten Blick auf die Sterne werfen möchte, müsse das Land verlassen oder eben ins Planetarium gehen. Im ersten Teil der Show wird dann auch genau das gezeigt: die Milchstraße, wie sie an einem wirklich dunklen Nachthimmel mit bloßem Auge zu sehen ist.
Im zweiten Teil folgt dann eine Reise durch die Milchstraße auf Basis modernster astrophysikalischer Forschungsdaten. Dieser Teil basiert auf der internationalen Produktion "Encounters in the Milky Way", entwickelt vom New Yorker "American Museum of Natural History" in Kooperation mit der NASA.
Wissenschaftliches Rückgrat der Veranstaltung ist eines der bedeutendsten Forschungsprojekte dieses Jahrhunderts: die Gaia-Mission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Das Weltraumteleskop kartierte über mehr als ein Jahrzehnt hinweg die Positionen, Entfernungen und Bewegungen von fast zwei Milliarden Sternen.
Voss betonte die Tragweite dieser Daten: "Das klingt zunächst vielleicht nicht sehr faszinierend, aber es ist ein ganz grundlegender Datensatz, der viele erstaunliche neue Entdeckungen überhaupt erst möglich macht." Gaia habe "eine Art Revolution in der Astronomie" ausgelöst. Eine Revolution, die nun im Planetarium visuell erfahrbar wird.
Planetariumshow führt zur "wissenschaftlichen Sensation"
Als besonderer Ehrengast war am Donnerstag Jackie Faherty, Astrophysikerin und Kuratorin für Astrophysik am "American Museum of Natural History" live zugeschaltet.
Faherty hat die Show wissenschaftlich begleitet und bezeichnet die Produktion als ihren persönlichen "Liebesbrief an Gaia". Ihr Ziel sei es gewesen, diese wissenschaftliche Revolution sichtbar zu machen.
"Ich wollte, dass die Geschichten, die durch Gaia sichtbar werden, nicht nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vorbehalten bleiben, sondern auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich sind."
So erzählt die Show von Begegnungen auf verschiedenen Skalen: von einer zukünftigen Annäherung des Zwergsterns "Gliese 710" an unser Sonnensystem über die besondere Umgebung der Sonne in der sogenannten "Lokalen Blase" bis hin zur Wechselwirkung der Milchstraße mit der Sagittarius-Zwerggalaxie.
Besonders bemerkenswert sei, dass die Arbeit an der Visualisierung zum ersten Mal in der Geschichte einer Planetariumshow selbst zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen geführt hat. Bei der Darstellung der "Oortschen Wolke" (eine kugelförmige Ansammlung von Milliarden von eisigen Kleinkörpern, die bei der Entstehung eines Sonnensystems entstehen) wurde eine bislang unbekannte spiralförmige Struktur sichtbar.
"Ich dachte zunächst, ich sähe ein Artefakt", berichtete Faherty. Doch die Struktur erwies sich als real und ist inzwischen Gegenstand einer wissenschaftlichen Veröffentlichung. Dr. Voss hob hervor, dass dies ein außergewöhnliches Beispiel dafür sei, wie eine Planetariumshow nicht nur Wissenschaft vermittelt, sondern selbst zu "wissenschaftlichen Sensationen" beitragen kann.
"Unterwegs in der Milchstraße" wird noch bis Ende Mai fast täglich im Planetarium Hamburg gezeigt. Tickets gibt es unter planetarium-hamburg.de.